Stargeiger David Garrett offen über seine Eltern: „Ich hab beide sehr lieb – aber angenehm war es nicht“

Shownotes

Stargeiger David Garrett im Gespräch mit BILD-Unterhaltungschefin Tanja May über seine außergewöhnliche, aber auch harte Kindheit, den hohen Leistungsdruck und seinen Weg vom „Wunderkind“ zum international gefeierten Musiker. Er spricht offen über seine Familie, seine Zeit in New York, die Suche nach der eigenen Identität und darüber, warum Freiheit und Anonymität für ihn bis heute eine besondere Bedeutung haben.

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00:00:00: David Garrett war nie auf einer normalen Schule.

00:00:02: Keine Klassenfahrten, kein Schüleraustausch, keine eigenen Schulfreunde.

00:00:06: Stattdessen wurde er privat unterrichtet, weil er schon als Wunderkind mit seiner Geige durch die Welt reiste.

00:00:12: Der Werdegang war schon verrückt schnell!

00:00:14: Mit dreizehn Vertrag mit deutschem Grammophon unterschrieben und den großen Dirigenten und Orchester in dieser Welt gespielt – ob Los Angeles oder Dubai oder Indien oder Tokio.

00:00:25: David war vier Jahre alt, als die Geige anfing sein Leben zu bestimmen.

00:00:29: Mit sechs erklärte ihm sein Vater, sie sei seine Berufung.

00:00:33: Während andere Kinder spielten oder einfach mal gar nichts tun mussten, lernte David vor allem eines zu funktionieren...

00:00:40: Ich habe keine Erinnerungen ohne Geige!

00:00:42: Das ist echt Paras!

00:00:43: Also es war wirklich ein Job der die Disziplin jeden Tag vier ... Teilweise fünf Stunden, als ich älter geworden bin sogar mehr immer wieder erfordert hat.

00:00:54: Heute ist er forty-sech einer der erfolgreichsten Geiger in der Welt und spricht den Maiweg honungslos ehrlich über den Preis seiner außergewöhnlichen Karriere.

00:01:03: Das ist so der Moment, der wahrscheinlich im Leben das Schwierigste ist weil du dann die Vergangenheit unbewusst irgendwie aufarbeiten musst Weil Du weißt viele Sachen waren Sehr verkehrt.

00:01:14: Über einen Vater, dessen Liebe sich für ihn als Kind oft wie Druck anfühlte.

00:01:19: über Dränen oder Feigen Liebesentzug Mit neunzehn.

00:01:23: endlich bricht David aus.

00:01:25: Er geht nach New York die wohl wichtigste Phase seines Lebens.

00:01:45: Heute ist mein Gast bei My Way David Garrett Stargeiger, Frauenliebling, Publikumsschwarm.

00:01:51: Also ich glaube der wird.

00:01:52: für dich gibt's viele Dinge.

00:01:53: Marek Lieberberg nennt sich ja immer den Zauber Geigerer.

00:01:55: Ich glaub das hörste gar nicht so gern oder?

00:01:58: Erst mal vielen Dank fürs wunderschöne Intro.

00:02:00: Freu mich hier zu sein!

00:02:02: Ich hab jetzt seit drei Jahren eine ganz ganz tolle Beziehung zur Life Nation.

00:02:07: Marrek Lieberger Berg hat glaube ich mal den Begriff Zaubergiger irgendwie in die per Art Trommel geschmissen und war so naja.

00:02:14: okay Wird ich mal mit leben, aber für mich bin ich immer noch Musiker in erster Linie und Geiges heißt halt das Instrument, mit dem ich mich irgendwie sehr gut ausdrücken kann.

00:02:26: Du hast ja heute eine wunderschöne Geige mitgebracht!

00:02:29: Ich wollte gleich ausm Kasten reißen, aber du hast mir dann gesagt wie hoch der Wert ist von dieser Geige?

00:02:34: Wiederholz bitte nur!

00:02:36: Ich muss aufpassen mit dem Preis, aber das ist schon achtstellig... Und er muss man sehr aufpassen.

00:02:43: Es ist ein Museumsexemplar vom Erhaltungszustand, eine Guarnere del Gesu genannt die Baltic aus dem Jahre siebzehntunderschwanzig und ich habe das ja die große Ehre so einen Instrument auf der Bühne spielen zu dürfen jetzt auch für die anstehenden Klassik Turnien und bin da sehr glücklich und froh drüber als eine Riesenehrer.

00:03:03: wie viel Geigen hast du Zuhause?

00:03:05: Ich

00:03:05: habe acht Instrumente hat mehr extra so'n schönen Schrank sind Humidor Auch für zu Hause Bauern.

00:03:11: Im Geigengummidor?

00:03:12: Ja, ich fand das irgendwie... Das

00:03:14: geht ja auch um Luftfeuchtigkeit und alles oder die müssen ganz besonders behandelt werden.

00:03:18: Am besten halt so zwischen der Dreiundzwanzig-und-Zwanzig Grad.

00:03:22: Vierzig bis Sechzig Prozent Luftfeuchteigkeit eigentlich wie eine Zigarre glaube ich.

00:03:26: Obwohl ich keine Zigarren rauche.

00:03:27: aber so ähnlich stelle ich mir das vor.

00:03:30: Und dann habe ich in der Nähe von München jemanden gefunden, der das früher für Zigarren baut und hat mir eine Skizze gegeben.

00:03:35: Ich habe gesagt, ich habe acht Instrumente.

00:03:37: Könntest du mir bitte so und so basteln?

00:03:39: Dass man auch von außen wunderbar reingucken kann mit einer kleinen LED-Geschichte, dass sich die Lichtstimmung ein bisschen für die Instrumenter einstellen kann.

00:03:50: Ja, ich bin da speziell.

00:03:52: Aber mir macht Spaß!

00:03:53: Gut ist ja auch deine Berufung, dein Beruf?

00:03:55: Also das ist dann eine Leidenschaft... Ich

00:03:57: finde die Geigen müssen auch ein gutes Zuhause haben.

00:03:59: Wo stehen sie denn?

00:03:59: Wo steht dieser Humidor für Geigen?

00:04:01: In meinem Musikzimmer.

00:04:02: Also ich hab speziell hier in Berlin als auch in New York so'n Musikzimmmer wo ich auch wirklich reingehe, die Türe zu machen kann, Handy bleibt draußen, Manuskripte sind da, die Sachen nicht vorbereiten muss und dann habe Arbeitsspace, da lege ich viel Wert drauf.

00:04:18: Und vermutlich wie jeder Sänger oder Künstler der mit Musik ja auch zu tun hat?

00:04:23: Die Stimme muss geölt werden die Finger müssen geölten werden und die Geige muss geölt werden.

00:04:27: Du übst jeden Tag, oder?

00:04:28: Die Geige am wenigsten!

00:04:29: Ich glaube das ist Ölkontrakt produktiv.

00:04:31: Wenn du ölt meinst jetzt so musst proben einfach,

00:04:33: oder?!

00:04:34: Viel

00:04:34: probend viel mit dem Kopf auch arbeiten.

00:04:38: also es natürlich nicht nur dass man schauen muss dass die Hände funktionieren ist die Feinmotorik da ist.

00:04:43: das mache ich am Anfang des Tages Heute natürlich auch.

00:04:46: Das

00:04:46: heißt, du machst dann gewisse Übungen?

00:04:48: Tunleitern, Übung in Terzen-Oktaven, Fingrierteoaktaben, Dezimentunleittern, Apeggios... All das was man vielleicht auch so vom Gesang kennt.

00:04:59: Also nur auf der Geige und deswegen auch ein Musikzimmer was ein bisschen abgedämpft ist damit die Nachbarn morgens auch einen guten Tag!

00:05:07: haben und guten Tag starten.

00:05:09: Weil wenn

00:05:09: du spielst, ist es glaube ich angenehmer als wenn irgendein kleines Kind gerade anfängt?

00:05:13: Tonleiter ist nie schön, egal ob es Paganini spielt oder irgendjemand der nicht geil gespielen kann.

00:05:18: das ist einfach gruselig und das ist irgendwie für die Ohren auch irgendwie nicht nice aber es muss halt sein.

00:05:25: Es gehört zur Pflege auch zum, dass man seine Maintenance auf dem Instrument beibehält.

00:05:31: Seine Virtosität beiberehlt.

00:05:33: da gehört es dazu und danach geht's natürlich eher so in die Musik rein und in die Arbeit die vorzubereiten ist.

00:05:39: Du spielst jetzt?

00:05:40: Du bist jetzt forty-six geworden von ein paar Tagen Glückwunsch.

00:05:42: noch nachträglich Dankeschön!

00:05:44: Du hast mit vier Jahren angefangen das heißt du spielts seit zweivierzig Jahren spieltest du Geige.

00:05:49: Eigentlich

00:05:49: müsste ich in die Rente gehen.

00:05:50: oder Das ist die Frage,

00:05:54: wie kommt denn ein vierjähriges Kind dazu zu sagen ich will jetzt Geige spielen?

00:05:58: Kommt es nicht.

00:05:59: Also nicht zumindest auf mehr als ein paar Tage.

00:06:04: also da ist schon vonseiten meiner Eltern insbesondere und seit meines Papas eine große Affinität gewesen das nicht nur ich sondern auch meine Geschwister ein Instrument lernen.

00:06:15: mein Papa war sehr involviert in Streichinstrumenten, hatte ein Auktionshaus für Streichinstrumente gehabt.

00:06:23: Hat selber Geige gespielt.

00:06:25: Für viele Jahre hat allerdings ein bisschen spät angefangen mit vierzehn, fünfzehn Jahren und das ist ein Alter zumindest für das Instrument was nicht mehr die Möglichkeit bietet, die Feinmotorik so einzustudieren.

00:06:40: Das heißt man sollte schon spätestens mit dem Instrument anfangen, um wirklich auf top Niveau dann auch spielen zu können.

00:06:49: Und mein Papa hatte das Gefühl ich könnte das hinkriegen und war da sehr ambitioniert mit mir und meinen Geschwistern.

00:06:56: aber wir sind das mit mir.

00:06:57: Ich

00:06:57: wollte gerade sagen der Focus lag auf dir oder?

00:06:59: Also dein Bruder, deine Schwester mussten die oder durften die auch geil gespielen hat man gleich gemerkt es wird nicht.

00:07:04: Mein Bruder hat zuerst Geigen gespielt.

00:07:07: Der ist knappe zwei Jahre älter Alexander heißt er.

00:07:10: Er war nicht untalentiert, also er hat auch gut gespielt.

00:07:13: Ich muss sagen das natürlich.

00:07:14: die Tatsache dass er älter war und etwas bekommen hat was ich nicht hatte, hat mich schon getriggert und dann war ich so möchte ich vielleicht auch haben.

00:07:24: also diese Motivation war schon gut als es kam auch was von mir.

00:07:28: Es war jetzt nicht so wie egal gehts üb sondern es war halt auch irgendwie so in dieser Gesellschaft, in der Kombination mit meinem Bruder zusammen zu üben.

