Jazztrompeter Till Brönner: „Ich möchte einmal für den Papst spielen“

Shownotes

Jazzmusiker und Trompeter Till Brönner spricht mit BILD-Unterhaltungschefin Tanja May über seine Kindheit in Rom, die Leidenschaft für Musik und den Preis des Erfolgs. Außerdem erzählt er, warum Familie für ihn das Wichtigste ist, weshalb Lampenfieber dazugehört – und welchen Wunsch er für sein eigenes Lebensende hat.

Transkript anzeigen

00:00:00: Bevor Till Brenner der bekannteste Jazzmusiker Deutschlands wurde, war er erst einmal ein kleiner Junge in Rom.

00:00:06: Er war erst einen Jahr alt als seine Eltern aus Nordrhein-Westfalen mit ihm nach Italien zogen.

00:00:11: Italien ist ein sehr wichtiges Stück Heimat für mich.

00:00:14: Ich bin dort sehr freundlich empfangen worden und all die Jahre über auch mit den bestehenden Verbindungen Freundschaften bis hin zu einer Patentante, die ich immer noch habe – in Rom!

00:00:22: Das ist tief in meinem Herzen verwurzelt.

00:00:24: Es ist ein ganz wichtiger Stempel auf meiner Biografie.

00:00:29: Einer, der sagt er würde Musik auch umsonst machen.

00:00:32: Einfach weil er sie so sehr liebt.

00:00:34: Am Ende sollen Menschen aus dem Konzert rausgehen und sagen mein Gott da war eigentlich alles dabei.

00:00:38: ich habe die Zeit mal für zwei Stunden anhalten können und hab es gar nicht so richtig gemerkt wie das ist.

00:00:43: schon vorbei war und es war was fürs Herz dabei für die Seele aber auch eben etwas für die Lachbemoskeln.

00:00:48: Und zugleich ist Silbrenner ein Familienmensch, der jede Minute mit seinen Kindern und seinen Liebsten genießt.

00:00:53: Auch wenn es natürlich diesen Satz gibt Kinder suchen sich ihre Eltern aus.

00:00:57: Der ist so'n bisschen isoterisch.

00:00:58: der Satz Man merkt auch im Laufe der Jahre dass da was dran ist man möchte keine anderen kinder als die Mann hat.

00:01:04: das ist das schönste.

00:01:05: Genau diese Mischung macht sein Weg so besonders Große Bühne große Leidenschaft großes Herz.

00:01:28: Ich habe heute einen Mann bei mir, der es schafft.

00:01:30: Das Menschen die eigentlich nicht so Jazz-Fans sind aber trotzdem die Musik lieben.

00:01:33: ich hab nämlich Til Brenner bei mir ein der weltbesten Trompetenspieler in der Welt Und heute bei mir, beim Mai-Bee.

00:01:40: Wir haben jetzt ein paar Wochen gebraucht bis wir einen Termin gefunden haben weil sie sind ja gerade auf Tournee Herr Brenner und deswegen nochmal tausend Dank dass Sie hier so entspannt bei mir sitzen weil sie werden in wenigen Stunden in Leipzig im Gewandhaus auf der Bühne stehen.

00:01:51: So

00:01:51: ist es freue mich aber sehr hier zu sein!

00:01:53: Ihr Programm heißt ja Italia.

00:01:55: Italien ist ja ganz wichtig in ihrem Leben.

00:01:56: da werden wir gleich auch noch mal drüber sprechen.

00:01:58: und wie ich für ihn schon mitbekommen habe Italien und Kaffee.

00:02:01: also sie haben eine ganz große Kaffeeliebe.

00:02:03: sie beginnen jeden Morgen mit einem Cappuccino

00:02:05: Ja natürlich einem selbst gemacht und einer Maschine, die den Namen auch verdient sozusagen.

00:02:10: Da sind die Italiener ja auch relativ strikt und klar was ein guter Kaffee braucht woraus er gemacht wird nicht nur Kaffees sondern auch welche Art von Bohne Temperatur.

00:02:21: da kann man sich wie in fast alle Themen unglaublich reinfuchsen Und irgendwann habe ich das mal gemacht und dann ist sie wenn die fest eingestellt ist wie tatsächlich sehr verlässlich jeden Morgen für dich da.

00:02:30: Also wie ist das bei Ihnen?

00:02:32: Sie sind ja auf der ganzen Welt unterwegs, wenn sie im Hotel sind.

00:02:34: Also gerade Amerika.

00:02:35: Sie leben ja auch in LA.

00:02:36: Ist ja der Kaffee nicht so doll!

00:02:39: Die Menschen in LA sind auf jeden Fall was Kaffees angeht schon etwas geschulter und da gibt es wirklich Orte die Walfahrtsorte bereist werden weil's da einen guten Kaffe gibt.

