Sängerin Annett Louisan zeigt sich emotional: „Als ich erfolgreich wurde, meldete er sich“
Shownotes
Annett Louisan ist im Gespräch mit BILD-Unterhaltungschefin Tanja May. Die Sängerin erzählt von ihrer Kindheit in der DDR, ihrer engen Beziehung zu Mutter und Großeltern, dem Gefühl von Freiheit nach der Wende und ihrem Weg zur Sängerin. Außerdem spricht sie über die politische Lage in Ostdeutschland, ihre klare Haltung zur AfD, den Wert des Dialogs, ihre Tochter und ihre heutige Sehnsucht nach Ruhe, Natur, Familie und Frieden.
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00:00:00: Annette.
00:00:00: Luysanne singt leise, sie spricht leise.
00:00:03: Aber sie hat eine klare Haltung gerade jetzt vor der Wahl in ihrer Heimat Sachsen-Anhalt.
00:00:07: Ja, ich mache mir natürlich auch Sorgen und Gedanken um die Zukunft.
00:00:10: Und ich sage ganz klar, ich halte nichts von der AfD.
00:00:13: Ich finde sie wahnsinnig gefährlich!
00:00:15: Dennoch möchte ich im Dialog bleiben mit
00:00:17: Menschen.".
00:00:18: In dieser Folge von Maiwe geht es aber vor allem um die Frau hinter dieser unverwechselbaren Stimme – um das kleine Mädchen aus Schönhausen an der Elbe, dass bei Oma und Opa in einem alten Lehmhause aufwuchs.
00:00:37: Und so waren sie nicht schön.
00:00:39: Annette erzählt mir, warum ihr Opa die Freiheit erklärte.
00:00:42: Er hat gesagt, dass er sich wahnsinnig für mich freut.
00:00:44: Dass ich in Freiheit leben darf und reisen darf.
00:00:48: Ich bin dankbar dafür, dass ich in Europa arbeiten und leben darf.
00:00:53: Das war was für ein Riesenglück!
00:00:55: Warum sie durch ihre eigene Tochter gelernt hat, besser auf sie selbst aufzupassen?
00:01:00: Das verändert eben diesen Wert des Lebens, weil ich dieses Kind so liebe.
00:01:04: Das habe ich gelernt gut zu mir zu
00:01:06: sein.".
00:01:06: Und sich
00:01:06: spricht wunderschön über den Mann an ihrer Seite – mein Lebensfreund, mein bester Freund der beste Mann, den ich außer meinem Opa bisher kennengelernt habe.
00:01:32: Annette jetzt am Wochenende wird Jan Sachsen-Anhalt gewählt Und Sachsen-Anhalt ist ja deine Heimat.
00:01:36: Bis da die ersten zwölf Jahre deines Lebens hast du da gelebt?
00:01:39: Ich weiß nicht, wie ist dein Blick heute auf Sachsen Anhalt?
00:01:41: jetzt gerade natürlich?
00:01:43: Die Wahl AfD?
00:01:46: Wie guckst Du auf Deine Heimat?
00:01:47: Ja ich mache mir natürlich auch Sorgen und Gedanken um die Zukunft.
00:01:51: dort leben noch immer Menschen, die mir was bedeuten Teil meiner Familie und wir schauen alle mit besorgnis darauf.
00:01:57: Aber diskutiert ihr auch im Freundeskreis, im Familienkreis?
00:01:59: Jetzt gerade die AfD.
00:02:01: Die können mit über vierzig Prozent stärkste Kraft werden in Sachsen-Anhalt.
00:02:07: oder sagst du einfach es ist halt eine demokratische Wahl und man muss es respektieren wenn ne Partei gewählt wird?
00:02:12: Naja, nee ich schau damit besorgnis drauf.
00:02:15: Ich hab irgendwann vor zwei Jahren mal eine WhatsApp-Gruppe aufgemacht mit den Frauen aus meiner Familie nach den Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen und weil ich irgendwie das Bedürfnis hatte über dieses Thema zu sprechen und ganz besonders mit den Frau aus meiner Und das war sehr interessant, auch die Blickwinkel zuzulassen.
00:02:36: Weil ich wohne ja schon sehr lange in Hamburg und ... Ich bin natürlich auch in einer Bubble, ne?
00:02:42: In einer sehr progressiven Blase.
00:02:46: Ja!
00:02:47: Ich möchte halt den Dialog nicht verlieren.
00:02:50: Das Gespräch.
00:02:51: Deshalb war mir das wichtig.
00:02:53: Genau, Gespräch finde ich nämlich auch wichtig.
00:02:54: Einfach reden miteinander und versuchen zu verstehen warum man denkt, man müsste jetzt vielleicht so handeln oder so wählen.
00:03:00: Also dass man einfach im Austausch bleibt.
00:03:03: Na ja, das Bedürfnis nach der Vergangenheit dieser Wunsch irgendwie.
00:03:07: Das ist ein ganz normales menschliches Bedürfeness und Gefühl.
00:03:10: gerade in Zeiten von multiplen Krisen scheint die Vergangenkeit sicherer als die Zukunft.
00:03:16: zumindest kann man sich sie mehr vorstellen.
00:03:19: Aber das ist halt natürlich auch wahnsinnig gefährlich, weil oft von Diktatoren, Autokraten im Vergangenheit gezeichnet wird die so nie gab und oft auch die Vergangenkeit erst in Erinnerung gut wird.
00:03:32: Und ganz besonders wenn ich auf Ostdeutschland schaue muss man sich immer wieder erinnern wie ist es damals alles gelaufen?
00:03:40: der Wunsch nach Freiheit?
00:03:42: Ich versuche dass.
00:03:43: am allerbesten kann ich das in Musik in Texten beschreiben, weil Musik hat auch so ein Schutzmantel.
00:03:50: Man kann ja oft noch eine ganz andere Art und Weise berühren.
00:03:53: dann das ist irgendwie so geschützt.
00:03:55: Das ist das, was ich am besten kann mich da ausdrücken.
00:03:58: Hast du ein Song auf neuen Alben, das ja erscheint Sehnsucht?
00:04:01: Gibt es da einen Song jetzt vielleicht auch gerade, was die politische Lage angeht?
00:04:05: Ja, es heißt Lied von der Freiheit!
00:04:06: Ich glaube, ich hatte diesen... Man kann sagen Einheitslied, nein, das ist eigentlich eine Geschichte von einem ostdeutschen Pärchen dessen Sehensüchte sich nie ganz erfüllt haben den Lebensweg, den man so beschrieben hat und die dann halt irgendwann immer mehr nach rechts abdriften.
00:04:24: Das beschreibt einfach.
00:04:25: Ich glaube, das ist so mein Weg irgendwie darauf aufmerksam zu machen und ich habe zum Beispiel ein Publikum, dass nicht eine homogene politische Masse ist sondern haben alle unterschiedliche politische Meinungen und das finde auch toll so.
00:04:44: Konservativität verstehen, dass man etwas bewahren möchte.
00:04:47: Ich war neulich zum Beispiel in Bayern in einer Wirtschaft und da habe ich so einen Zitterspieler gesehen und er hat darüber gesprochen das dieses Instrument fast ausstirbt und keiner mehr das reparieren kann.
00:04:56: Er hat mich zu Tränen gerührt!
00:04:58: Das war so wunderschön.
00:04:59: Dann dachte ich wow das könnte auch hier zweihundert Jahre vorher sein und ich bekomme auch ganz tolle warme Gefühle wenn nicht so Bilder aus den Achtzigern sehen.
00:05:08: Da habe ich gleich ein sofortem Gefühl von Heider Welt.
00:05:11: aber Das ist eben auch ein Trugschluss.
00:05:16: Ich glaube, dass wir noch ganz viel Gutes bewirken können.
00:05:18: Dass Fortschritt auch Veränderung braucht und Weiterentwicklung.
00:05:23: Und ich bin zum Beispiel in der Tiefe wirklich ein progressiver Mensch weil ich mich entschuldigen kann.
00:05:27: Ich glaub das es wichtig ist sich zu entschuligen und auch seine Meinung verändern zu können.
00:05:32: Denn ich weiß nicht immer alles!
00:05:34: Ich mach auch Fehler, ich irre mich... Ja, ich lauf gegen die Wand oder bin durch bestimmte Gefühle einfach manchmal abgedriftet.
00:05:43: also Es ist wahnsinnig wichtig, dass wir uns nicht spalten lassen.
00:05:48: Sondern immer in den Dialog gehen und offen bleiben.
00:05:52: Das ist mein Weg.
00:05:54: Ich bin auch wütend.
00:05:54: Ich halte nichts von der AfD.
00:05:58: Ich finde die gefährlich.
00:06:01: Dennoch möchte ich im Dialog mit Menschen bleiben.
00:06:04: Ist es ein Unterschied?
00:06:05: Wenn Menschen aus dem Westen noch Sachsen-Anhalt gucken, dass sie vielleicht gar nicht verstehen, warum ... die Menschen dort jetzt so viel AfD wählen.
00:06:13: Weil, also ich guck mir die Fotos immer an bei diesen Veranstaltungen das sind ja nicht alles Restradikale, die da stehen.
00:06:18: Das sind ja teilweise ... das sind ältere Leute, das ist ein Rentner, das sind jüngere Leute mit Familie und kleinen Kindern.