00:07:37: Das war schon irgendwie auch spaßig aber mein Bruder hat's nicht gefallen.

00:07:45: Dem war wahrscheinlich auch die Situation zu Hause nach so ein, zwei Jahren zwar den zu strengen.

00:07:51: Papa war auch sehr emotional wenns uns üben ging.

00:07:55: Er

00:07:56: war ja auch euer oder dein erster Lehrer.

00:07:58: also er hat euch das ja beigebracht.

00:07:59: Jäger arbeitete bis ich fünfzehn, sechzehn Jahre alt war.

00:08:02: Also immer natürlich parallel zu den großen Musikern die er auch muss sich fairerweise sagen.

00:08:09: Immer wieder organisiert hat ob es ein Yuhudi Menuin war oder einen Isaac Stern oder eine Ida Händel oder einen Itzhak Parman.

00:08:16: Er hatte das immer wieder irgendwie geschafft den Kontakt zu diesen Leuten herzustellen.

00:08:20: Subin Mehta, Sinopoli etc.

00:08:22: Hat er dann eine Kassette hingeschickt damals noch?

00:08:24: Oder wie war das?

00:08:25: Hat er dich aufgenommen?

00:08:27: Unter anderem teilweise wahrscheinlich schon, aber natürlich auch hat mich vorspielen lassen.

00:08:32: Also hatte ein gewisser Werdegang, der ging sehr früh bei mir los.

00:08:37: Ich habe mit fünf Jahren auf der Bühne gestanden und für Jugend musiziert.

00:08:41: Hab erst mal Beethoven-Romanzen gespielt.

00:08:44: dann mit sechs bis sieben Jahren angefangen mit besseren Pädagogen zu arbeiten – mit acht mit Sacha Bronn.

00:08:51: Lehrer von Maxim Vengerov war die im Rehpin also wirklich top!

00:08:56: Lehrer.

00:08:57: und dann mit zehn Jahren Ida Händel kennengelernt.

00:09:01: Einer der Top-Geigerinnen des zwanzigsten Jahrhunderts, mit der viele viele Jahre gearbeitet.

00:09:07: Mit vierzehn, fünfzehn angefangen mit Isaac Stern zu arbeiten.

00:09:10: also der Werdegang war schon verrückt schnell!

00:09:13: Mit dreizehn Vertrag mit deutscher Grammophon unterschrieben, mit den großen Dirigenten und Orchester in dieser Welt gespielt ob Los Angeles auf Dubai oder Indien.

00:09:26: Es ist total irre bei dir, weil du warst eigentlich mit dreizehn.

00:09:28: Mit dreizehnt warst du Berufsmusiker?

00:09:31: Ich habe das Gefühl ich war schon mit fünf Berufsmusikern.

00:09:34: Zumindest haben mich meine Eltern so behandelt.

00:09:37: Also es war wirklich ein Job der auch die Disziplin jeden Tag vier teilweise fünf Stunden dann als ich älter geworden bin sogar mehr immer wieder erfordert hat um das Reportwort zu lernen und Kurve nach oben zu machen, nicht nur technisch sondern auch musikalisch.

00:10:00: Also das war wirklich nur auf diesen Bereich wirklich spezifisch fokussiert.

00:10:06: Man hat mir praktisch gesagt mit sechs Jahren, dass ist deine Berufung!

00:10:10: Da hatte ich überhaupt keine Ahnung was Berufung bedeutet.

00:10:12: Mit

00:10:12: sechs Jahren kommen Kinder in die Schule und da sagt man immer der Ernstes Lebens beginnt

00:10:18: Ja, der war dann wirklich bei mir da.

00:10:20: Ich hatte

00:10:21: vollsten ernstes Lebens.

00:10:22: Das kann man sich gar nicht heute vorstellen!

00:10:23: Es ist eine ganz andere Welt.

00:10:24: Also ich bin jetzt nicht fühle mich nicht so alt aber die Welt hat sich echt um hundred und achtzig Grad gedreht was das angeht also.

00:10:30: Weil du konntest ja dann... Du musst ja auch Noten lesen können.

00:10:34: Also du konnntest notenlesen bevor du schreiben und lesenkontest oder?

00:10:37: Ja und nein, also kann man jetzt nicht erinnern was zuerst da war.

00:10:40: Aber ich hab Noten natürlich auch als allererstes lesen müssen.

00:10:43: Klar wie willst du sonst Stücke lernen?

00:10:48: Und aber darüber hinaus war es halt wirklich ging's darum so schnell wie möglich uns ambitioniert für mögliche Konzerte zu bekommen mit guten Dirigenten, mit guten Orchestern.

00:10:59: Ich war immer in einem Umfeld mit top jungen Musikern Gesellschaft von Lehrern, die wirklich die begabtesten und ambitioniertesten jungen Menschen versammelt haben.

00:11:13: Und das ist natürlich dann auch irgendwie so eine Art von großer Wettbewerb im Positiven wie auch im Negativen weil man halt auch mal das Gespür hat du musst jetzt mithalten können.

00:11:23: Schierige Situation ist ein Beruf sehr früh!

00:11:27: Weil ich meine Du warst ein Wunderkind?

00:11:29: So hast Du angefangen also wurdest Du ja auch bezeichnet

00:11:31: Aber es war... Weiß ich nicht,

00:11:33: aber man sah in dir das Wunderken.

00:11:36: Man hat es so gesehen und ich muss fairerweise sagen wenn ich Sachen mir anschaue gerade so in dem Alter zwischen neun und sechzehn da merke ich schon dass war schon sehr gut wirklich wirklich gut.

00:11:48: Ich kann verstehen dass eine große Aufmerksamkeit auch entstanden ist für das was ich auf der Bühne abgeliefert habe.

00:11:56: Ich kenne natürlich auch die Kehrseite der Medaille und ich weiß, wie viele Tränen in Anführungsstrichen auch zu Hause vergossen worden sind von meiner Seite.

00:12:04: Wie viele Nächte man gearbeitet hat was total irre ist im Alter zu tun um dann auf der Bühne gut zu spielen und am nächsten Tag dann zu lesen in der Zeitung Wunderkinde.

00:12:14: das hat so keinen richtigen Sinn bei mir im Kopf ergeben weil ich wusste dass kommt nicht aus der Rubrik Das ist ein Wunder sondern kommt eher aus der Kategorie.

00:12:25: Ich hab mir den Arsch aufgerissen.

00:12:27: Sorry, ich will den Mythos jetzt nicht irgendwie ... Nein,

00:12:30: nein!

00:12:30: Ich stell das

00:12:31: total

00:12:32: im Gegenteil.

00:12:32: Ich find es gut, dass du offen drüber redest und ich stell mir das eigentlich für so einen kleinen Jungen mal mit fünf, sechs Jahren hattest du keine Angst auf der Bühne zu stehen?

00:12:41: Wenn da Publikum saß, hattet du

00:12:42: lang ... Komm später.

00:12:43: In dem Alter machst du so viel Instinktiv... kannst auch nicht wahrnehmen, was ist richtig und falsch.

00:12:50: Ist der Umgang mit deinen Eltern?

00:12:52: Ist der umgang mit Konkurrenten wie man die damals schon irgendwie so empfunden hat, die auch geile gespielt haben das alles für dich normal ist?

00:13:02: ich sage immer dass umfeld was du hast es für dich immer das Norma ist egal wie abstrakt oder absurd ein umfeld im nachhinein einem erscheinen wenn man erwachsen geworden ist und das ist ja irgendwann mal passiert dass man gedacht hat Puh, normal war das ja nicht.

00:13:18: Das ist so der Moment, der wahrscheinlich im Leben der schwierigste ist weil du dann die Vergangenheit unbewusst irgendwie aufarbeiten musst, weil du weißt viele Sachen waren sehr verkehrt.

00:13:30: und komme ich jetzt mit dem Bewusstsein damit ich jetzt wo ich weiß was halbwegs Normalität ist komme ich klar mit der Aufarbeitung wie verkehrtes gewesen ist.

00:13:41: ein schwieriger Schritt.

00:13:42: Ich sag mal, das fängt ja auch in der Familie an.

00:13:44: Du hast zwei Geschwister.

00:13:45: auf dich stürzt sich Mama und Papa... ich weiß nicht wie war das mit dir und deinen Geschwisters?

00:13:50: Ähm,

00:13:50: ich hab viel Aufmerksamkeit bekommen.

00:13:54: Viel zu

00:13:55: viel!

00:13:55: Von Mama und papa?

00:13:56: Von Mama ein paar, viel zu viel.

00:13:58: Und dein Bruder und deine Schwester sind vielleicht so'n bisschen neben runtergefallen oder wie?

00:14:02: Ich glaub die hatten aber... Die waren sehr glücklich darüber.

00:14:05: also es weiß ich.

00:14:07: Also auch im Nachhinein spielte die Schwester und mein Bruder gehabt.

00:14:11: denen war schon bewusst, dass die Aufmerksamkeit, die ich bekommen habe, die wollten die um Gottes willen nicht haben.

00:14:18: Also da war ich schon derjenige, der das dann auch... Ich glaube auch die Physis und die Psyche gehabt hat dieser Aufmerksamkeit ertragen zu können.

00:14:29: Das war mein Bruder nicht in der Lage also meine Schwester ansofern.

00:14:33: Ich hab's dann auf mich gezogen und es auch akzeptiert.

00:14:35: Wie

00:14:36: sah der fünfjährige David aus?

00:14:37: Hummelig!

00:14:38: Ja?!

00:14:40: Pummelig.

00:14:42: Und die Haare?

00:14:42: Darf man das noch sagen, man weiß

00:14:43: es nicht.

00:14:44: Darf ich was noch sagen?

00:14:45: Pummelig und die Haarle?

00:14:46: Hatte du eine kurze Harte?

00:14:47: Kurzer

00:14:48: Frisur?

00:14:48: also Military Cut ist total irre.

00:14:51: Also war dann halt einfacher.

00:14:53: Ich glaube meine Eltern waren muss man fairerweise sagen weil jetzt nicht irgendwie... Die waren ja nicht reich oder so.

00:14:58: aber dann wie ich weiß beim Friseur war immer irgendwie fünf Mark damals und das war schon toll.

00:15:05: Aber das ganze Geld, alles was in dich investiert wurde.

00:15:08: Die Lehrer zu finden und die Instrumente hat ja wahnsinnig viel Geld auch gekostet?

00:15:12: Absolut!

00:15:12: Und ich bin auch so kompliziert rückblickend dass alles war und so viele Fehler man natürlich immer bei seinen Eltern findet.

00:15:22: Eines muss man sagen...die Ambitionen und die Motivation von meinem Papa gerade von meinem papa das irgendwie hinzubekommen Auch wenn es sich vielleicht oftmals falsch angefühlt hat als Kind, die Motivation kam voraus aus ganz viel Liebe.

00:15:41: Die Umsetzung war des öfteren Mal verkehrt aber das sagt er mittlerweile auch.

00:15:47: Ja

00:15:48: klar ich glaube dass man gerade auch als Elternteil, der hat ja auch noch nie vorhin eine Familie gehabt und weiß nicht wie sie funktionierten.

00:15:56: Ich finde da muss man auch mal im Alter auch Nachsicht walten lassen.

00:16:01: Ich finde, das ist auch wichtig.

00:16:02: Dass man zurückguckt.

00:16:03: Klar, auch mal einordnet was war richtig und falsch.

00:16:07: Wo habe ich mich vielleicht mal falsch verhalten?

00:16:09: Aber dann

00:16:09: auch mal Nachsicht!

00:16:10: Ohne unsere Eltern wären wir nicht hier so schwer oder schwierig es auch mal als Kind war.

00:16:15: Wir haben alle daraus gelernt.

00:16:16: Wir sind gewachsen, wir sind unserer eigene Identität geworden Und auch oder gerade durch schwierige Momente, durch schlechte Zeiten haben wir uns gefunden und sind diese Momente fast wichtiger, um das jetzt sozusagen zu zelebrieren.

00:16:35: Insofern Nachsicht!

00:16:37: Deine Mama ist ja dein größter Fan würde ich sagen oder?

00:16:39: Du nimmst sie ja gerne mal mit auf Tournee.

00:16:41: Sie liebt es?

00:16:41: Ja mein Papa ist ja früher mit On the Road gegangen.

00:16:44: Na is er dabei gewesen am

00:16:45: Abend?

00:16:45: Genau ich hab gedacht... Sie nicht?

00:16:46: Ich muss... Sie ist zu Hause geblieben hat und hat dann meine Geschwister natürlich aufgepasst.

00:16:50: die sind normal zur Schule gegangen.

00:16:52: Ich hatte ja diese Genehmigung von Nordrhein-Westfalen externen Schuten darin zu bekommen bis zum Abitur.

00:17:01: Aber meine Mama ist zu Hause geblieben, hat sich immer eine Schwester und ein Bruder gekümmert.

00:17:04: In Haushalt auch teilweise um das Geschäft von meinem Papa.

00:17:08: Und mein Papa ist mit mir dann so... Also es heißt jetzt durch die Weltgeschichte gereist, das hört sich mal so schön an aber es war halt auch anstrengend.

00:17:16: also es

00:17:17: war nicht

00:17:17: angenehm für ihn.

00:17:18: Weißens

00:17:18: Anstrengende?

00:17:19: Du kannst ja nicht alleine, du warst da noch ein Kind!

00:17:21: Ich

00:17:21: war da dreizehn, vierzehn.

00:17:22: Aber heute ist deine Mama oft dabei, ich hab sie ja auch schon kennengelernt.

00:17:25: Ja, ich versuche das Leben zu balancieren.

00:17:29: Jetzt kommt sie mal nach Los Angeles mit oder nach Tokyo.

00:17:32: Genießt

00:17:32: ihr wahrscheinlich auch?

00:17:34: Die hat richtig Spaß dran!

00:17:35: Also für die ist es natürlich auch ein bisschen ohne diesen Druck-Karriere... fördern zu müssen.

00:17:46: Da hat mein Papa wahrscheinlich die schlechtere Zeit mitbekommen, weil da war natürlich auch halt mit mir geübt, hat vor dem Konzert kritisiert.

00:17:53: Nahmkonzert hatte ja immer so ein Aufnahmegerät in den Konzertssäle genommen und nahmen Konzerte.

00:17:58: haben wir uns das angehört und wurde kritisieren und Kritik ausgearbeitet und nochmal Episoden gearbeitet.

00:18:06: Bin ich froh dass ich das mittlerweile ganz anders regne.

00:18:10: War das für dich als Kind schlimmer damals?

00:18:12: Du musst gut sein, du musst ja Leistung bringen.

00:18:16: Weil er das von dir erwartet oder wenn du ihn enttäuscht hast?

00:18:18: Also welches Gefühl war ein schlimmer?

00:18:20: Viel schlimmer!

00:18:21: Wenn erstens ich mich enttäuschte weil was gearbeitet habe und gehofft habe es funktioniert aber natürlich die Kombination dass dann jemand dir das auch noch erzählt macht es nicht besser.

00:18:32: Da sind noch Drehungen geflossen oder?

00:18:33: Abdauernd also sehr oft.

00:18:36: Hast du die Geige auch mal ins Eck geworfen hast?

00:18:38: Ich hab keine Lust mehr jetzt auf

00:18:40: Absolut, aber es gab sicher die Situation wo wir uns so aneinander gerieben haben dass ich gesagt bestimmt auch etwas lauter gesagt habe.

00:18:48: Ich schmeiß das Ding jetzt in die Ecke

00:18:50: Hast du aber nicht weil sie sind ja teuer?

00:18:52: Genau, ich hab dann immer gedacht, kannst du ihn nicht machen.

00:18:56: Nicht nur teuer sondern ist ein Stück weit auch eine große Liebe und Affinitäten.

00:19:01: Ein Stück weit Kulturgut.

00:19:04: Das kaputtmachen.

00:19:05: Ich glaube das hat mich mehr davon abgehalten, als das geht.

00:19:10: Aber dein Vater war ja Lehrer?

00:19:11: Der war Förderer?

00:19:12: Da war Motivator-Antreiber würde ich sagen.

00:19:15: Wann war der denn mal vielleicht gerade mit dir oder wann war er dann einfach nochmal der Papa?

00:19:19: Ich

00:19:20: glaube wer der erste, der sagen würde es wäre in der Zeit unglaublich schwer gewesen, Papa zu sein weil in dieser Phase des Lebens kann man diesen Spagat wahrscheinlich gar nicht hinkriegen.

00:19:31: also er war wirklich Ich habe es zumindest empfunden von Lehrer und das ging halt auch in die Familiendiskussion über.

00:19:41: Also ist nicht so, dass wir gearbeitet haben drei, vier Stunden und danach hat man sich hingesetzt mit der Familie und Musik war kein Thema.

00:19:47: also ich war ja sozusagen hundert Prozent des Tagesthema und auch des Abendessens.

00:19:52: und wenn schon schlechter Tag war dann auch am Abendessen hat keiner miteinander geabselut da konnte den Raum schneiden mit Buttermesser

00:20:02: Aber den anderen beiden ja nicht fair gingen?

00:20:04: Unglaublich unfair.

00:20:05: Insofern, die haben sich aber trotzdem ihren Space immer... Wir hatten hier Gott sei Dank ein Haus, ihren Space geschaffen.

00:20:12: Mein Bruder hat dann immer so diese Strategie, ich tue die Kopfhörer rauf und höre Musik wenn es unten lauter wird.

00:20:18: Eine

00:20:18: Schwester?

00:20:20: Da sind ein paar Jahre mehr Unterschiede.

00:20:22: Das heißt als meine Schwester geboren worden ist in der Also in dem Moment wo sie Sachen mitbekommen hat, mit Konzerten.

00:20:32: Da war ich schon vierzehn-fünftzehn.

00:20:34: War eine andere... leicht andere Situation.

00:20:38: Aber wenn du so zurückdenkst, welches Gefühl hast du, wenn du an deine Kindheit denkst?

00:20:42: Eminent wichtig für die Person, die ich bin.

00:20:46: Für den Musiker aber auch für das Zerbrochene was ich innerlich fühle.

00:20:52: Was allerdings auch wieder Antrieb ist etwas mit seinem Leben anzufangen immer wieder sich verbessern zu wollen.

00:21:01: Das kommt ja immer aus etwas, was zerrüttet ist.

00:21:04: Ohne dieses Zerrüttet sein gäbe es ja auch keinen.

00:21:06: also zumindest empfinde ich das und vielleicht kann mir jemand online widersprechen werden sicherlich viele gerade tun.

00:21:13: aber ich glaube ohne richtig mal Schmerz und zerrütte sein und Chaos und Drama und Frustration wirklich gefühlt zu haben wo soll denn die Emotion herkommen dass auch wiederzugeben?

00:21:27: Natürlich gibt es Instinkt, aber überinstinkt ist noch etwas anderes und das ist dann die große Kunst.

00:21:33: Ob das jetzt Poesie ist oder Schriftstelle oder Leute, die malen oder Gedichte schreiben.

00:21:40: Ohne das wirklich erlebt zu haben wird schwer das wirklich richtig zu greifen.

00:21:46: Ich finde es schwer wenn jemand so klein ist und auf die Bühne gestellt wird und gemessen wird ja an seiner Leistung dass ich weiß nicht, wie man sich definiert oder entwickelt als kleiner Junge zu wissen.

00:21:58: Ich bin wertvoll auch wenn ich jetzt gerade nicht gut bin

00:22:01: mit der Geige.

00:22:02: Das ist ja so

00:22:03: ein großes Problem.

00:22:03: Kennst

00:22:04: du nur das?

00:22:04: Du wurdest immer an deiner Leistung gemessen.

00:22:06: Meine Eltern werden es nicht so empfunden haben.

00:22:09: Aber

00:22:10: du!

00:22:11: Bin ich denn wertvoll, wichtig und liebenswert, wenn ich keine Geigespiele?

00:22:15: Das werde ich herausfühlen, wenn ich mal den mit der Geige aufhöre.

00:22:18: Dann werde ich... Eine solche

00:22:19: Frage hast du dir sicher auch gestellt oder?

00:22:21: Immer wieder!

00:22:21: Also Momente wird es gegeben haben.

00:22:23: Wer bin ich eigentlich ohne Geige?

00:22:26: Mittlerweile weiß ich ja schon wer bin ich ohne Geiger.

00:22:29: Wer Bin Ich Ohne Musik ist die größere Frage.

00:22:31: damit beschäftige ich mich irgendwann mal später.

00:22:33: aber Die Geige ist halt Mittel zum Zweck.

00:22:36: Aber klar ist diese Einschätzung die man mitbekommt oder subjektiv mitbekommt als Kind, dass die Leistung eher dazu führt liebevoll behandelt zu werden ist natürlich irgendwie schon fatal.

00:22:53: Und die macht was mit einem ein Leben lang das wird man auch muss werde ich auch nicht abschütteln können.

00:23:01: auf der anderen Seite Ich versuche es eher zum zu umarmen.

00:23:04: Ich glaube, meine Einstellung im Leben bei immer je schwieriger ein Mensch ist desto mehr gehe ich auf die Person drauf zu.

00:23:11: Je schwieriger eine Situation ist, desto meer sage ich das.

00:23:13: es ne gute Sache.

00:23:15: lass uns überlegen wie wir das hinbekommen.

00:23:17: Je komplexer etwas ist destso mehr versuche ich mich in des Thema reinzuarbeiten.

00:23:23: Es hat auch positive Seiten sowas erlebt zu haben vielleicht sogar mehr als man denkt.

00:23:28: Du wusstest ja, Applaus ist wichtig.

00:23:30: Also wenn der Applaus laut war oder anhalten war...

00:23:32: Der Applaus hat mich am wenigsten interessiert!

00:23:33: Ich wollte nur meinen Papa sehen, der hoffentlich glücklich in die Garderobe kommt.