00:06:25: Also in Anführungszeichen ganz normale Menschen, die jetzt plötzlich AfD wählten.
00:06:29: Ja, es werden ihnen einfache Antworten geboten.
00:06:32: Und auch Menschen die vielleicht zutiefst verunsichert sind, die auch demütigt wurden und nach der Wiedervereinigung ist ziemlich viel passiert... ...und sind halt Menschenfänger!
00:06:45: Das funktioniert leider immer wieder und überall auf der Welt.
00:06:48: Das kann man gerade in den USA sehen, wie man Konkurrenten bedroht.
00:06:56: Also das ist überhaupt nicht, und das Schlimme ist dass die lauten ja auch sich so viel Gehör verschaffen.
00:07:04: Und die Feinen, die leisen oft gar nicht so ernst genommen werden und untergehen.
00:07:08: Das finde ich auch ein großes Problem an Social Media und auch an den schlechten Nachrichten, die natürlich sich viel besser verkaufen.
00:07:15: Aber wir brauchen gute Nachrichten!
00:07:17: Wir brauchen Hoffnung positive Narratiere für unser Land denn wir leben in einem wirklich wundervollen Land.
00:07:23: Wir sind so privilegiert, wenn man den Rest der Meld-Inscheid anschaut.
00:07:28: Und das sind natürlich Dinge... Ich sehe mich in der Verantwortung als Künstlerin denn ich habe diesen großen Luxus, so viel Zeit zu haben die Möglichkeit zu haben, mich so sehr mit diesen Dingen zu befassen auch wenn ich nicht in allem eine Expertin bin.
00:07:40: aber ich hab ein Herz!
00:07:41: Ich bin einer Bürgerin einen Mensch und ich habe eine Haltung eine Meinung und die muss sich zum Ausdruck bringen können sonst könnte ich keine Musik schreiben und ich mache mir nun mal Sorgen.
00:07:49: Mir ist es wichtig meiner Tochter eine Welt hinterlassen, die nicht kaputt ist.
00:07:55: Ich möchte dafür sorgen und mein bestes
00:07:57: geben.".
00:07:58: Und ja... ich bin für universelle Menschenrechte!
00:08:02: Ich glaube ganz tief und ganz fest dass es uns allen besser gehen würde wenn es universelle menschenrechte gibt und wenn alle Menschen auf der Welt einen Grundrecht haben und ein Standard haben.
00:08:16: Dass es noch solche Unterschiede gibt das ist furchtbar macht mich manchmal wahnsinnig wütend.
00:08:21: Bist du mal angefragt worden jetzt in Sachsen-Anhalt für irgendeine Partei, dass du Wahlwerbung machst?
00:08:25: Nein das mache ich nicht.
00:08:26: Warum sollte ich das machen?
00:08:26: Aber
00:08:26: naja aber haben die dich mal angefracht irgendjemand?
00:08:28: Es gibt ja mehrere Parteien in Sachsens Anhalt
00:08:30: auch.
00:08:32: Nein,
00:08:33: nein!
00:08:33: Das würdest du auch nicht machen.
00:08:34: Du drückst dich durch deine Musik aus.
00:08:36: Ja ich habe ja eine Stimme
00:08:39: und
00:08:40: ich setz mich für Klimaschutz ein Und es gibt Dinge, die mich interessieren.
00:08:46: Darf ich fragen, wer sind denn die Frauen in deiner WhatsApp-Gruppe?
00:08:48: Also sind das Cousinen, Tanten, Mama alles drin.
00:08:52: Deine Kleine auch schon oder ist sie noch zu klein?
00:08:54: Nein, die ist noch zu kleiner aber interessiert sich auch für Politik.
00:08:57: Sie wächst damit auf.
00:08:58: Ich glaube dass es ganz viele Menschen gibt, die sich mehr und mehr für Politik interessieren als noch vor zehn Jahren oder vor fünfzehn Jahren weil wir auch merken Es muss uns interessieren!
00:09:08: Das ist nicht mehr so wie damals.
00:09:12: Ja, also in einer Zeit lebten die Demokratie gar nicht infrage gestellt wurde.
00:09:18: Selbstverständlich und...
00:09:20: Du bist in der DDR geboren?
00:09:21: In der damaligen DDR.
00:09:22: du warst zwölf beim Mauerfall um dann ein bisschen nach Hamburg gezogen.
00:09:26: aber hast du heute blickst du manchmal noch so oder sind es noch so Momente die ganz prägnant bei dir im Kopf sind oder Gefühle der Tag des Mauerfalls?
00:09:34: Ja unbedingt!
00:09:35: Es war wahnsinnig aufregend.
00:09:37: Ich gehöre auch nicht zu den Personen, die DDR verniedlichen oder verharmlosen und denken auch das war ja damals alles so beschaulich.
00:09:43: natürlich habe ich wundervolle und schöne Erinnerungen an meine Kindheit aber ich glaube die aller Menschen meisten Menschen dieser Welt haben schöne Gefühle wenn sie an ihre Kindheit und Jugend denken weil es die Kindheit ist Und dies heilig.
00:09:57: Wir entdecken diese Welt zum ersten Mal und diese wundervollen Gefühle, der erste Kurs und das erste Verliebtsein.
00:10:05: Das haben wirklich die allermeisten Menschen und dafür haben meine Großeltern gesorgt dass ich eine tolle Kindheit habe und meine Mutter unter Umständen nicht die SED oder der Staat.
00:10:18: Und es gibt auch positive Aspekte, die haben diese scheinbare Gleichberechtigung, die mich geprägt hat in der Erziehung oder vielleicht auch Autografiegrammatik.
00:10:29: Die Nähe zum Lesen... Also ich glaube im jedem Dorf eine Bibliothek und so ist das ja die Kinderbetreuung.
00:10:37: aber die Kinder betreuen hatte wiederum dann auch wieder negative Aspechte.
00:10:40: meine Mutter hat mir erzählt dass sie sich mit.
00:10:46: Sie hatte gerade ihre Lehre als Krankenschwester absolviert und war allein erziehend.
00:10:51: Wir haben noch bei meinen Großeltern gelebt, und sie hatte überhaupt keine Möglichkeit.
00:10:55: Das stand außer Fragen!
00:10:56: Sie hätte tierisch Ärger bekommen.
00:10:58: Hätte sie das nicht gemacht?
00:10:59: Und sie wollte mich nicht
00:11:00: abgeben?!
00:11:00: Sie sagt, sie hat einen wunden Puh und abgewaltt.
00:11:06: Und war ständig krank!
00:11:07: Und sie meinte das war nicht so schön.
00:11:10: Sie hätte mich gerne noch ein bisschen länger zu Hause gehabt.
00:11:12: Halb ist ja auch wirklich noch klein?
00:11:14: Ein
00:11:14: bisschen.
00:11:14: Ja.
00:11:15: Da muss man auch sagen, dass die Erziehungsmethoden... Also da hört man auch unterschiedliches.
00:11:23: Es war halt eben zum Teil auch noch ganz schön autoritär.
00:11:28: Das ist einfach übernommen worden aus der alten Zeit hat bestimmt auch was mit mir gemacht.
00:11:34: Ja,
00:11:34: das arbeitet man im Laufe seines Lebens halt so heraus und ich habe zum Beispiel eine ganz grundsätzliche Respekt vor so Autoritäten wie Polizei und so.
00:11:45: Das kommt bestimmt noch aus meiner Kindheit diese Suche.
00:11:50: Also es merke ich wenn ich am Flughafen bin, ich hab gar nichts getan und denke so mein Pass vorgeben also ist einfach ein Instinkt.
00:11:57: Es war
00:11:58: unterbewusst als Kind war das schon immer ein Thema?
00:12:00: oder auch vielleicht, dass die Großelren gesagt haben.
00:12:02: Verhalte dich anständig damit nichts passiert und...
00:12:04: Gott sei Dank hat mein Großvater zu mir gesagt als die Nationalhymne im Fernsehen gespielt wurde und ich aufsprang weil es ist natürlich Kinder sind wahnsinnig manipulierbar das ja aber auch so wahnsinn nicht gefährlich was die AfD heute verlangt weil das ist ein Alter wo du einfach Dinge einpflanzen kannst.
00:12:21: in Gehirn
00:12:23: Musst du dir im Kindergarten oder die Nationalhymne singen?
00:12:28: In der Schule, was für Frieden und Sozialismus seid bereit.
00:12:31: Und meine Gruppe hat aber ziemlich gesagt, setz dich wieder hin!
00:12:34: Also er hat Dinge richtig eingeordnet.
00:12:36: Er hat den Zweiten Weltkrieg, den er miterlebt hat, richtig einge ordnet.
00:12:39: Für mich, er hat darüber gesprochen... ...was auch ein Riesenlück ist,... uns Enkelkindern gesprochen hat darüber mit seinen eigenen Kindern und der es nicht verklärt hat oder ein Mantel des Schweigens drübergelegt hat.
00:12:51: Er erzählt, wie die jungen Mäller alle an die Front gelaufen sind und sich gefreut haben und er dachte sich jojo rauf mal ich bin gar nicht so scharf drauf und wie ihm der Durchfall das Leben gerettet hat als er dann auf den Schiff nicht kam weil er doch krank wurde und das Schiff dann abgeschossen wurde und alle gestorben sind in Kriegsgewangenschaft war bei den Amerikanern und er immer gesagt hat, ich bin so froh dass es die Amis waren weil sie haben uns gut behandelt.