00:23:37: Und er war

00:23:38: natürlich glücklich?

00:23:38: Wenn der Applaus da war natürlich.

00:23:40: Brauchst du Applaus?

00:23:41: Nein!

00:23:42: Hat den überhaupt nicht interessiert, Appaus.

00:23:44: Er war so Künstler im Herzen, wenn er nicht zufrieden und wenn er gewusst hat – ich kriege das, ich habe übrigens dieselben Coasters zu Hause – Ich hätte es besser machen können, dann war ich nicht zufrieden.

00:23:55: Applaus hin und her, Standing Ovation war auch bei ihm immer Applaus, Erfolg bedeutet nichts.

00:24:02: Er hat mal gesagt du musst auf dem besten Level sein Und das ist das allerwertvollste und so werde ich dich beurteilen Nicht nach Applaus oder Erfolg.

00:24:11: Insofern gab's da nicht mehr diese Messlatte selbst mit großen Erfolg und Standing Ovaluation War jetzt nicht unbedingt... Man saß dann trotzdem backstage und hat gedacht wie kommt er jetzt mit einem Lächeln rein?

00:24:20: Oder war unzufrieden?

00:24:21: Schwierig?

00:24:22: Gab es da auch Liebesentzug?

00:24:24: Absolut.

00:24:24: Aber ich glaube nicht, dass das...

00:24:26: Nicht bewusst wahrscheinlich, aber er hat Zeit.

00:24:27: Einfach dann, er war sauer, er hat vielleicht enttäuscht mehr als sauer und ... Es war eine ganz andere Zeit!

00:24:35: Und deine Mama, ich meine die ist Ballerina gewesen deiner Mutter, prima ballerina Da gehört ja auch jede Menge Disziplin dazu.

00:24:41: Fand das völlig normal.

00:24:42: Wollte ich grad sagen...

00:24:44: Hat man noch mit Stecken auf die Fußsohlen gehauen wenn die Pirouette nicht

00:24:48: gut war?

00:24:49: Das gab's da auch nicht, wenn dein Vater gesagt...

00:24:50: NEIN!!!

00:24:51: Nein, ich zogen

00:24:52: dann einem Strang die beiden.

00:24:54: Nicht an einem Strhang?

00:24:55: Also meine Mutter hat schon ab und zu mal sich schützen vor mich gestellt das muss ich schon sagen.

00:25:00: aber meine mutter war auch so die dann ins Zimmer kam mit ich dann irgendwie sehr betrübt war geweint habe und dann gesagt hat mind over matter.

00:25:10: Das war dann sie ihre ihre Einstellung fürs Leben.

00:25:14: der Kopf entscheidet was Schmerz ist.

00:25:18: Aber es gab schon auch mal Momente, wo man dich in den Arm genommen hat und mit dem Kind gekuschelt hat.

00:25:22: Also so eine Kindheit?

00:25:24: Na?

00:25:25: Oh je!

00:25:27: Naja ich hab mir das kuscheln später geholt irgendwo anders.

00:25:32: Nein die haben mich auch schon mal an den Arm genommen.

00:25:34: im Gotteswinnen aber ist nicht die Generation.

00:25:36: Mein Papa ist Nachkriegsgenerations, er ist ein Vierzig aufgeboren Den hat auch keiner in den Arm genommen.

00:25:43: Ich finde, da muss er es auch mal ein bisschen in Relation setzen!

00:25:46: Der hatte auch eine schwierige Kindheit gehabt.

00:25:48: Der hat auch nicht dieses was wir heute irgendwie so völlig normal sehen das Kind mal kuscheln oder so... Das hat der gar nicht mitbekommen.

00:25:55: Das war für den völlig normal dass es nicht irgendwie Kuschelaktionen abends gibt nachdem irgendwie ein schwieriger Tag war.

00:26:01: Er ist mein Zimmer gekommen und vielleicht hat er gesagt ey war heute ein bisschen schwierig tut mir leid?

00:26:06: Das war aber doch das höchste der Gefühle.

00:26:10: Und selbst Umarmungen von der Generation ist ja nicht so, dass man gedrückt wird.

00:26:13: Oder auf die Schulter klopfen, irgendwie ein bisschen verschimpft.

00:26:19: Könnt ihr das heute?

00:26:21: Wenn du dein Vater heute siehst...

00:26:23: Die Umarmung ist immer noch irgendwie ein Fremdwort.

00:26:27: Er probiert es!

00:26:28: Ich muss aber sagen, meine Mama ist ein bisschen körperlicher in der Hinsicht.

00:26:35: Das ist vielleicht auch das amerikanische, damit man da irgendwie mehr ran geht.

00:26:39: Du bist ja eigentlich, du heißt ja David.

00:26:41: Also David Christian Bongatz.

00:26:45: Ja und gab es die Zeit noch?

00:26:46: Hast du Erinnerungen ohne Musik oder ohne Geige wenn du an deine Kinder zurückdenkst?

00:26:50: Oder ist halt immer die Geige irgendwie...

00:26:52: Ich habe keine Erinnerung ohne Geighe!

00:26:54: Ist echt Paras!

00:26:56: Ohne Blödsinn!

00:26:57: Es gibt keinen Tag an dem ich mich auch erinnere wo ich mal irgendwie nicht gut.

00:27:03: ab und zu mal hab' ich mal vielleicht fünf sechs Tage bisschen mehr die Geige irgendwie im Urlaub, hat mein Papa gesagt kommen machen ein paar Tage auf.

00:27:13: Aber das... Was hast du dann gemacht?

00:27:15: Fußball gespielt wie andere Jungs oder wo ist es so da mit dir nichts anzuführen?

00:27:19: Hat

00:27:19: ja Gott sei Dank meine Geschwister.

00:27:20: Da hat man gepuzzelt, da haben wir Gesellschaftsspiele gemacht, Travel Pursuit, Spiel des Wissens Monopoly Mensch, also wir haben uns schon unterhalten und ich muss fairerweise sagen Ich hatte auch eine angenehme Kindheit.

00:27:32: was Was ist das Umfeld angegen?

00:27:35: Das muss man auch erwähnen.

00:27:37: Wir hatten ein sehr abgeschiebenes Haus, direkt am War in

00:27:42: Aachen,

00:27:44: direkt im Wald dran.

00:27:45: Ich habe mit meinen Geschwistern mich oft Fahrrad gefahren, spazieren gegangen, joggen, wir hatten den Garten und haben oft Fußball zusammengespielt, Basketball... Also was das angeht war das Leben sehr schön!

00:27:59: Und hattest du einen besten Freund oder Freunde?

00:28:02: Du hattest ja nie Zeit.

00:28:03: Konntest du zu Kindergeburtstagen gehen?

00:28:06: Das wummt mich bis heute auch so Klassenfahrten oder so.

00:28:10: Nein, hat mein Papa was dagegen gehabt.

00:28:12: Ich hätte verletzen können.

00:28:14: Was mich geärgert hat damals... ich versteh es mittlerweile aber damals hat sich natürlich so getriggert weil meine älteren Brüder und meine Schwestern die ganzen Klassenscharten mitmachen konnten.

00:28:24: Schüler-Austauschprogramm mal Skiurlaub dann irgendwie da nach Frankreich irgendwie für einen Wochenende Und auch Freunde!

00:28:33: Mein Bruder hatte natürlich seine Freunde gehabt weil er normal zur Schule gegangen ist.

00:28:40: Freunde waren sozusagen.

00:28:42: dann auch wurden seine Freunde, aber gezwungenermaßen.

00:28:46: Weil ich halt wie gesagt keine Freunde von der Schule haben konnte weil ich nicht da hingegangen bin.

00:28:50: Insofern habe mich meine Eltern oder meine Mutter mehr oder weniger dann immer so ins Zimmer vom meinem Bruder geschubst wenn der Freund hatte das ist ein bisschen soziale Interakt

00:28:58: ... soziale Kontakte ja

00:28:59: hat aber gar nichts gebracht!

00:29:01: Ich bin da irgendwie da ein bisschen verkümmert aufgewachsen und ich glaube deswegen halt auch so dieser Drang.

00:29:08: Ich muss mal hier weg und ich muss Menschen gerne lernen.

00:29:11: Ich muss meine soziale Interaktion lernen, nicht nur Musik.

00:29:15: Und deswegen war wahrscheinlich der Drang irgendwie New York, wenn schon denn ein ganz kaltes Wasser mit einer Arschbombe rein.

00:29:23: Machen wir jetzt!

00:29:24: Fandt dein Vater sicher nicht gut oder?

00:29:26: Er hatte ein Argument was ich sogar bisschen nachvollziehen kann obwohl es trotzdem nachhinein... Nicht das richtige Argument war.

00:29:34: Er hat natürlich gesagt, haben wir das fünf Alben mit der deutschen Grammuffin aufgenommen?

00:29:37: Du hast eine Karriere am Laufen!

00:29:38: Wenn du jetzt nach New York gehst, keine Konzerte spielst, studieren gehst... Egal mit wem, es war Izzak Parman also Pop-Narche.

00:29:47: Ist ja schon viel mehr geht da nicht mehr.

00:29:50: Mehr geht

00:29:50: wirklich nicht!

00:29:52: Trotzdem war sein Argument die Leute werden denken, du bist kein gereifter Künstler.

00:29:58: Die werden denken du bist wieder Student.

00:30:01: Ich verstehe das Argument.

00:30:02: Nur mein Argument war ein ganz anderes, das kannte er vielleicht sogar damals gar nicht.

00:30:07: Ich habe irgendwann mal so eine Art von Bühnenangst entwickelt.

00:30:11: Nicht weil ich nicht gut geübt habe oder weil ich das Gefühl hatte, ich beherrschte das Instrument sondern weil ich außerhalb des bloßen Geigespielen ... kein Musikunterricht bekommen habe.

00:30:25: Sprich, ich wusste nicht wie eine Komposition aufgebaut ist... ... ich wuste nicht wie man verschiedene Notenschüsse liest.

00:30:30: Ich hatte keinen Klavierunterricht!

00:30:31: Ich kannte mich nie mit Harmonie und Counterpoint aus.

00:30:33: Ich wusste keine Konzerte strukturiert sind.

00:30:37: Ich wusste nicht, wie ein Dirigent einen Viervierteltakt dirigieren.

00:30:40: Das heißt, ich stand neben den Dirigenten und wusste nichts was er mit den Händen macht.

00:30:45: Drei Vierteltakten?

00:30:46: Das sind alles Sachen die musst du... als Musiker schon wissen, damit du dich wohlfühlst.

00:30:51: Damit du dem folgen kannst.

00:30:52: und das war alles am Anfang wunderschön instinktiv wenn man sich so eingebettet hatte.

00:30:58: Man war jung und keiner hat es auch irgendwie gemerkt.

00:31:01: aber mit dreizehn vierzehn fünfzehn ist mir das aufgefallen mein Papa vielleicht nicht oder mit Sicherheit nicht Und meinen Lehrern vielleicht auch ein Stück weitig.