00:13:16: Und wir seine Familien, seine zwei jungen Kinder nach sieben Jahren das erste Mal wieder gesehen hat und ein einer entfremdeten Ehe nach Hause gekommen ist und es waren unglaubliche Zeiten wie auch gern in den Westen gegangen wäre wie seine Brüder aber eher der älteste Sohn war und er den Hof der Familie übernehmen musste Aus Pflichtgefühl, das getan hat.
00:13:37: Obwohl er auch einen Traum von Paris hatte.
00:13:39: und ja... Also er war ein wundervoller Mann.
00:13:42: Beim Opa habe ich viel zu verdanken.
00:13:44: Auch vor allen Dingen die Einordnung der Dinge.
00:13:47: Mir hieß dann Opa?
00:13:48: Walter!
00:13:49: Walter.
00:13:49: Er war ein richtig hübscher, lustiger Typ.
00:13:51: Weil
00:13:51: die Oma heißt ja oder hieß ja Luise?
00:13:53: Emily Luise,
00:13:54: ja!
00:13:54: Genau.
00:13:54: und deswegen heisst er du bist an der Luise angeboren.
00:13:57: Das ist eine Liebeserklärung an deine Großmutter.
00:13:59: Und meine Tochter heißt Emily Lu.
00:14:01: Genau also mehr Kreis schließt sich.
00:14:03: Ja verrückt das muss doch.
00:14:04: aber ich habe immer schon ein besonderes Verhältnis zu dieser Generation gehabt.
00:14:09: Ich liebe das mit alten Menschen zu sprechen.
00:14:12: Und wenn ich die Chance habe, dann tue ich das.
00:14:14: Es ist ehrlich gesagt sogar egal ob schon eine Demenz besteht oder nicht.
00:14:19: alles was ich kriegen kann möchte ich aufsaugen weil da so viel Lebenserfahrung auch so ne Prägung die mich total fasziniert und ja vielleicht auch weil ich einen engen Bezug zu meinen Großeltern hatte.
00:14:30: Deine Mama war ja auch noch jung als du geboren wurdest?
00:14:32: Wie alt war sie?
00:14:37: Das heißt, du bist mit Mama und Großeltern groß geworden.
00:14:40: Die drei Personen waren deine Familie?
00:14:42: Und noch Tante, Onkel, Kusine so was war.
00:14:44: Wir waren diejenigen, die noch im Ort gewohnt haben in einem kleinen Dorf.
00:14:48: Schönhausen
00:14:49: an der Elbe!
00:14:51: Ja, das ist heute leider nicht mehr so viele Einwohner.
00:14:55: Aber damals waren es glaube ich drei Tausend Fünfhundert mit einer eigenen Schule.
00:14:59: die ganzen umliegenden Dorfkinder sind dann auch in diese Schule gekommen.
00:15:04: Das war sozusagen die Bibliothek der Bismarcks weil die Familie Bismark kommt auch aus dem Ort.
00:15:10: Deshalb kennt man vielleicht diesen Ort historisch.
00:15:13: Und wenn du jetzt zurück denkst, die schönste Erinnerung oder euer schönster Platz und du bei Oma, Opa, Mama.
00:15:18: Wenn ihr so zusammen wart?
00:15:19: Was war für dich das Heimlichste, das Schönste?
00:15:22: Also die Küche war immer der Ort, der Treffpunkt.
00:15:25: Die Küche hatte auch einen Küchenausgang nach draußen was auch wahnsinnig Schöne ist.
00:15:31: Im Sommer kann ich mich erinnern dass wir in meinem großen Tisch hatten unter dem Wein.
00:15:37: Wir hatten blauen Wein, Weintrauben... Und dort haben wir abends immer gegessen und das war ... Das waren sie nicht schön, weil es war ein altes Lebenhaus.
00:15:48: Wir hatten auch noch keine Toilette in dem Haus bei meinen Großeltern.
00:15:51: Sie hatten wirklich eine Waschküche uns am kleinen Kessel und Samstag wurde der Kessel überbeheizt.
00:15:56: dann haben die Kinder da reingesetzt.
00:15:58: Das ist so ein wirklich, meine Kindheit fast so gefühlt wie aus einer anderen Zeit.
00:16:05: Also wirklich aus einem anderen Zeit die vielleicht sogar noch weiter zurücklegt.
00:16:09: also ich bin... Ja auch ein
00:16:10: bisschen Bullerbühl-Kindheit.
00:16:12: Voll
00:16:12: und auch wirklich wie Anfang des Jahrhundert zum Teil wir sind.
00:16:16: es war wirklich einfach und nicht mit Comics geschmicksig.
00:16:21: Ich hatte keine Comickindlern.
00:16:23: obwohl das eine Kindheit in den Achtzigern war hatte ich keine Boah pang boom bunte Neon-Welt, sondern ich hatte diese andere Kindheit.
00:16:34: D.h.,
00:16:34: ihr habt viel gemacht zusammen?
00:16:35: Also du hast mit Oma wahrscheinlich Plätzchen gebacken oder ihr habt gebastelt, gemalt...
00:16:39: Ja!
00:16:40: Meine Oma hat mich ganz schön verwöhnt.
00:16:42: Sie hatte auch... Omas dürfen das.
00:16:46: Ich freue mich auf sie weil sie glaube ich zu ihren Kindern noch nicht so sein könnte wie zu ihren Enkelkindern.
00:16:51: Sie hatten die Möglichkeit, weil sie dann eben auch nicht mehr so hart arbeiten musste und mir viel mehr Luxus hatte.
00:16:56: und nachher eine Waschmaschine.
00:16:58: Ich meine bei sieben Kindern, da muss man sich mal vorstellen wie oft meine Oma da gewaschen hat auf dem Waschbrett und das ist ja unglaubliche Schockerei.
00:17:08: Aber
00:17:08: d.h.,
00:17:09: die Oma und die Mama?
00:17:10: Also würdest du einen Unterschied machen, wer war für dich Bregen da oder Wichtiger?
00:17:13: Die Mama oder die OMA?
00:17:17: Also Mama, Oma, OMA, das habe ich auch verwechselt.
00:17:20: Hast du auch
00:17:21: Mama zu OMA gesagt?
00:17:23: Ja!
00:17:24: Und doch würde ich sagen, meine Mutter ist meine Mutter.
00:17:28: Man hat diese eine Mutter und meine Mutter hat das so toll gemacht wie sie nur konnte.
00:17:34: Unter diesen Aspektenumständen und heute drauf geschaut, würde ich natürlich meine Mama
00:17:40: sagen."
00:17:41: Du hast ja ne ganz besondere Stimme!
00:17:43: Hattest du die als Kind schon?
00:17:44: Also, du klingst... also für mich.
00:17:46: Ich bin großer Romy Schneider-Fan und ich finde Romy Schneider die Stimme ist für mich das schönste an Romy Scheiders' Die Stimme!
00:17:51: Und bei dir muss ich immer dran denken.
00:17:53: Ja, es verrückt dass Du das sagst?
00:17:54: Ich bin natürlich auch ein großer Romi Schneider Fan und ich wollte immer so klingen wie sie.
00:17:58: Und ich glaub diese alten Filme auch geliebt mit diesem... Ich wollte immer in meinen Dialekt ablegen und andere Dialekte sprechen.
00:18:08: Auch den Wiener Dialekt.
00:18:10: So einen bayerischen und so oder irgendwie.
00:18:15: die Stimme war mir immer wichtig.
00:18:17: Ich habe irgendwie immer gemerkt, die Melodie der Stimme ist so wichtig umgehört zu werden.
00:18:24: Schon als Kind in der Grundschule?
00:18:26: Oder wann ging das los bei dir?
00:18:27: Ich wollte immer Sängerin werden!
00:18:29: Immer schon!
00:18:30: Also meine Mutter hat gesagt ich hab gesungen bevor ich gesprochen habe und Also wenn ich mich wohlfühle mit jemandem, dann kann ich gut ganz gut sprechen.
00:18:39: Wenn ich mich aber nicht wohlfülle... ...dann kann ich nicht so gut sprechen, wenn ich ehrlich bin und das auch selbst wenn ich in der Öffentlichkeit stehen habe.
00:18:46: Ich hab Interviews wo ich stocke und wo ich merke was ist denn mit dir?
00:18:50: Und da kann ich besser singen!
00:18:52: Weil das ist dann so mein Schutzmantel.
00:18:55: Also mir merkt man alles an wenn ich sich wohlfühlte und auch wenn ich nicht wohl fühle oder wenn irgendwas ist eine Antipathie oder so.
00:19:03: Also jetzt kann ich ganz gut sprechen, deshalb fühle ich mich wohl.
00:19:07: Das freut mich.
00:19:08: aber wenn du lieber singen willst kannst du auch zwischendurch mal singen.
00:19:10: also bin nicht freue ich mich auch.
00:19:12: Nein aber diese besondere Stimme das muss man ja als Kind irgendwann auch mal realisieren dass man was besonderes hat oder die Gabe dass man gut singen kann oder dass man gerne singt.
00:19:22: Vielleicht hatte ich immer dieses Bedürfnis gemocht zu werden sehr stark.
00:19:27: Und was lernt man wahrscheinlich dann auch, wie man sich Gehör verschafft und wie ... Wie man die Leute ein bisschen um den Ficker wickelt mit seinem Charme.
00:19:37: Ich habe immer einen Interesse gehabt an Erwachsenen, an erwachsenden Gespräche.
00:19:41: Meine Oma hat gesagt, sie wäre immer Altklug gewesen.
00:19:44: Jetzt muss ich über mich sprechen.
00:19:46: aber das sind so die Sachen, die ich über mir weiß, die meine Näherin verwandten über mich sagen
00:19:52: Also warst du nicht schüchtern?
00:19:53: Warst schon jemand, der sich Raum geschaffen hat und präsent sein wollte.
00:19:58: Ich glaube ich war kein freches Mädchen sondern eher lieb und artig und hatte dann so little white lies.
00:20:05: Ja
00:20:05: gut die gehören dazu.
00:20:07: Aber so sind wir ja auch erzogen worden bei Mädchen damals Und ich fand es so ein Clown.
00:20:13: Das Singen war mir immer wichtig, das war für mich aber eine Art Heilung, so einen Schutzmantel, was fast ganz Tolles mit mir gemacht hat.
00:20:20: Ich habe immer gesungen auch in meiner Freizeit wenn ich alleine war und das hat immer etwas Schönes mit mir gemacht.
00:20:27: Und das war am Anfang total schwierig dieses Singen auf die Bühne zu bringen weil ich immer schon so ein Lampenfieber Typ war.
00:20:35: Das habe ich mittlerweile geschafft, das schaffe ich nicht immer die mich so frei zu fühlen, dass ich das so anfühlt wie damals als Kind.
00:20:44: Also es ist einfach und das Schönste, unbeschreiblich!
00:20:48: Und welche Rolle hat Musik in eurer Familie gespielt vor uns Zuhause?
00:20:51: Gar keine, nur für mich.
00:20:53: Es gibt keinen anderen Musiker... Mein Großvater hat das Zeichnen mir beigebracht und das Malen.
00:21:00: Du
00:21:00: hast ja künstler mal studiert also du hättest ja auch Künstlerin werden können, Malerin werden können.
00:21:03: Das war auch ein
00:21:04: Ja und Ich finde das ein bisschen verwandt in der Ausdrucksform auch irgendwie Geschichten zu erzählen auf eine andere Art und Weise, aber ansonsten ist ja ich weiß dass mein leiblicher Vater den ich viel später erst kennengelernt habe.
00:21:22: Ich weiß das es aus der Familie meines leiblichen Vaters mehr Musikalität gibt.
00:21:32: also Wahrscheinlich habe ich das dann eher von da.
00:21:36: Aber das heißt, du hast dann in der Schule oder im Kindergarten gesungen und deine Mama, dein Oma, ober haben die das ernst genommen?
00:21:42: Oder haben sie gedacht naja das Kind singt halt einfach gern aber dass da mal ein Beruf draus entstehen kann oder es dein Lebenstraum war.
00:21:47: Hast du das erzählen dürfen zuhause?
00:21:49: Ja!
00:21:50: Und meine Mama hat immer gesagt ich hätte dich gar nicht in irgendwas anderes reindringen können, das war... Unmöglich.
00:21:55: War ihr klar?
00:21:56: Ja, das war ihr klar.
00:21:57: und es gab so ein paar Onkel wie es halt immer mit Onkeln in der Familie gibt die sagen na also wir waren mit der Stimme... ist zu typisch weil so handwerkermäßig.
00:22:06: Hast du mal bei Dieter Brüllen angerufen?
00:22:08: Also so Sprüche von damals.
00:22:12: Heute sagen sie's nicht mehr, aber schon lustig.
00:22:14: Aber ich musste mir schon viel anhören wegen meiner Stimme.
00:22:17: Gerade in Deutschland ist es eher so... Mehr
00:22:19: auch von Kindern, von Klassenkameraden oder eher so von allen möglichen Menschen.
00:22:22: Von Erwachsenen eher Kinder sind in der Beziehung gar nicht... Also so, ich finde, also in Frankreich würde einem das glaube ich nicht passieren.
00:22:30: Aber in Deutschland ist es immer so laut und viel.
00:22:33: Das ist Gesang!
00:22:35: Und das Leise, das Filigrane, dass ohne viel Snorkel, das ist zum Teil viel, viel schwerer.
00:22:43: Ja?
00:22:43: Aber das ist eine Technik die ja nehmen, das wissen ja Profis nicht.
00:22:49: Es ist halt nur lustig.
00:22:52: Das ist, glaube ich, was typisch deutsches ist.
00:22:55: So eine leise Stimme nicht ganz so ernst zu nehmen?
00:22:58: Keine Ahnung!
00:22:58: Ich kann es nicht alles beschreiben oder das habe ich oft die Erfahrung gemacht.
00:23:02: Ich glaube, dass es in der Vanessa-Paradie oder nach Frosgall da so nicht ging weil die eine andere Art haben ihre Stimmen einzusetzen oder ja...
00:23:13: Deine Onkel haben sie sich danach mal irgendwann
00:23:15: entschuldigt?!
00:23:19: Ich hab manchmal das Gefühl, dass bestimmte Typen Männer Das funktioniert eigentlich nur über eine Machtdemonstration.
00:23:26: Jetzt ist sie unabhängig verdient ihr eigenes Geld, jetzt ist sie erfolgreich und da können wir dann auch nichts mehr sagen.
00:23:33: Ich habe keine Ahnung.
00:23:34: also es ist so ich weiß nur das.
00:23:38: oder kannst du das auch nachvollziehen?
00:23:41: Wahrscheinlich hab' gerade danach gedacht wahrscheinlich kommt irgendwann der Neid so ein bisschen dazu.
00:23:44: jetzt verdient Sie auch noch Geld damit...
00:23:47: Ja unabhängige Frauen!
00:23:49: haben es nicht so leicht, also das ist nur aber ein totales Tabuthema noch.
00:23:52: Weil dass Frauen glaube ich selbst gar nicht so richtig zugeben möchten oder können oder wollen.
00:23:58: Ich habe einen Lied geschrieben darüber.
00:23:59: an deiner Seite heißt es und ich merke das an den Reaktionen vom Publikum auch von Frauen wie Männern, dass sie zwar sagen, die mögen das Lied, aber sie gehen inhaltlich nicht ganz darauf ein weil es so schambehaftet ist Liebe und Geld und dabei auch, dass das ein Unterschied ist im Verhalten gegenüber erfolgreichen Männern oder Frauen.
00:24:21: Und sie erleben was anderes, und ja...
00:24:24: Wie waren das bei euch zu Hause?
00:24:25: Gab's da das klassische Rollenverhältnis bei Oma & Opa also dass wobei du sagtest die hat einen Hof d.h.
00:24:30: ihr habt wahrscheinlich zusammengearbeitet Oma und Opa oder haben den Hof zusammen bewirtschaftet?
00:24:34: Ja, die haben zusammen gearbeitet.
00:24:35: Also gab es
00:24:35: nicht mein Geld dein Geld oder die Frau musste den Mann fragen wenn sie irgendwas haben möchte.
00:24:39: Das war ja früher oft so.
00:24:41: Ich glaube auch durch die DDR und den Sozialismus.
00:24:45: meine Mutter war ja auch berufstätig.
00:24:47: Ich glaube sogar, dass es da irgendwie noch Unterschiede gab.
00:24:51: Dass auch Männer mehr im Haushalt mitgeholfen haben.
00:24:53: also nicht komplett aber dann gibt es einen Unterschied zwischen Ost und Westdeutschland.
00:24:58: Also eigentlich
00:24:58: sehr emanzipiert?
00:24:59: Ja!
00:24:59: Und ich habe auch das Gefühl die Frauen die Wiedervereinigung ein bisschen erfolgreicher überstanden haben als ja weiß sie nicht in jedem Fall aber ich hab das Gefühl sich Frauen besser angekommen sind der Realität.
00:25:16: Wie war das bei euch zu Hause?
00:25:17: Kannst du dich da noch
00:25:18: erinnern?".
00:25:19: Dann Großvater hat sich wahrscheinlich gefreut, oder?
00:25:21: Also wie viele.
00:25:22: Fast alle Menschen sich ja gefreuten haben und da war der auch Angst.
00:25:25: Ja mein Großvatter war zu dem Zeitpunkt schon krank und war auch bettleglich.
00:25:31: Ich kann mich erinneren dass ich im Konsum so hießen die ihr früher noch eine Kifik gekauft habt.
00:25:37: Das erste Südfrucht, die es da gab gleich
00:25:39: nach dem Mauerkreis.
00:25:40: Irgendwann
00:25:41: als es dann so die ersten Produkte gab.
00:25:42: Es waren wahnsinnig aufregend schon alleine das Das ist auf einmal diese ganzen leckeren Sachen da im Konsum auftauchten.
00:25:50: Und dann habe ich die ihm gekauft und ans Bett gebracht, dann aufgeschnitten haben wir die zusammen gegessen... ...und daran kann ich mich erinnern.