00:31:09: Aber mir ist aufgefallen und das hat wiederum eine Angst getriggert bei mir dass ich mich so nicht weiter entwickle.

00:31:17: Das ist ja das Allerstimmste auf die Bühne zu gehen und sich nicht wohlzuführen.

00:31:21: Und das hat sich natürlich von den, ja, von vierzehn, fünfzehnt, sechzehnten, siebzehn immer weiter bei mir so aufgestaut.

00:31:28: Ich habe gedacht der einzige Weg wieder zu mir zu finden wenn überhaupt oder zu der Musik zu finden zu einem guten Gefühl auf der Bühnen ist Wissen.

00:31:40: Wissen sich aneignen sich mit Leuten umgeben, die das auch aufsaugen und die auch außerhalb des nur stupiden Geigen-Spiels sich mit Musik beschäftigen.

00:31:52: Und deswegen habe ich nicht nur Geige in New York studiert sondern auch Kompositionen, dass sich wirklich jedes Detail was um mich herum passiert, was die Oboe spielt, dass ich eine Stütze lesen kann, dass man sich in die Partitur nachschlagen kann.

00:32:05: Wir machen einen Tagt, siebenundvierzig von der Clarilette so let's go!

00:32:09: dass ich das auch mit Doremi Fasolassido einfach dann vorsingen kann, die Melodie.

00:32:13: Dass alle wissen.

00:32:14: der junge Ahnung von Musik nicht geil gespielt war bei Musik.

00:32:18: Hat dich ja aufgewertet auch also fachlich?

00:32:21: Ich hätte keine Karriere gehabt, habe ich das nicht gemacht.

00:32:24: Ja!

00:32:25: Ich wäre ein guter Geiger gewesen aber ich wäre nie ein guther Musiker geworden weil irgendwann mal muss der Verstand den Instinkt ersetzen und ich war an dem Punkt nur Instinct und es hat mir Angst gemacht.

00:32:37: deswegen

00:32:38: New York.

00:32:39: Also war das ein sehr mutiger und weiser Schritt von dir auch?

00:32:41: Unglaublichweise, so wie ich es gerade auch erzähle.

00:32:44: Ich habe da ein gutes Gespür gehabt was nicht stimmt Und hab instinktiv in eine gute Entscheidung getroffen So schwierig sie auch war weil.

00:32:54: mein Papa hat dann auch gesagt in letzter Konsequenz Woher hätte ich das Geld jetzt auch nehmen sollen?

00:33:03: Also, ich hatte ja jetzt natürlich viele Konzerten.

00:33:05: Aber

00:33:05: du hast ja als fünfjährige angefangen oder als zehnjähriger angefangen Geld zu verdienen.

00:33:09: Wo war das Geld?

00:33:10: Das Geld wurde für Lehrer reisen und natürlich auch alleine meine Privatlehrer, die ja jeden Morgen zu mir... also was bin ich unterwegs waren natürlich nicht aber jeden morgen zu mir an den Kursberg gekommen sind wo wir gewohnt haben.

00:33:25: Alleine die waren irgendwie knapp viertausend Mark im

00:33:28: Monat.

00:33:28: Also hast Du verdient.

00:33:30: Dicht damit, da war deine Ausbildung bezahlt.

00:33:31: Genau ich habe durch meine Konzertreisen, durch meine Plattenverträge hab' ich das Geld reinbekommen was dann wieder in meiner Ausbildung gesteckt worden ist.

00:33:42: Warst du ein Taschengeld gekriegt?

00:33:43: Also durftest du dir schon nochmal was Süßes kaufen oder an Klamotten?

00:33:47: Ich weiß es nicht wie das so war...

00:33:50: Ich glaube wenn ich noch etwas gefragt hätte hätt ich's bekommen.

00:33:53: Hast du nie?

00:33:54: Ich war sehr introvertiert!

00:33:55: Ich will nicht sagen Angstzustände, aber ich hatte schon großen Respekt vor.

00:34:01: Man ist dann auch so klein und guckt die Eltern immer an.

00:34:04: Die waren so riesig!

00:34:05: Da habe ich manchmal zu viel Angst gehabt, mal was zu fragen.

00:34:08: Gab es da auch mal eine Ohrfeige von deinem Vater?

00:34:10: Wenn's nicht funktioniert hat?

00:34:11: Klar.

00:34:12: Nur du oder die beiden anderen auch?

00:34:14: Ich war mehr im Mittelpunkt.

00:34:16: Und ich hab mich darüber ein Stück weit... Definiert war ich meinen Geschwistern natürlich auch, dass nicht die Situation nicht zumuten wollte.

00:34:26: Insofern war ich dann schon jemand der gesagt hat Ich nehme das lieber auf meine Kappe

00:34:31: Und wenn deine Eltern vielleicht doch mal gestritten haben weil deine Mutter sagt ihr jetzt einmal ein bisschen ruhiger mit dem Kleinen oder mit unserem David lasst ihn jetzt mal machen kommt mir dann wahrscheinlich unbewusster noch Schuldgefühle dazu Oder weil sie sich wegen dir streiten?

00:34:43: Ich bin sicher wenn du meine Mutter mal interviewen würdest würde ich das bejahren.

00:34:47: Also das ist ganz klar, völlig normal.

00:34:52: Aber... Das muss sie irgendwie mit sich aufarbeiten!

00:34:58: Ich kann nur sagen ich habe beide meine Elternteile.

00:35:01: Zu schwierig als auch in der Vergangenheit war sehr lieb und komme mit denen gut zurecht.

00:35:06: aber die wissen auch beide angenehm für mich was nicht.

00:35:10: War das ja New York?

00:35:11: War ja wie eine Befreiung?

00:35:12: Ja es war für mich Glückseligkeit.

00:35:15: Weißt du noch das Allerste, was du in New York gemacht hast?

00:35:17: Was du nur gemacht hast weil du es wolltest.

00:35:20: Jetzt muss ich an Führerweise sagen die erste Tag in New york war jetzt nicht der beste Tag.

00:35:24: Warum?

00:35:25: Ich bin am zehnten September zwei tausend und eins nach new york geflogen.

00:35:30: Nicht dann ernst?

00:35:32: Doch!

00:35:33: Der erste Schultag war

00:35:34: der elfte.

00:35:35: War nine eleven.

00:35:37: Wo warst du in dem Moment, als die Flugzeug?

00:35:39: Ich war beim Financial Office.

00:35:42: Weil ich darum gekämpft habe, Student loans zu bekommen weil mein Papa nicht die Rechnung bezahlen wollte.

00:35:47: Ich weiß dann nur dass ich gegenüber saß von derjenigen die das zu verantworten hatte aber ich wollte ein extra Spendium kriegen.

00:35:54: Ich hab damals die Unterlagen... Papa hat mir auch etwas schriftlich gegeben was er mich da nicht unterstützt.

00:35:59: an den USA ist ja so Wie viele deine Eltern verdienen, so viel helfen wir dir auch aus.

00:36:06: Die wenig verdienen geben.

00:36:07: kriegst du einen großen Student Loan wenn die viel verdienen oder Mittel verdienen halt nur ein kleineres in diesem Fall.

00:36:15: mein Papa hat nicht schlecht verdient denn insofern war es für mich irgendwie schon so dass ich knapp sechsundzwanzig tausende im Semester dollar damals viel Dollar hoch ging über dem Euro.

00:36:26: an blöde Situation.

00:36:28: aber wie gesagt Ich saß beim Financial Office und habe versucht zu argumentieren, hatte auch das Schriftstück von meinem Papa.

00:36:35: Ich werde dir finanziell nicht von meiner Familie unterstützt.

00:36:37: Könnte da irgendwie noch was machen?

00:36:39: Loan oder irgendwas, dass ich hier

00:36:41: durchkomme?".

00:36:42: Und dann hieß es aus dem Offflieger im World Trade Center und ich weiß noch, dass in meiner Naivität gedacht habe, hey, bitte wieder Konstellation auf meinen

00:36:51: Problem.".

00:36:53: In meiner Vorstellung hat irgendjemand so ein... Es ist ein Fenster zerbrochen, weil jemand im Spielzeugflieger ist.

00:37:01: Das war mal mein erster Gedanke.

00:37:02: und dann hieß es ne Stopp... Und da war die erste Woche natürlich Lockdown in dem Sinne.

00:37:09: Hast du Studentenwohnheim gelebt oder wo warst du?

00:37:10: In New York?

00:37:11: Wie wieder?

00:37:12: Hast du im Studenten-Wohnheim gewohnt

00:37:13: oder...?

00:37:13: Ja das ist Mandator also es ist Pflicht!

00:37:15: Die ersten zwei Jahre musst du in den Dorms leben.

00:37:18: Aber das musste man auch bezahlen.

00:37:20: Das waren in den sechs, zwanzig tausend Renten.

00:37:22: Achso okay.

00:37:23: Gott sei Dank!

00:37:24: Ja

00:37:25: das war

00:37:26: Student Fee und auch die Dormitories.

00:37:28: Und dann hatten wir so Stockdecken... Also ey, das Zimmer war für die Hälfte von hier unter zwei Stockdeckern da.

00:37:36: Einen schreibt es da einen schreibt ich da Und hier war dann so der Closet, und wir haben uns das dann geteilt.

00:37:42: Ein Closett, der so groß war wie eine Hälfte rechts, hat mit den Typen zusammen gewohnt, da haben wir irgendwie nicht Kramotten, das ging!

00:37:48: Aber das war schon pummakäffig teilweise.

00:37:53: Aber trotzdem war es wahrscheinlich Freiheit für dich oder?

00:37:56: Geister Zeit meines Lebens.

00:37:57: Energie zu haben, Jugend zu haben und auch irgendwie das Gefühl zu haben ich mache jetzt jede... meiner Entscheidungen, ob ich jetzt schlafen gehe.

00:38:06: Wann ich schlafe gehe?

00:38:07: Was ich übe!

00:38:08: Was ich spiele!

00:38:09: Ob ich jetzt

00:38:10: rausgehe?!

00:38:10: Was ich esse!

00:38:12: Was mit Klamotten hole oder welche Straße ich links-rechts gehe... Ich war natürlich auch unglaublich naiv.

00:38:19: Ich habe in meinem Leben noch nie eine Waschmaschine benutzt.

00:38:22: Also da waren ganz verrückte Dinge dabei wo man denkt um Gottes Willen.

00:38:26: Es war kein goldener Käfig in dem ich aufgewachsen bin aber es war schon irgendwie so ein sehr behütet.

00:38:35: Da habe ich Gott sei Dank guten Support damals auch bekommen von den Mitstudenten, die mir dann auch irgendwie an die Hand genommen haben und gesagt ja so falte mal ein Hemd.

00:38:45: Und das habe ich über die Jahre dann versucht alles irgendwie

00:38:49: aufzusaugen

00:38:50: um irgendwie in Anführungsstrichen eine Art von Normalität auch im meinem Leben zu entwickeln außerhalb dieses irren Geigespiels.

00:39:00: Das heißt du musst es eigentlich wie alt warst du Anfang zwanzig?