00:25:58: Es ist ja schon so lange her, dass er sich gesagt hat das er mich wahnsinnig für mich freut.
00:26:03: Dass ich das erleben darf und in Freiheit leben darf und reisen darf und also wahnsinnigt berührend.
00:26:11: Kommt doch die Tränen ein bisschen oder?
00:26:13: War es dann wie lange der Nachhäuser gestorben?
00:26:15: halbes Jahr.
00:26:17: Aber er wusste, dass dir die Türen offen stehen?
00:26:20: Ja für mich ist das ein großes Glück.
00:26:22: ich bin so dankbar dafür.
00:26:24: Ich fühle mich auch als Europäerin mit ostdeutschen Wurzeln und ich bin dankbar dazu, dass ich in Europa arbeiten und Reisen darf leben darf.
00:26:36: und was für einen riesen Glück!
00:26:39: Wir doch haben.
00:26:40: Deine Mama ist ja dann nach Hamburg gegangen, das Job vermute ich mal wegen... Das war für dich, du warst zwölf!
00:26:46: Ich meine es ist auch nicht einfach gewesen oder?
00:26:49: Was der Heimat rausgerissen zu werden die Oma zurückzulassen?
00:26:52: Ja also so ist noch ein bisschen was da vorher passiert.
00:26:57: Also meine Mutter hat mit ihrem damaligen Freund Glemspartner relativ schnell nach der Wendeln Fischladen aufgemacht in dem kleinen Dorf.
00:27:04: Es ist natürlich von niemandem beraten worden, ja.
00:27:10: Wir haben großen Kredit aufgenommen und da haben die dann relativ schnell wieder geschlossen und hatten wahnsinnig cohe Schulden.
00:27:16: Das war für meine Mama wirklich schlimm!
00:27:18: Ich hoffe das ist in Ordnung für Sie dass ich darüber spreche aber ich denke schon... Ich kann heute auch ein bisschen mehr über mich erzählen weil ich mich sicherer fühle auch in der Medienarbeit oder im Ja in meiner Welt so.
00:27:32: Früher mochte ich das immer nie, weil es auch was mit anderen Menschen zu tun hatte die ich dann damit hineinziehe.
00:27:38: Das Einzige was ich übrigens nicht mache ist so viel über meine Tochter zu erzählen weil sie mich explizit darum gebeten hat dass nichts zu tun.
00:27:44: Aber du erzählst nichts von mir!
00:27:46: Das kann ich irgendwie auch verstehen.
00:27:47: Mit
00:27:47: neuen sind die ja auch schon ziemlich aktiv und kriegen natürlich alles mit klar?
00:27:52: Ja also und danach Da gab es diese Möglichkeit, nach Hamburg zu gehen.
00:27:58: Weil sie als Krankenschwester die Möglichkeit hatte wieder in ihrem Beruf zu arbeiten und sie hat mich aber gefragt mit Einbezogenen dieser Entscheidung Und ich fand das toll auch wenn das total aufregend war.
00:28:09: Aber ich wusste Ich war so ein Hackeberry Finn.
00:28:12: Ich stand immer an der großen Straße und hab in die Ferne geschaut In die nächstgrößere Stadt.
00:28:16: Ich wusste Das wird mein Glück.
00:28:18: Ich wusst es einfach
00:28:19: Und es wurde ja auch So Ja.
00:28:21: Also Ich glaube, es ist alles einigermaßen okay gelaufen.
00:28:26: Auch dass ich danach relativ ruhig geworden bin und mir erstmal alles angeschaut habe für wirklich eine ganz andere... Gefühle und Strukturen innerhalb der Schule.
00:28:38: Ich hatte so ein bisschen das Gefühl, aber vielleicht im Nachhinein könnte ich sagen, vielleicht lag es auch an der Pubertät, in die ich reingerutscht bin dann auch in der Zeit.
00:28:47: Das Gefühl hatte, dass Jungs und Mädchen ein bisschen getrennter waren in Hamburg.
00:28:51: Ich habe das Gefühl wir waren früher noch mehr eins und waren nicht so beschämt miteinander.
00:28:58: So trennt halt!
00:29:00: War das schwierig für dich Freunde zu finden in Hamburg oder ging das recht einfach?
00:29:03: Nee, ich hatte immer nie Probleme damit.
00:29:05: Ich bin da recht unkomplizierte, Marsus ist in Ordnung aber eher ... Ich habe immer viele Bekannte gehabt, aber wirkliche Freunde dafür... Da hab' ich gerade nicht viele!
00:29:18: Die kann ich an drei Fingern abzählen.
00:29:21: Und sind die noch aus Schönehausen die engsten Freunde?
00:29:23: Nein leider nicht Leider nicht.
00:29:25: Ich hab für eine Doku über Annette Luysanne, das ist meine erste Doku, die jetzt ausgestrahlt wird.
00:29:30: auch im Herbst, bin ich wieder in mein Name-Hatort gefahren und habe mich mit einer Schulfreundin getroffen.
00:29:36: Und ich hab letztes Jahr schon ein Klassentreffen das erste Mal gehabt mit den alten Leuten.
00:29:41: da muss ich sagen weil wir ja die ersten sieben Jahre zusammen zur Schule gegangen sind von der ersten Klasse bis dahin, weil es eine Schule war.
00:29:49: Da war sofort Nähe zu den Leuten.
00:29:52: Aber das ist so eine lange Zeit und so prägend gewesen, dass es sofort so eine Nähe, so eine Natürlichkeit, so ein Gefühl von Zuhause war auch.
00:30:00: Das war ein total schöner Abend.
00:30:02: Und haben die dein Weg verfolgt?
00:30:04: Klar!
00:30:05: Ja... aber nachher waren diese ... Die Berührungsängste total weg, weil dann war halt wieder auch ... Das ist ja netti.
00:30:15: Netti?
00:30:16: War das von Schwitze?
00:30:16: Ja, die
00:30:18: so.
00:30:18: Ich weiß nicht, hab du die Kaulitz-Doku geguckt auf Netflix?
00:30:21: Leider nicht!
00:30:22: Und die witzigerweise
00:30:23: und es fand ich auch, die hatten einen Klassentreffen.
00:30:26: Und die waren total aufgeregt, haben sich gefreut auf dieses Klassen treffen und alle waren da.
00:30:30: Und sie waren sofort wieder zack, zack war das wie früher.
00:30:33: Und das fand ich total berührend.
00:30:35: Ja, das muss ich sagen... Da gibt es auch etwas, was ich überall erkenne.
00:30:41: Wenn ich so Menschen treffe die ostdeutsche Wurzeln haben.
00:30:44: Was ist das?
00:30:45: So was Freundschaftliches, so was... Ich kann's nicht genau beschreiben!
00:30:50: Aber ich glaube die Menschen aus Ostdeutschland wissen das vielleicht, was sich meine.
00:30:56: Ich kanns aber nicht beschreiben.
00:30:57: Bist
00:30:57: du oder hast Du Dich hier in Hamburg dann als Ossi gefühlt?
00:31:01: Oder gab´s dieses Gefühl nie Ost-West?
00:31:03: Naja, ich hab mich ja relativ... Ich habe meinen Dialekt abgelegt, relativ schnell.
00:31:09: Das war mir wichtig!
00:31:11: Hast du einen Trainer gehabt, der dir geholfen hat?
00:31:13: Ein Coat.
00:31:13: Nee das war einfach... Das habe ich schon mit Dromi Schneider trainiert!
00:31:17: Ich war nämlich auch schon echt ein Fernseherkind.
00:31:19: Ich hatte mit sechs schon einen Fernseheneigenden in meinem Zimmer und zwar den schwarz-weiß Fernsehe von meiner Mutter.
00:31:25: die hat sich nämlich im Farbfernseher gekauft und ich hab wirklich viel Fernsehen geschaut.
00:31:31: also ich meine es hat mir nicht geschadet.
00:31:32: Also warum musste
00:31:33: man ja auch und musste mal ihren Farbe gucken?
00:31:35: Die musst du mal in den Farben gucken.
00:31:36: Du hast den schwarz weiß geguckt.
00:31:38: Ja alle sind schwarze weiß geguckt.
00:31:40: noch, wie ich Tele-Fünf entdeckt habe beim Suchen.
00:31:45: Und auf einmal hab' ich Mr.
00:31:46: Ed gesehen.
00:31:48: Was ist das?
00:31:50: Das ist irgendwie so eine Erkindheitserinnerung die werde ich nie vergessen.
00:31:53: Aber du wolltest nie vor die Kamera!
00:31:55: Du wolltest immer auf die Bühne und singen also du wollest nicht Hauspielerin.
00:31:57: Doch dass auch aber... Wie gesagt mein Weg war zuerst singen und dann sprechen.
00:32:03: Das
00:32:05: hört ja zusammen Ja
00:32:07: doch das interessiert mich auch Aber das ist eine große Kunst.
00:32:12: Ich weiß nicht, aber es interessiert mich.
00:32:15: Wenn es irgendwie eine Chance gibt, wo ich denke, dass könnte gut sein, würde ich's machen?
00:32:22: Ja, ist gut!
00:32:22: Man muss immer Blin haben und du bist ja auch noch jung.
00:32:24: Da kommt ja noch Luft nach oben auf jeden Fall.