00:39:05: Du musst es mit neunzehn lernen eigentlich noch mal junger zu sein, ein Kind zu sein.

00:39:10: Hab das Gefühl gehabt eh ist irgendwie bei mir Benjamin Button je älter ich werde dass du kindischer werdig

00:39:15: und auch erste feste Freundschaften hast du dort geschlossen oder?

00:39:17: Ja

00:39:18: absolut ja.

00:39:18: vorwahl war mein Bruder weil immer die größte Bezugsperson und dann waren natürlich die Möglichkeit Freundschaft zu schließen.

00:39:26: aber Mir hat so ein bisschen da wiederum der soziale Instinkt gefehlt.

00:39:31: Da machst du auch eine Gefählgriffe, dann hörst du über Ecken und denkst immer Menschen sind mal positiv und gut und keiner kann dir was und die sind alle dir positiv eingestellt wenn du halt nicht... ... Schule erlebt hast.

00:39:43: Ja klar, du kannst

00:39:45: es ja gar nicht!

00:39:45: Ich

00:39:45: kannte das nicht.

00:39:46: Mobbing und so was... Na ja,

00:39:48: du kanntest das Schlechte nicht in das Gute nicht?

00:39:49: Ich kann das

00:39:49: Gut oder Schlecht nicht.

00:39:50: und dann hast du natürlich immer gedacht jeder ist der wohlgesonnen.

00:39:56: Dann war's natürlich irgendwie total perplex als du von dem dann gehört hast dass der irgendwas negativ ist über dich gesagt, über die was negativ.

00:40:06: Was passiert hier?

00:40:08: wirklich total

00:40:10: fremd?!

00:40:11: dieses ganze Gossip und das kannte ich überhaupt gar.

00:40:15: Was ein positives Ding ist, dass ich das nicht kannte.

00:40:17: Muss dich aber dann auch wiederum lernen, dass man nicht irgendwie alles preisgibt?

00:40:21: Dass man auch so eine kleine Mauer irgendwie hat?

00:40:23: Hätte überhaupt keine Mauer!

00:40:24: Ich habe da einfach jedem mein Leben erzählt, wie es ist... Und wer gefragt hat, hat mir Antwort bekommen.

00:40:32: Die dachten The Crazy Germanist hier

00:40:34: oder?!

00:40:34: So crazy fand er sich.

00:40:35: Die fanden das eher etwas bedrückend weil die natürlich auch ein Stück weit So ähnliche Erfahrungen gehabt haben.

00:40:41: Der eine mehr extrem, der andere weniger.

00:40:43: Das war ja alles... Die Musik

00:40:44: hat euch verbunden oder?

00:40:45: Die Musik aber auch teilweise ein Stück weit die Kindheit, die von allen

00:40:49: sehr

00:40:51: hart an Arbeit geprägt war und bei mir wahrscheinlich sogar ein Stück weiter als bei vielen anderen.

00:40:59: Aber als du dann selbst da bei den anderen, die auch hart gearbeitet haben trotzdem irgendwie Augen geguckt haben.

00:41:04: Wie gesagt, das ist aber jetzt wirklich sehr spannend.

00:41:07: Wirklich?

00:41:08: Dann hast du natürlich irgendwann mal gemerkt, selbst in dieser Community war mein Werdegang nicht normal!

00:41:15: Und das war auch so der Moment, wo ich vorher auch kurz zu sprechen drauf kommen wollte.

00:41:20: Wo du dann merkst, ey da ist echt ein bisschen was sehr fern ab, dass normalen passiert und das muss man dann... Das war dann auch in New York, dass sich das irgendwie wieder balancieren musste im Kopf.

00:41:32: Ich probiere es immer noch heute Tag.

00:41:34: Hast du damals als du in New york warst, war das auch die erste Möglichkeit, wo du dich verliebt hast?

00:41:39: Also die erste Liebe oder gab's sie vorher schon?

00:41:42: Die gab´s vorher!

00:41:43: Ja?

00:41:45: In einem Kibbutz in Israel, wo mich tatsächlich... Da war ich siebzehn Jahre alt.

00:41:51: Dass ich tatsächlich meinen Papa alleine hingeschickt, ohne dass er mitgekommen ist.

00:41:55: Das waren drei Wochen in Israel und allerdings mein Bruder als Chaperone.

00:42:04: Alexander musst du da hier halten der wollte da gar nicht.

00:42:07: Er fand das furchtbar.

00:42:08: aber ich tatsächlich meine... Erste Erfahrung gemacht, mit rumknutschen und so.

00:42:14: Aber wieso in Skibout?

00:42:15: Warum wollte er das?

00:42:16: Er

00:42:16: am Schlummerminz war ein Musikfestival.

00:42:19: Der Schirmherr des Musikfestes.

00:42:21: Er wollte es mit Schummermins arbeiten.

00:42:23: Ein großartiger Geiger und hatte die Möglichkeit drei Wochen intensiv mit ihm zu arbeiten was ich auch gemacht habe.

00:42:31: Es war trotzdem noch ein bisschen Freizeit übrig,

00:42:34: sich

00:42:34: mal umzuschauen

00:42:35: Was ja auch schön ist.

00:42:37: Hast du das eigentlich mit deinen Eltern, also das Bewusstsein kommt ja erst mit Anfang zwanzig, mit dreißig?

00:42:43: Wann hattest du den Mut jetzt bis zu sechsundvierzig?

00:42:45: Hattest Du den Mut mit deinem Eltern offenbar darüber zu sprechen?

00:42:47: haben Sie sich's angehört oder?

00:42:49: Ich hab' hier auch mal ein Buch geschrieben und so wenn spätestens dann...

00:42:53: Haben

00:42:53: sie schon

00:42:54: gelesen oder im Vorfeld besprochen?

00:42:55: Ich muss aber fairerweise sagen, es war halt auch ein Stück was eine Leitversion.

00:42:59: Ich finde nachtreten das gehört sich nicht in dem Leben.

00:43:01: Dann

00:43:02: habt ihr mal unter sechs Augen gesprochen oder jeweils unter vier Augen?

00:43:05: Und

00:43:05: auch jeweils hinter vier Augen absolut.

00:43:06: und dass nicht nur einmal...

00:43:08: Das hören Sie sich dann auch.

00:43:09: haben Sie sicher auch angehört?

00:43:10: Es ist ja kein Monolog sondern Dialog.

00:43:13: Sonst wüsste ich auch nicht, wie mein Papa es empfunden hat.

00:43:16: Also das muss ja immer ein Dialog im Leben geben.

00:43:19: Es hilft ja nix wenn ich einfach nur sage dass und das und das... ...und dann nicht höre warum, wieso und weshalb.

00:43:25: Insofern glaube ich habe einen guten Schritt damals gemacht mit erstmal zu sich finden als Mensch, als Musiker ist Künstler Dann mal gucken wie gut man das auch mit der Psyche gut verarbeiten kann ob man das überhaupt möchte Das beruflich machen, nur weil ich etwas gut kann heißt es ja nicht dass ich das berufliche machen muss.

00:43:48: Also New York war für mich auch eher so herausfinden ist das wirklich meine Berufung oder ist das einfach nur etwas was wirklich rein trainiert worden ist?

00:44:00: Mag ich das Geige zu spielen, mag ich das Musik zu machen?

00:44:05: So Sachen, die hören sich total simpel an.

00:44:08: Aber das waren Fragen, die damals unglaubliche Wichtigkeit hatten und die immer noch eine sehr große Bedeutung haben – so einfach sie auch sind!

00:44:16: Und ja ... Die vier Jahre war halt so, finde heraus ob über dein Talent, über deine Fähigkeit auch diese große Liebe, die man auch dafür haben muss und diese Leidenschaft, ob die noch da ist oder ob die Flamme noch da is'.

00:44:30: Und...die Flambe war da!

00:44:32: Es kam ein bisschen spät, es ist um achten Semester.

00:44:35: Aber nachher habe ich gesagt okay... Ich werde so machen.

00:44:40: das ist hundert Prozent ich, dass ich ich bin!

00:44:44: Ich ziehe die Klamotten an, die ich hier anziehe in New York wenn ich abends rausgehe auf die Bühne.

00:44:48: Ich spiele die Stücke wo ich Bock drauf habe sie zu spielen und ich liebe Klassik.

00:44:53: aber das kann es doch nicht nur sein.

00:44:55: Die Studenten mit denen ich abgehangen habe, die haben mich zu Konzerten mitgeschleppt.

00:45:00: Zu Jazzclubs... Es gab so viel Musik, fast eine Überdosis an Kultur und Genres, an Musik übergreifenden Sachen, dass ich einfach nur da gestanden habe und hab das alles einfach so einfließen lassen.

00:45:16: Und irgendwann bin ich da irgendwie so rausgekommen und habe gesagt okay let's do it my way!

00:45:22: Ja gutes Motto finde ich.

00:45:23: Ich sage mir das jeden Tag, ich mache es so wie ich es will My Way.

00:45:27: Aber dieser Weg, den du da gegangen bist.

00:45:29: Du hattest ja... Weiß ich nicht?

00:45:30: Hattest du mal einen anderen Berufswunsch als Kind?

00:45:32: Wolltest du mal Feuerwehrmann werden oder...?

00:45:34: Ich wollte grad sagen!

00:45:35: Das war mein erstes Feuerwehrmann.

00:45:37: Kleine Jungs wollen ja meistens solche... Es war...

00:45:39: Ich glaub das... Ich weiß dass ich es noch irgendwie ausgesprochen habe in meiner... Ich weiss nicht ob die Erinnerung ist weil meine Mutter mir erzählt, dass jetzt ausgesprungen haben.

00:45:46: Ist wirklich meine Erinnerungen.

00:45:48: Aber das war wohl glaube ich der erste Wunsch.

00:45:51: aber ich glaub danach war's dann immer doch irgendwie

00:45:54: die Geige.

00:45:55: Und da hattest du dann ein paar Wochen keinen Kontakt mit deinen Eltern oder mit deinem Vater, als du in New York warst?

00:46:00: Weil er geschmoltert hat.

00:46:01: Weil der geschmolt hat weil du weißt...

00:46:02: Ja aber geschmollte!

00:46:03: Er hat einfach nur gedacht, der Junge macht einen riesen Fehler.

00:46:06: Das muss man auch verstehen.

00:46:08: Ich finde, da gibt es nicht nur richtig und falsch Es gibt so viele Nianzen.

00:46:12: Er hat für sein Verständnis und die Liebe, die er für mich hat, das heißt Fehler gesehen.

00:46:18: Aber wenn er jetzt hier sitzen würde, würde er sagen, Junge hast alles richtig gemacht Und dafür schätze ich hier Nicht nur Schätze, sondern für Lieblichen.

00:46:26: Dass er halt auch wie ich jemand ist der sich weiterentwickeln möchte.

00:46:32: Wir sind nie gut genug so schön das auch sich anhört Sondern wir sind immer ein Prozess.