00:32:28: Und wenn du zu Hause bist dieses Ostgefühl ... weil man merkt auch, wenn man andere Ostleute trifft von früher, dass da was ist... Wenn du in schönen Hausen bist, gibts irgendwas, was du sofort
00:32:37: isst?!
00:32:40: Wie durfte deine Kindheit, was hat die Oma immer gekocht?
00:32:43: Also da gibt es natürlich einen Bäcker.
00:32:45: Den gab's früher auch schon, ein Bäcker groß und da schmecken sie Semmeln und die Brötchen schon anders.
00:32:50: Es gibt es auch Kuchen, also dann gibt es einen Streuselkuchen der sofort Kindheitsgefühle auslöst.
00:33:01: Das ist ja auch ein Prozess.
00:33:04: Die Jung war und erwachsen wurde, hat es mich eher in die Welt rausgezogen.
00:33:08: Und ich wollte diese Freiheit, ich wollte auch die Freiheit und Unabhängigkeit haben, mich nicht festnageln zu lassen.
00:33:14: Ich glaube da geht's auch darum dass man sich... Dass man alles werden kann was man sich wünscht!
00:33:18: Das kann man sich selbst aussuchen.
00:33:20: Man kann sich aussuchen wer man sein möchte Und je älter man wird, desto mehr kommt man wieder dahin zurück.
00:33:26: Wer hat sich nicht so gegen diese Sachen?
00:33:32: Ich glaube aber dieser Prozess ist total wichtig.
00:33:34: Es ist eine Mischung zwischen dem was wir möchten und entscheiden und zwischen dem, was wir nicht ablegen können.
00:33:41: Sorry Emilu jetzt muss ich einmal kurz fragen.
00:33:43: Er war nicht über das Kind selbst sondern die Tatsache dass du ja Mama bist inzwischen.
00:33:46: Ist es vielleicht auch, hat es damit zu tun, seitdem Du Mutter bist, dass du dann vielleicht doch eher wieder dahins zurückkommst als Mensch, als Frau wie du eben warst oder wie du deine Oma, deine Mama kennengelernt hast.
00:33:56: Ja die Mutterschaft hat für mich alles verändert.
00:33:59: also es ist ein Rieseneinschnitt gewesen und ich habe mich nochmal neu kennengelernet und ich hab' mich auch ganz schön gewundert über mich.
00:34:05: Also in erster Linie wenn ich... In welcher
00:34:07: Richtung?
00:34:08: Ja also kamen sehr viele Ängste mit denen ich konfrontiert war und damit musste ich erstmal umgehen lernen.
00:34:16: Ja, Angst um ein Kind habe.
00:34:18: Das ist so krass!
00:34:19: Also das kannte ich nicht.
00:34:20: Ich hatte nie in meinem Leben so viel Angst um mich und das verändert eben diesen Wert des Lebens.
00:34:28: Und ich pass heute viel mehr auf mich auf weil ich dieses Kind so liebe also wäre ich mir nie selbst gewährt gewesen.
00:34:37: So traurig dass er jetzt klingen mag.
00:34:38: aber das habe ich gelernt gut zu mir zu sein.
00:34:41: dafür bin ich meiner Tochter total dankbar.
00:34:43: Und merkst du manchmal, Gott jetzt klinge ich wie Oma oder jetzt cling' ich wie Mama?
00:34:47: Nja.
00:34:47: Ich höre meine Mutter in mir... ...in meiner Stimme und das ist verrückt!
00:34:54: Das habe ich nie vorher gehört.
00:34:56: Ihre Stimme in meiner.
00:34:57: Klingt sie aber auch vom Klang so wie du?
00:35:00: Oder nur das was du sagst?
00:35:02: Beides den Inhalt und der Klang.
00:35:05: Es ist so gespenstedt.
00:35:07: Ah es ist Wahnsinn, das ist Magie also Wahnsinn
00:35:10: Und es ist dir früher nie aufgefallen, dass deine Mutter so redet wie du?
00:35:13: Ich war sehr rebellisch.
00:35:16: Also ich wollte schon jemand... eine eigenständige Person sein.
00:35:20: Da vergleicht man sich ungern mit der Mutter, also zumindest bei mir ist das so.
00:35:24: Das klingt zu so hart und es tut mich auch wahnsinnig leid weil ich meine Mutter sehr verehre und sehr liebe.
00:35:29: aber ich glaube dass das Ganze natürlich ist, dass man sich abgrenzen muss gerade wenn die Beziehung so eng ist und wie allein erziehende Mama Ein Kind, weil die muss ja beide ersetzen und das Abnabeln ist der noch so wichtig.
00:35:44: Weil sonst entsteht daraus eine Abhängigkeit und vielleicht auch sowohl was Toxisches.
00:35:49: Also es ist total wichtig, dass lösen.
00:35:53: Damit man wieder zusammenkommen kann... Und ihr
00:35:55: habt's hinbekommen?
00:35:56: Ja!
00:35:57: Wir haben glaube ich keine Sachen mehr offen.
00:35:59: wir haben unsere Themen bearbeitet.
00:36:01: Das würde ich jedem empfehlen.
00:36:04: Also man sagt ja, you better face your demons or they raise your children.
00:36:09: Das ist ein schöner Spruch aber manchmal kriegt mein Themen auch nicht vorher auf den Tisch.
00:36:12: Mir sind viele Sachen vor der Mutterschaft also vor der Geburt meiner Tochter nicht bewusst gewesen über mich selbst oder meine Familie und ich musste die.
00:36:21: währenddessen ich die jetzt erziehe muss ich meine Themen bearbeiten.
00:36:25: Aber besser jetzt als nie!
00:36:27: Also das muss man auch sagen es ist nie zu spät die Geschichte zu verändern, an sich zu arbeiten und das ist doch wundervoll.
00:36:35: Ich glaube da so sehr dran dass wir nichts hinnehmen müssen, dass wir die Möglichkeit haben sie werden zu können, die wir sein wollen.
00:36:43: Aber es gut ist wenn deine Mutter sich dann darauf eingelassen hat auch?
00:36:45: Wenn du sagst Mama wir müssen jetzt mal da reden und da hat sie mitgemacht Ja
00:36:49: das hat sie Mit gemacht ja sie also... Dafür bin ich hier sehr dankbar.
00:36:55: Er hat auch noch mal an sich gearbeitet, es überprüft und so... Das ist halt eine Neugier!
00:37:02: Ja,
00:37:02: ist deine Mama jetzt, wenn ich fragen darf?
00:37:03: Sie ist ja
00:37:05: da noch jung.
00:37:05: Du bist
00:37:06: siebzig geworden dieses Jahr.
00:37:07: Ist
00:37:07: ja auch noch ne junge Mama.
00:37:09: Und sie sind in Hamburg auch.
00:37:11: Weil du sagtest diese so ein bisschen rebellische vielleicht war das vielleicht unterbewusst auch in dir drin weil du eben kein Papa hattest.
00:37:17: also Aber die ersten Jahre bist du ja ohne Papa groß geworden.
00:37:24: Da muss man in der Schule auch erst mal realisieren, Moment!
00:37:27: Die haben ja alle einen Papa?
00:37:29: War da vielleicht noch so eine Wut in dir drin oder eine Enttäuschung?
00:37:32: Na das frückte ich, gehörte nie zu diesen Personen, die ihren Vater suchen... ...oder da so ne Melancholie und Traurigkeit und Schmerz gefühlt haben Das tatsächlich nie!
00:37:42: Da ist bis heute eine Lehrstelle wie ein Loch ein emotionales.
00:37:46: Das bedeutet natürlich auch etwas, also das ist klar aber ich empfinde keinen Schmerz und ich habe auch... Ich hab ja Kontakt und es wäre theoretisch möglich, aber für mich, ich emp finde da nichts.
00:38:02: Ja, das ist vielleicht ein Schutz, aber früher dachte ich immer, dass würde daran liegen, dass ich genug Liegebe bekommen habe, weil meine Mutter mich richtig erzogen hat und so, aber ja, also es ist wie's is'.
00:38:16: Und das rebellische, woher das auch immer kommt.
00:38:18: Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch und Unabhängigkeit ist mir sehr wichtig.
00:38:24: Das ist ein Prozess der Selbstermächtigung, auch als Frau, der noch nicht zu Ende ist.
00:38:31: Stück für Stück habe ich mit meiner Freiheit Arbeit als Künstlerin in diesem Geschäft und ich weiß auch dass Unabhängigkeit uns drastbar wichtig ist für meine Kunst.
00:38:43: Aber jetzt hat man nicht sofort.
00:38:45: Man lernt dazu, darf Lehrer haben und muss sich das erarbeiten.
00:38:51: Wer außer deiner Familie hatte ich am meisten geprägt, glaubst du?
00:38:54: Mittlerweile ist es mein Mann.
00:38:55: Er ist mein Lebensfreund.
00:38:58: Mein bester Freund und der beste Mann, den ich außer meinem Opa bisher kennengelernt habe.
00:39:04: Der Liebste!
00:39:05: Nach der beste Papa für eure Tochter wahrscheinlich?
00:39:07: Der allerbeste Papa ja.
00:39:08: Das wirkliche.
00:39:09: Was für ein Glück ich habe... Ich bin schon ein Glückskind.