00:46:40: Ein Prozess besser zu werden an sich zu arbeiten schlauer zu sein mehr Verständnis zu haben andere Perspektiven Sich anzuhören egal Wie weit man von dieser Perspektive weg ist.

00:46:53: dass macht uns doch zu einem sozialen Wesen.

00:46:57: Und das macht uns zu Menschen, die in einem sozialem Gerüst eine Wertigkeit finden und suchen.

00:47:05: Und wann hat er dich oder deine Eltern?

00:47:06: Wann kam dies erst mal nach New York und haben dich besucht?

00:47:09: Zum College-Abschluss!

00:47:11: Echt?!

00:47:11: Ja... Und warst du vorher bei Deutschland oder habt ihr euch wirklich lange nicht gesehen?

00:47:15: In den Pausen musste ich ja also es hätte ich ja nochmal extra für die Weihnachtstage als auch für die Sommertage zahlen müssten.

00:47:23: Da bin ich schon nach Hause geflogen teilweise.

00:47:27: Ich weiß noch, da gibt es noch Bilder von meinem Papa wieder meine Mutter wie sie mich abgeholt haben.

00:47:31: Da gab's ja Flüge New York Brüssels noch und ich hatte so eine Gospase.

00:47:36: oder hat sich die Haare schwarz gefärbt und ich hatten Zungen, Piercing und Piercing hier und so ein schwarzen Matrix.

00:47:46: Ich glaube meine Eltern mal gucken was der F*** ist happening?

00:47:48: Ne Recht hatten sie ein Stück weit.

00:47:51: Hey, man sucht sich ja in verschiedenen Bereichen!

00:47:54: Aber haben dich machen lassen?

00:47:55: Ich meine was ja wachsen.

00:47:56: also das ist ja volljährig.

00:47:57: Weiß nicht ob die sich nicht gedacht haben... Die fühlen sich eher wahrscheinlich bestätigt dass es eine merkwürdige Reise ist.

00:48:04: aber Sie haben sie mich zu Ende machen

00:48:06: lassen.

00:48:07: Dein erstes Tattoo ist wahrscheinlich auch in New York gestochen worden,

00:48:10: oder?

00:48:10: Das erste Semester.

00:48:11: Es ist total klischeehaft!

00:48:13: Ich weiß und es sind Tribles aber ich kann sich überstechen weil es mich daran erinnert dass mein Papa mir noch auf den Weg gegeben hat.

00:48:21: Keine Tattoos... Nein!

00:48:23: Er hat gesagt du wirst das in New-York nicht hinkriegen.

00:48:25: Okay

00:48:26: Und das war die größte Motivation die er mir jemals geben konnte.

00:48:30: Insofern war das das erste Semester.

00:48:32: Ich hab gedacht, du musst es durch das erste semester schaffen!

00:48:35: Das erste Semestern!

00:48:36: Guck, dass alle Klassen verstehen... Dass du das aufschreibst, dass du echt ein guter Student bist.

00:48:41: Nicht zu spät kommen, pünkt dich sein kann nicht natürlich alles aber ich musste selber auch lernen.

00:48:47: und dann nach dem ersten Semester habe ich gedacht jetzt machst du irgendeine Scheiße.

00:48:50: da habe ich mich irgendwie mit ein paar Kumpels weggeschossen und danach sind wir zur Bleaker Street gegangen in West Village Und wir haben uns dann gegenseitig ... Niemand hat das so was Blödes ausgesucht, will ich.

00:49:01: Aber mich erinnert das an eine Zeit die zum allerersten Mal meinen Bewusstsein, mein eigenes Ich gezeigt hat.

00:49:09: Warst du jemals in Therapie?

00:49:10: Oder hast Du alles mitgegeben?

00:49:11: Natürlich!

00:49:12: Wie ist das allzu Tage nicht?

00:49:14: In Amerika?

00:49:14: Glücklichen

00:49:15: Leben... In Amerika schicken die ja jeden Studenten.

00:49:18: Deswegen?

00:49:18: Absolut

00:49:19: Wenn Du irgendwie da nur sagst, der Hund hat nachts bei mir zu laut gebellt als Kind, ich konnte nicht schlafen.

00:49:25: Therapie unterschreiben.

00:49:28: Ich hab da jetzt auch nicht nachgesucht bewusst, aber die haben immer alle direkt in den USA nachgelegt.

00:49:36: irgendwie wenn du willst hier ist.

00:49:38: es gab's auch direkt im Gebäude, elfte Etage.

00:49:41: dann kam ein so'n Zimmer und lief dann irgendwie so äh so etärische Musik Und dann kam dann irgendjemand jemand rein und dann hast du mit dem irgendwie forty Minuten gequatscht oder er fünfundzwanzig war sogar Und dann hast du einfach nur irgendwie meistens den Alltag beschrieben.

00:49:56: Ab und zu mal ging es ein bisschen deeper, aber fand ich eigentlich ganz cooles Konzept damals schon, war glaube ich schon ein bisschen vor seiner Zeit.

00:50:04: Aber dadurch dass deine Mutter Amerikanerin ist, war dir ja wahrscheinlich sowieso auch als Kinder öfter meiner Amerika oder?

00:50:09: Sehr selten!

00:50:11: Also ich glaub das kann man an einer Hand abzählen.

00:50:14: In New York gerade

00:50:15: war für mich total fremdester.

00:50:17: Okay... aber hat sie eigentlich mit euch gesprochen?

00:50:21: Auch sehr selten.

00:50:22: Ich habe natürlich, um es mir einfacher zu machen damals angegeben dass ich der Sprache mächtig bin.

00:50:30: Hatte auch gutes Schulenglisch aber ich wollte natürlich nicht diesen Töffeltester machen wo man dann irgendwie weil dem muss eingestuft wird und ich dachte wie die Klassen wir direkt da ansetzen wo alle anderen ansetzen.

00:50:44: Insofern hab' ich mir damals True Story alle Harry Potter Bücher geholt

00:50:49: Auf

00:50:50: Englisch.

00:50:50: Und habt die mit einem Dictionary, englisch-deutsch...

00:50:55: Hast du aber was zu lesen gehabt bei diesen Seltzer?

00:50:56: Oh absolut!

00:50:58: Alle!

00:51:01: Es war kein Addings und so ein gelber Stift.

00:51:03: Ein Gelber Marker, dann irgendwie jedes Wort aufgeschrieben.

00:51:06: So hast du quasi Englische.

00:51:08: Innerhalb

00:51:08: von drei Monaten habe ich mein Schulenglisch dermaßen nach oben gehieft dass das nie jemand herausgefunden hat in anfänglichen Strichen, dass es nicht mal First Language war.

00:51:18: Also das war dann auch sehr ambitioniert von mir.

00:51:21: Und viele Zauber-Spreche konntest du da, oder?

00:51:22: Wenn du Herr Vater genommen hast... Ja

00:51:24: die habe ich alle wieder vergessen.

00:51:25: aber ich fand die Bücher sehr gut!

00:51:26: Ich fand die Filme immer danach, wenn du die Fantasie selber gehabt hast.

00:51:33: Ich bin jemand der unglaublich viel Fantasien mitbringt.

00:51:35: Ich hatte die Figuren alle anders im Kopf und dann habe ich sie gesehen und bei mir war es geil am Kopf.

00:51:40: Ich bricht mir aus der Seele David weil Erst die Bücher gelesen, da hat es alle Bände schon da waren.

00:51:44: Also ich musste nicht bin ziemlich spät eingestiegen habe sie dann durchgelesen weil ich sie geliebt habe und man hat ja seine entweder sieht so aus sieht so was Und die Filme haben mich nie abgeholt.

00:51:54: Es war nur ein Buchteil der Story

00:51:57: Aber das

00:51:57: ist ja meistens so.

00:51:58: Aber die Büchern waren toll

00:51:59: Die Bücher haben sich gute Erinnerungen mit Weil das halt auch irgendwie so.

00:52:03: Das war auch so der Startschuss von wegen.

00:52:05: Ich zieh das jetzt durch

00:52:07: Aber New York ist ja auch geblieben.

00:52:09: Du lebst ja nach wie vor in New York und im Deutschland, ne?

00:52:11: Du hast ja zwei Wohnen.

00:52:12: Ich hab sogar noch... Also

00:52:14: sag ruhig!

00:52:15: Kannst dir alles sagen, David.

00:52:17: Natürlich.

00:52:18: Wo hast du denn noch eine Wohnung?

00:52:19: Nein, nein,

00:52:20: nein.

00:52:20: Jetzt schmuck sie aus.

00:52:22: Erst mal in New York ist Heimat gebliebt weil

00:52:25: ... Was ist denn Heimat für jemanden wie dich, der von klein auf um die Welt gerast?

00:52:30: Anonymität.

00:52:31: Ist Heimat ein Stück weit!

00:52:33: Weil New York musst du wissen... Ich habe ja vor, bevor es gesprächlos ging, dir erzählt dass ich David Garrett den Namen, den ich schon als Kind gehabt hab mit denen ich Aufnahmen gemacht habe im Konzerttornin, habe ich abgelegt für die Junior-School.

00:52:45: Bewusst!

00:52:46: Warst du dann Christian Bongarth

00:52:48: oder David?

00:52:50: normal sein wollte, für mich war normal sein irgendwie das Ziel.

00:52:53: Ich will einer von vielen sein und es ist bei mir immer noch so der Fall mein inneres.

00:52:57: ich will einer vom vielen sein.

00:52:59: Ich hatte schon in der Familie mit meinen Geschwistern diese Sonderstellung und das habe ich gehasst.

00:53:06: die Leute haben mich immer von der Seite schief angeguckt als wenn das meine Idee war diese Sonderstellung zu haben.

00:53:15: Da wurde einfach reingeschmissen Und Normalsein und Anonymität ist für mich der größte, also für mich in meiner Situation.

00:53:24: Der allergrößte Luxus!

00:53:27: Und New York hatte das damals schon... ...in der Juliatschool weil niemand wusste was ich tue.

00:53:33: Die haben einfach gedacht selbst mein Lehrer Erzag Permann.

00:53:35: Ich habe Christian Bongatz damals ins Formular geschrieben.

00:53:37: Du wusstest nicht dass du... Der

00:53:38: hat mich nach drei Monaten Wir haben mindestens schon irgendwie was als ich zwanzigmal miteinander gearbeitet.

00:53:44: Nach drei Monaten beugt er sich vor

00:53:52: und

00:53:54: sagt Was ist eigentlich das geilste Kompliment meines Lebens?

00:53:59: Weil der hat mich als Christian Bongals in seine Klasse genommen.

00:54:02: Vier Studenten aus Tausenden von Bewerbern, hat er ausgesagt.

00:54:12: Der hat mich nicht mal als David Garrett sozusagen rausgepickt, sondern als Christian Bungerts einfach das Instrument toll spielt.

00:54:18: Und das habe ich dann vier Jahre durchgezogen.

00:54:20: Und hat er dich dann anders behandelt?

00:54:22: Als er es wusste?

00:54:23: Nein!

00:54:24: Parman ist eine geile Sau.