00:39:13: Das muss man wirklich sagen, da kann man auch wahnsinnig Pech haben!
00:39:17: Wenn ich mir vorstelle das ist bei der Erziehung unserer Tochter dass es da so große eklatante Schwierigkeiten gibt und man da so drauf angewiesen ist und da also hart hängig ist und nichts dran ändern kann... Es muss furchtbar sein wenn man da sich anfeindet.
00:39:34: Das stelle ich mir ganz schrecklich vor, da habe ich so viel Mitgefühl.
00:39:38: aber das ist Gott sei Dank nicht so und vielleicht liegt es auch daran dass wir uns lange vorher kannten.
00:39:42: Ihr habt
00:39:43: die zusammen gearbeitet?
00:39:44: Und das ist mir tatsächlich immer schon... Dass mir Werte immer wichtiger waren als alles was drumherum ist.
00:39:51: Geld oder Schein oder Status.
00:39:55: Die Werte sind es den man vertrauen kann.
00:39:58: Sonst kann man nichts vertrauen, nur den Werten eines Menschen und die werden immer wichtiger und ich kann sie auch immer besser sehen und Menschen immer besser einschätzen.
00:40:07: also ich weiß nicht ob es immer gelingt aber ich versuche das umso besser als dass man sich von all dem Schein nicht blenden lässt.
00:40:16: Aber die Werte wurden ja in der Kindheit gelegt Ja Durch Oma, Opa, Mama Und durch Filme.
00:40:24: Du hast ja dann erst Kunst studiert und dann hast du aber Musik ja immer schon gemacht, oder?
00:40:31: Also du hast es schon immer geschrieben.
00:40:32: Du hast den Traum nie aufgegeben dass es irgendwann klappt.
00:40:36: Und dann hat's ja geklappt!
00:40:37: Und zwar gleich im ersten Album Und das Spiel war ja, und fast wie lange es schon wieder her ist.
00:40:42: Ja voll, ne?
00:40:43: Ich bin auch jetzt noch mal im Vorbereitung auf unser Gespräch, habe ich auch gedacht, weil natürlich kann man sich daran erinnern als du plötzlich da warst, weil deine Musik so anders war die Art, wie du gesungen hast, die Lieder dir gemacht hast.
00:40:54: Weißt du noch, wie das für dich war, als du das erste Mal irgendwo dein Lied im Radio gehört hast und gemerkt hast, äh!
00:40:58: Das bin ja ich.
00:40:59: Ja, das war ein Hamburg in Taxi auf dem Weg zum Flughafen.
00:41:02: also vorher bin ich glaube nicht Taxi gefahren Und da hat mich tatsächlich der Taxi-Fahrer auf das Lied angesprochen.
00:41:09: Der kannte das Liet, als es neu war...
00:41:11: Da wusste du, dass du was bist?
00:41:12: Nee,
00:41:12: wusste er nicht.
00:41:13: und das war das Lustige daran!
00:41:15: Wir haben über mein Lied gesprochen, weil es ist echt toll, Wahnsinn, toll!
00:41:19: Das war so lustig.
00:41:21: und weil natürlich das Lid vorher bekannt war und mein Gesicht noch keiner kannte, es kam dann ein bisschen später auf Zeitverzögert also die erste Zahl in der ersten Zeit, das war wirklich verrückt.
00:41:32: Und hast du es dann irgendwann gesagt, das bin nur um uns ich?
00:41:34: Oder hast du gedacht, ja klar.
00:41:36: Ich glaub der eh nicht oder?
00:41:37: Nee, ich hab's nicht aufgelöst.
00:41:39: Ich hab's einfach genossen.
00:41:40: Ich bin sowieso geflogen in der Zeit.
00:41:43: Ich habe glaube ich zwei Stunden geschlafen nachts und ... Ich weiß noch, dass ich die ganzen ... Die Theologie gelesen hab von Lord of the Rings.
00:41:52: Weil ich so weggebiehmt war!
00:41:55: Ich war so aufgeregt, das war so verrückt.
00:41:57: Auf einmal geht mein großer Traum in Erfüllung, dass sich irgendwas brauchte um abends abzuschalten und das hat geholfen in diese Herr der Ringewelt einzutaufen.
00:42:07: Das werde ich auch immer miteinander verbinden wie ich diese Bücher da im Hotel gelesen habe dann irgendwie bei Frodo Im Mordor war genau.
00:42:17: Und deine Oma, wie fand ihr das?
00:42:19: Dass du den Künstlernamen gebildet hast?
00:42:20: Hast sie es noch mitbekommen?
00:42:21: Die
00:42:21: hat's noch mit bekommen ja.
00:42:24: Sie hat's auch mitbekommen... Jo achte ich glaube für die war das noch... Ja klar!
00:42:31: Für die war er so noch am normalsten.
00:42:35: Also die hat sich glaube ich am wenigsten gewundert weil sie Iranett diese ja schon oft singerteuren jetzt auf einmal auch im Radio singt, genau.
00:42:44: Genau
00:42:45: also für sie war das selbstverständlich dass du diesen Traum auch schaffst?
00:42:48: Ich weiß es nicht.
00:42:49: aber sie hat...
00:42:50: oder hat dir zumindest das Gefühl gegeben, dass ihr an dich glaubt?
00:42:52: Sie hat mir das Gefühl geben meine Mutter auch!
00:42:55: Also die haben sich natürlich auch gefreut.
00:42:56: ich weiß noch als meine Mutter das erste mal das Spiel gehört habe hab ich ihr vorgespielt und sie musste lachen und schmunzeln.
00:43:01: sie meinte Anne tut raus sicher.
00:43:03: was aber fand sie?
00:43:05: gut sie muss sich munzeln.
00:43:07: Wahrscheinlich hat sie sich auch noch mal verändert durch dein Weg, oder?
00:43:10: Ja.
00:43:10: Sie hat sich nochmal verändert ja.
00:43:12: Auch mit ihr ist viel passiert.
00:43:14: Das hat in ihr auch noch einmal den Wunsch zugelassen nochmal genauer hinzuschauen und auch das Allerbeste aus ihrem Leben zu machen.
00:43:25: Und deine Oma lebt hier noch oder ist sie gestorben?
00:43:28: Nein
00:43:28: die ist im Jahr zwei tausend acht verstorben.
00:43:31: da war ich gerade in ... Da war ich grade in New York.
00:43:35: Da habe ich mir dann eine Auszeit genommen.
00:43:37: Ich hatte irgendwie den Traum von New York und hab mich da drei Monate in der Apartment gemietet, von einem Börsenmarkler, der gerade gecrashed war, weil das da irgendwie diese große Börsengfäsch gab.
00:43:49: Und die sind dann alle nach Brooklyn gezogen und ich hatte seinen Apartment im Village und ja... Dann ist sie verstorben!
00:43:57: Sie hat noch einige Konzerte besucht.
00:44:00: Ganz stolz in der ersten Reihe.
00:44:01: Ja es war immer ein Markteburg halt, ne?
00:44:03: Ja
00:44:03: was doch schön.
00:44:03: Ja und über in der Ersten Reihe Und du hast ja als dein erstes Album, also das Spiel dann, als du erfolgreich warst.
00:44:09: Dann stand plötzlich dein Vater in einem Autogramm gegeben und stand plötzlich ein Vater vor dir.
00:44:15: Das heißt er wusste dass du seine Tochter bist.
00:44:18: Aber du wusstest nicht wer dein Vater ist?
00:44:20: Nee ich wusste, dass er irgendein Dorf wohnt in der Nähe.
00:44:23: Du hast
00:44:23: ihn nie gesehen als
00:44:24: Kind?
00:44:24: Nein, da gab es kein Interesse von beiden Seiten, dass man da Kontakt aufnimmt
00:44:28: Und als du dann erfolgreich wurdest, dann kam er.
00:44:30: Ja.
00:44:31: Okay auch interessant.
00:44:32: Das ist halt natürlich ein ungünstiger Zeitpunkt in dem Moment.
00:44:35: das ist halt falsch gewählt.
00:44:36: Das dachte ich eben auch und es hat dazu geführt dass sich lange auch den Kontakt abgelehnt habe weil ich dachte so ne jetzt nicht kommen also komm
00:44:43: morgen.
00:44:44: Genau.
00:44:45: Jetzt wo ich an Netflix angeworden bin interessierst du dich?
00:44:47: Das war irgendwie ein doofes Gefühl.
00:44:49: Als ich dann aber als Corona war in der Zeit und ich meine Tochter schon bekommen hatte hatte ich einen Impuls ihn anzurufen.
00:44:57: Wir hatten gerade emotional war ich in so einer Aufräumphase und ich hatte mir zumindest, ich hatte den Wunsch nochmal seine Geschichte zu hören denn die beiden Geschichten erzählen sich sehr anders und das ist auch eine Wahrheit die ich wirklich aussprechen kann.
00:45:14: jeder Mensch hat seiner eigene Geschichte und seinen eigenen Blick auf die Dinge und wir meinen es nicht immer böse dass eben der persönliche Blick
00:45:22: ist ja auch ein Selbstschutz dabei
00:45:24: absolut Und deshalb würde ich jedem empfehlen, im Nachhinein sich beide Geschichten anzuhören.
00:45:31: Demen die Chance zu geben.
00:45:32: War das für deine Mutter ein Problem?
00:45:34: Dass du mit deinem Vater geredet hast?
00:45:35: Irgendwann nicht mehr.
00:45:37: Sie hat aber auch gemerkt ... dass es nichts verändert zwischen ihr und mir.
00:45:43: Das glaube ich war wichtig!
00:45:45: Mit deinem Vater haste du Kontakt jetzt so?
00:45:47: Wir haben die Nummer ja her.
00:45:49: Aber ich bin... Ich kann diese Kindheit nicht mehr aufholen.
00:45:54: Da fehlt die Nähe und ich kann nur noch eine andere schöne Geschichte erzählen, und zwar irgendwann, zwei Tausend dreizehn, vierzehnt.
00:46:03: so vor vielen Jahren habe ich mal mit einer Freundin, ich glaube da haben wir auch schon ein paar Jahre getrunken waren zu Hause und haben dann darüber gesprochen dass ich tatsächlich sechs Halbgeschwister habe fünf oder sechs, ich weiß jetzt gerade
00:46:16: nicht.
00:46:16: Von deinem Vater?
00:46:17: Ja genau und ich die älteste aber bin von allen.
00:46:20: und dann haben wir bei Facebook geguckt so wie ich wusste ja die Namen Und da war auch so Bilder gesehen.
00:46:27: Das sprang mich ein Bild an Ein Foto von einem jungen Mann der so aussah wie ich nur als Mann und ich dachte so Der war mir wahnsinnig sympathisch.
00:46:37: sofort.
00:46:38: Dann habe ich das aber wieder vergessen.
00:46:41: Und dann habe ich in Zürich ein Konzert gespielt und bin ja immer so hitberadenmäßig, laufe wahnsinnig gerne ins Publikum.
00:46:48: Und schaue mir die Leute an und singe zwischen den Reihen.
00:46:51: Ich glaube, ich hab wirklich zu viel Hitberade hingeguckt!
00:46:54: Ich liebe das!
00:46:55: Das
00:46:57: sind wir mit groß geworden?
00:46:57: Ja, wirklich!
00:46:58: Es war einfach so ein bisschen dieses... Die Leute freuen sich auch immer wenn ich runterkomme einmal.
00:47:05: Dann sehe ich dieses Gesicht in Züch.
00:47:07: Wir beide sofort glasige Augen Und dann haben wir uns zugezwinkert und da hat er irgendwie nach dem Konzert auf mich gewartet.
00:47:15: Dann sind wir in Zürich ausgegangen, haben gesprochen... Das
00:47:18: war dann wirklich ein Bruder?
00:47:19: Ja, es war
00:47:19: ein Brudder.
00:47:20: Er lebt mit seinem Mann heute in Züri, liebt schon lange dort.
00:47:25: Den treffe ich jetzt auch wieder wenn ich in ZÜRI spiele.
00:47:29: Wir mögen uns richtig gern!
00:47:32: Aber das ist halt irgendwie auch echt eine magische Geschichte.
00:47:35: Das sollte halt auch so sein, ne?
00:47:37: Den habe ich auf vorher einfach so sympathisch gefunden und es sollte einfach sein, dass wir uns treffen!
00:47:42: Und die anderen Geschmister hast du dir auch mal getroffen.
00:47:43: oder gibt's mir so ein Familienfest wo ihr alle zu...
00:47:46: Nee, das ist wie gesagt echt und da kommen wir halt wieder zum Punkt.
00:47:51: Ich kann mich dann nicht mehr so integrieren und das fehlt einfach so näher.
00:47:56: Man
00:47:56: kann nicht die ersten zwanzig Jahre seines Lebens kann man ja nicht nachholen Das geht ja nicht.
00:48:00: Aber
00:48:00: das ist gar nichts persönliches, es ist einfach so... Ich habe eine Wahlfamilie und ich hab sowieso schon Probleme mich um meine sozialen Kontakte zu kümmern.
00:48:10: Ich hoffe nur immer dass sie mir alle nicht böse sind weil man viel zu wenig Zeit hat.
00:48:13: Und na?
00:48:14: Ich versuch dann auch meine Freundschaften in meine Urlaube zu verlegen, dass man sich irgendwo trifft und dann Zeit hat ein paar Tage um wieder einfach sich abzudaten.
00:48:25: Aber irgendwie auch ein schönes Wissen!
00:48:27: Zu wissen es gibt Geschwister
00:48:29: Das auf jeden Fall.
00:48:30: Also wer weiß, was im Leben noch passiert?
00:48:33: Du bist nicht alleine als geschwitzt.
00:48:35: So meine ich jetzt.
00:48:35: Es gibt noch ein paar.
00:48:37: Deine Lieder sind ja für dich irgendwie auch Therapie oder du kannst damit ganz vieles...
00:48:43: Ja, das ist ein großes Glück.
00:48:44: Wenn man seine ganzen Schmerzen oder wenn die Dinge beschäftigen... ...wenn man umwandeln kann und etwas Negatives machen kann.
00:48:55: Das ist auf jeden Fall eine große Hilfe.
00:48:57: Es ist ein guter Katalysator.
00:49:00: Aber es muss immer authentisch bleiben.
00:49:03: Und wenn es einen selbst berührt, dann hat man die Chance, dass es auch andere berührt.
00:49:08: Anders geht's nicht!
00:49:10: Das heißt, deine Texte, die du schreibst, die berühren dich auch immer noch?
00:49:14: Ja.
00:49:14: Die müssen irgendwas mit mir machen klar.
00:49:16: ich also wenn ich selbst... Wenn ich das nur machen würde weil ich denken würde, ah, das interessiert die Leute.
00:49:21: So ganz analytisch.
00:49:23: Das kann ich nicht!
00:49:25: Weil da verlasse ich ja mein Terrain so.
00:49:29: Auch wenn man sich mit jeder Geschichte eine große Schah an Menschen trifft.
00:49:34: Manchmal sind Lieder auch nur für ein Paar gedacht.
00:49:38: unterschiedliche Geschichten haben, die besonderer sind.
00:49:41: Mal ist ein Lied wieder.
00:49:42: das können viele nah vollziehen aber es soll auch so sein.
00:49:45: ja dafür sind sie auch Alben da.
00:49:47: ich habe immer einen Alben gedacht.
00:49:49: jetzt erscheint am elften september der neues album sehnsucht.
00:49:53: du wählst ja titel ganz bewusst.
00:49:56: Was ist heute mit... Du bist jetzt über fünfzig.
00:49:58: Was ist da die größte Sehnsucht, vielleicht drückblickend als du noch zwanzig oder dreißig warst?
00:50:02: Also warum Sehmsucht?
00:50:04: Nach was sehn sich er nett lösen?
00:50:07: Die Begriff hat sich für mich verändert und ich sehe nämlich heute nach anderen Sachen.
00:50:12: Ich sehe mich heute nach Natur, nach Zweisamkeit, Dreisamigkeit.
00:50:17: Die Zeit in meiner Familie ist so kostbar.
00:50:21: Ich seh nämlich nach Ruhe und nach Frieden und nach Tiefe.
00:50:27: Ja, das sind auch alles so Dinge die mich kräftigen und die mir Energie geben.
00:50:37: Und Sehnsucht ist für mich unheimlich wichtig.
00:50:38: also es nicht mehr so dramatisch.
00:50:41: ich will nicht mehr das haben was ich nicht haben kann das reizt mich nicht mehr.
00:50:45: Das habe ich ausgebrochen das habe ich dekodiert das ist auseinander genommen da falle ich nicht mehr drauf rein.
00:50:53: Sehnsucht ist für mich ein Motor, eine Antriebskraft.
00:50:58: Wenn ich mich sehne nach etwas dann weiß ich und das stimmt nicht wie muss losgehen und danach suchen?
00:51:02: Ich muss mein Leben in Ordnung bringen!
00:51:03: Ich muss mir das holen was ich brauche Und das ist ja total gut.
00:51:06: also es gehört auch diese Gefühle zum leben dazu weil wenn man die nicht hat Dann kann man nichts zum positiven verändern.
00:51:13: Aber im Moment bist du, wie dein Leben so läuft.
00:51:16: Klingt für mich das ist sehr schönes für dich oder ist gerade nichts was gesucht werden müsste?
00:51:20: Nein
00:51:20: ich bin sehr glücklich und sehr zufrieden.
00:51:22: Das muss man auch wirklich sagen und ich kann auch nicht bestätigen dass man dann weniger kreativ ist.
00:51:26: also Ich kann wirklich viel besser kreativer sein wenn ich glücklich bin und wenn alles gesund und alles geregelt ist.
00:51:34: Alles in Ordnung.
00:51:35: Also ich muss einen Raum vorher aufräumen Und dann kann ich mich hinsetzen und schreiben.
00:51:40: Dann hitt ihr dich berühmt gemacht vor zwanzig Jahren das Spiel.
00:51:44: Wenn du heute mal zurückblickst, hast du inzwischen verstanden wie das Spiel des Lebens funktioniert?
00:51:50: Boah!
00:51:50: Das ist aber eine gute Frage oder eine schwierige Frage.
00:51:52: Nein also ich weiß nur dass es ganz wichtig ist zu spielen.
00:51:57: Ich danke dir.
00:51:58: Gerne.
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