00:54:25: Eine coole Sau.

00:54:27: Der steht so im Leben der zu viel Lebenserfahrungen und in seinem Leben mitgemacht auch was seine... Krankheit auch angeht, wie er damit umgeht mit einer positiven Einstellung.

00:54:43: Er hat immer auch gesagt, I know you have more luggage than anybody else but your strong enough to carry it.

00:54:48: Und schaffst du ja?

00:54:49: Sechsundvierzig Jahre going strong!

00:54:52: Das Thema Anonymität in Deutschland ist schwierig für dich.

00:54:55: oder kannst jetzt nicht durch die Straßen gehen und durch Berlin gehen... In New

00:54:58: York so.

00:54:58: aber ich habe das Gefühl...

00:55:00: Aber die sprechen dich auch an die Leute, oder?

00:55:02: Ja, aber das Gefühl ist immer noch da.

00:55:05: Ich gehe in die Straße von New York nachts.

00:55:07: Und irgendwie rumme ein Bagel an der Ecke und es ist immer noch das Christian Bongals Gefühl, da stehe ich drauf.

00:55:14: Oh!

00:55:15: Steh' ich drauf, Jesus Christ, das fährt heute schwer... Das Gefühl ist bis jetzt noch nicht weggegangen.

00:55:22: Jedes Mal wenn ich im Flieger sitze und ich sehe die Skyline geht das Herz so ... und solange wie das noch so ist werde ich da auch gerne wohnen.

00:55:32: Wenn ihr jetzt überlegst, wir reden jetzt, es sind fünfundzwanzig Jahre.

00:55:35: Es war ein erster Tag in New York.

00:55:37: Ja das ist äh...es kommt einem ehrlich gesagt fast länger vor als fünfund zwanzig jahre!

00:55:44: Ich habe sehr viel gemacht und unglaublich.

00:55:47: also es ist wirklich irre.

00:55:48: ich bin mit nichts mit weniger als nichts nach nach new york gezogen eigentlich nicht mal mit nem Traum sondern eher mit einer reality check und einem eventuellen Traum.

00:56:05: Und daraus ist etwas irres, total irres entstanden also nicht nur musikalisch sondern auch für mich in meinem Leben auch finanziell.

00:56:16: Also ich bin ja ein Kind des Glücks.

00:56:18: dann irgendwie das muss man ganz klar sagen Ich habe noch die Zeit miterlebt wo die Musikindustrie auch dementsprechend gute Resultate, gut honoreliche Tat.

00:56:31: Mittlerweile ist es halt eher im Live-Bereich aber ich mache das ja seit zwanzig Jahren.

00:56:35: und große Venues und große Open Airs Und wie gesagt, teutäuteupe.

00:56:40: auch Ich habe immer ein gutes geiles kreatives Projekt versucht zu entwickeln und mich damit ganzem Herzen und Körperlichkeit und Verstand Schweiß reingekniet, dass es was anderes ist.

00:56:56: Dass das etwas Neues ist, was Innovatives aber qualitativ hochwertig spannend für jung und alt.

00:57:03: Das war immer so, jetzt connect!

00:57:06: Und das hat zwanzig Jahre lang wirklich gut funktioniert, sehr

00:57:09: gut funktioniert.

00:57:10: und ey, das muss man erstmal auch realisieren, was da alles passiert ist.

00:57:17: Deswegen die fünfundzwanzig jahrelang kommen wir Vierhundert Jahre

00:57:19: vor.

00:57:20: Wie so ein Fingerschnips eigentlich?

00:57:21: Nein,

00:57:21: das kommen wir wahnsinnig lange vor weil ich jeden Tag irgendwie irre dann auch wieder ran.

00:57:24: Ja aber jetzt kommt ja der neues Album.

00:57:26: du bist immer noch bei der Grammophon

00:57:27: Ich bin wieder zurück.

00:57:28: Du bist wieder zurückgegangen.

00:57:29: Bei Klassik zumindest mache ich wieder Sachen mit dem deutschen Grammophone.

00:57:33: Iconic war das letzte Klassiker.

00:57:34: Jetzt kommt

00:57:35: Unsterblich Das Album.

00:57:38: Aber du beziehst es nicht auf dich dass du unsterblig bist sondern dass du sagst Epochen vergehen Musik bleibt aber also die.

00:57:48: Für mich ist der Titel natürlich so ein bisschen, oder mit großer Sicherheit war er für die großen Komponisten gedacht.

00:57:56: Die auf diesem Album drauf sind Obzbach Mozart Tchaikovsky Rachmaninov Debussy Künstlerkomponistinnen, die vielleicht ein Stück weit vor ihrer Zeit gelebt haben und Sachen in die Wege geleitet haben auch gegen starke Kritik in ihrer Zeit und vielleicht dadurch einfach diese Unsterblichkeit auch bekommen haben, weil sie eine Türe geöffnet haben für andere die dann wunderbar durchgehen konnten.

00:58:29: Und das bewunder ich!

00:58:30: Das habe ich immer bewundert.

00:58:32: Sich nicht mal der Kritik zu stellen sondern sich von der Kritique nicht beeindrucken oder ablenken zu lassen.

00:58:41: Die Kritik darf eigentlich ablenkt.

00:58:43: man muss sie sicherlich wahrnehmen dass sortieren wo man sagt könnte was dran sein, aber der Rest da muss noch ein Scholklappen haben und seinen Weg wirklich durchgehen.

00:58:53: Und das haben alle diese großen Künstler die auf dem Album drauf sind gemacht.

00:58:58: Das ist mein Tribute an die bedeutendsten Komponisten der letzten dreihundert Jahre.

00:59:03: Was sollen von David Gertner bleiben?

00:59:05: Paar schöne Instrumente!

00:59:08: Die hoffen mich sehr gut den Musiker spielen und auch damit Spaß haben und Publikum zugänglich machen.

00:59:15: zu großer Musik.

00:59:16: Wenn du irgendwann ein Kind hast, vielleicht haben wir es.

00:59:19: Willst du eins?

00:59:20: Vielleicht habe

00:59:20: ich schon.

00:59:21: Hast du schon eins?

00:59:25: Nein!

00:59:25: Ich bin ziemlich sicher... Ich hab so einen Gefühl in meiner Position würde da...

00:59:29: Hätte schon jemand von mir angerufen und meint

00:59:31: zu?

00:59:31: Da wäre schon Anwalt irgendwie in Beschreiben vom Anwaltung gekommen.

00:59:34: Aber wünschst du dir ein Kind oder Papa zu sein?

00:59:37: Ich habe früh gelernt, Großverantwortung zu tragen Und mit Verantwortung meine ich dass du über deinen Tellerrand hinaus schaust, dass du Verantwortung auf verandere trägst.

00:59:48: Damals Verantwortung für meine Geschwister, das ich sie ein bisschen aus der Schusslinie nehme.

00:59:54: Mittlerweile natürlich Verantwortung für mein Geschäft und mein Business – das ist ja nicht nur ich, der auf der Bühne geil gespielt hat.

01:00:01: Das ist eine Band, das ist ein Orchester, es ist Management, Touring Company, ganz viele Menschen die auch von mir finanziell eine gewisse Abhängigkeit haben.

01:00:11: Da muss ich mich drum kümmern, falls ich mal diese Verantwortung ablege.

01:00:16: Habe ich genug Energie eine andere Verantwortung anzunehmen?

01:00:20: Aber nicht davor!

01:00:21: Würdest du deinem vierjährigen Kind ne Geige in die Hand drücken und sagen...

01:00:25: Oh Gott, das will nein!

01:00:26: Nicht nochmal!

01:00:27: Boah, sonst ist es ein eiskältere Kommentar.

01:00:31: Du hältst ja, weil du sagst Anonymität ist für dich Freiheit und Heimat.

01:00:36: Du hälst ja dein Privatleben eigentlich komplett aus der Öffentlichkeit als es gibt Eine Frau in deinem Leben?

01:00:40: Seit zehn Jahren habe ich gedacht.

01:00:41: Du

01:00:42: schaffst es!

01:00:42: Fuck

01:00:42: that!

01:00:43: Ja, nein aber ich sage du hast eine Partnerin?

01:00:45: Weiß ich nicht hab' ich... Hast

01:00:47: du mal zählt?

01:00:48: Hast du mir mal zählt?

01:00:48: In Berlin glaube ich sogar jemand.

01:00:50: Nein kann nicht sein.

01:00:51: Who

01:00:51: knows?!

01:00:52: Ich guck mal später ob ich nachrichten auf meinem Telefon haben.

01:00:56: Aber angenommen ist gäbe diese Frau da kannst du sein wer du dann bist du David oder da bist du Christian oder?

01:01:02: In dem Fall Kann sie mich nennen, wie sie mich möchte?

01:01:06: Also da bin ich entspannt.

01:01:07: Nein das ist ja auch was wo du runter kommst, wo du einfach du bist.

01:01:11: Ja

01:01:12: also im Endeffekt ist das schon wichtig dass sie mich wie auch immer es ist wenn es jemand ist dass diese eventuelle Person mich halt wirklich so wahrnimmt wie ein netter Mensch im Starbucks in Salt Lake City Mit einer Nettigkeit, Freundlichkeit.

01:01:35: Aber mit überhaupt keiner Berührungsangst oder irgendwie.

01:01:39: was macht ihr?

01:01:39: Ich

01:01:39: freu mich nicht auf den Sockel-Stell der Protest-Stelle.

01:01:41: Oh

01:01:41: Gott das weh'n!

01:01:42: Das hab ich ja auch erlebt als Kind.

01:01:44: Mein Papa war immer so... hat mich auf der einen Seite getriezt aber dann auch auf dem Sockel gestellt.

01:01:50: Nein, nein!

01:01:52: Sag mir eher nicht klar knackig kurz wie war der Tag?

01:01:56: Habe ich etwas falsch gemacht, arbeite ich dran?

01:01:58: Ist das für dich inzwischen ein Kriterium, Menschen die ehrlich zu dir sind?

01:02:02: Die sind in deinem Umfeld.

01:02:03: Egal wer es ist... Ich liebe

01:02:04: ehrliche Nein sagen!

01:02:05: Da habe ich mich ja selber zutrainiert.

01:02:07: Also es gibt nichts Geileres als wirklich mit voller Imbrunds zu sagen ne es ist nicht gut und ich mag Menschen diese Imbrunst auch in sich tragen egal wie man dann auch irgendwie eineinander gerät.

01:02:20: Die Ehrlichkeit öffnet immer wieder die Türe zu sagen Ich habe super nachgedacht.

01:02:25: Und ich bin jemand, der wie gesagt Weiterentwicklung sehr schätzt.

01:02:28: bei mir auch bei anderen zu fern ehrliches Umfeld.

01:02:32: Ich brauche keine Ja-Sager.

01:02:33: Also um Gottes Willen ist für mich das da Krieg Pickel.

01:02:35: Ich danke dir lieber David.

01:02:37: Danke dir Tanya!

01:02:38: Schönes Gespräch.

01:02:39: Sehr schön.

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