00:02:48: aber ich mag den Kaffesowivien hier in Europa trinken und wie er in Italien gemocht wird am liebsten.

00:02:54: ehrlich gesagt

00:02:55: Sie sind ja geboren in Deutschland und mit einem Jahr sind ihre Eltern mit ihnen nach Rom gezogen.

00:03:00: Also, ihre Eltern waren Lehrer an der deutschen Schule und der kleine Till kam halt mit.

00:03:04: Das heißt sie sind dann da in eine Kita gegangen oder ein Kindergarten?

00:03:07: Exakt!

00:03:07: Ich bin in einer Kita gegangen im einen Kindergaten, der von katholischen Schwestern, also einem Schwestermorden geleitet wurde... Freundschaften und Verbindungen, die existieren bis heute.

00:03:19: Und ich bin sehr behütet in diesem sehr gastfreundlichen Land, diesem sehr lebensbejahenden Land.

00:03:25: Am Ende des Tages ist auch sehr katholischem Land groß geworden.

00:03:28: Sind Sie katholic?

00:03:29: Ich bin katholisch.

00:03:30: Also zumindest sagt das meine Abrechnung wie beim Finanzamt.

00:03:34: Das heißt du noch in der Kirche!

00:03:36: Ja, ich bin noch in einer Kirche ja...

00:03:37: Gut, Rom natürlich durch den Vatikan hat man sowieso.

00:03:40: Das hat ja einen besonderen Zauber finde ich.

00:03:42: Auch der Weg zum Glaube ist immer ein bisschen einfacher wenn man in Rom ist?

00:03:47: Ich glaube da haben Sie vollkommen recht.

00:03:48: wer den Fuß tatsächlich mal in dem Petersdom gesetzt hat und sich diese Dimensionen die einem wirklich erschlagen wenn man da reinkommt mal so gibt.

00:03:57: Der stellt fest das natürlich Macht- und Kirche- und Einfluss natürlich in einem Atemzug zu nennen waren und die sollte auch demonstriert werden.

00:04:05: Und das geht mit einer solchen Größe und all dieser ganzen Struktur, die man gar nicht übersehen kann.

00:04:10: In der ganzen Stadt laufen Geistliche mit langen Kutten herum.

00:04:14: Das ist normalerweise weltweit nicht so.

00:04:16: Die ziehen alle einen schwarzen Anzug wenn überhaupt an.

00:04:19: Manchmal sieht man hier an der Seite ein kleines Kreuz wie diese Witten da war ich auf der Schule aber in Rom trägt man Talar.

00:04:26: Ja, hat einen besonderen Zauber.

00:04:28: Haben Sie jemals für ein Papst gespielt?

00:04:30: Bisher noch nicht!

00:04:31: Also es könnte vielleicht passieren... Es gab immer mal Anfragen und natürlich auch eine Menge Menschen für den Papst spielen wollen oder sich bestimmte Organisationen oder Anlässe auch dazu eignen, auch mal was zusammenzustellen.

00:04:44: Das habe ich wenn man so möchte noch auf der Liste.

00:04:46: wer weiß ob das da zu kommt irgendwann.

00:04:48: Wie ist es dann gewesen?

00:04:49: Also der kleine Til mit einem Jahr, man spricht noch nicht.

00:04:51: Man läuft noch nicht!

00:04:53: Das ging ja alles in Rom los.

00:04:54: also ihre Anfänger verbinden sie mit Rom und das erste Wort war... Naja

00:04:59: ich bin in Viersen geboren aber dann ging's sofort rüber nach Italien.

00:05:04: Als Kind ist man ja was Sprache, insbesondere im Kindergarten angeht ja wie völlig furchtlos.

00:05:09: Also das lernt man ganz schnell.

00:05:12: Meine Eltern haben damals tatsächlich so ein bisschen etwas auf Kassette aufgezeichnet, was ich so vor mich hingeprabbelt habe.

00:05:18: diese Aufnahmen existieren noch.

00:05:20: Da sagen Experten dass sei sogar in Teilen der römische Dialekt die mich da spreche.

00:05:24: also das ist ein lustiges Dokument Und Kinder verständigen sich ja mit Händen und Füßen.

00:05:30: Die Sprache wird einfach schnell gelernt, wenn es überhaupt etwas gibt wo ich meine Eltern im Nachhinein noch leise kritisiere für dann dass wir nicht noch fünf Jahre länger geblieben sind weil dann hätte sich die Sprache tatsächlich auch unwiderruflich so gesetzt das sie eben dann auch fließend spreche.

00:05:44: allerdings ist es so nach zwei Wochen bin ich sogar echt brauchbar wieder in dem Land.

00:05:49: Na ja, über die Schönheit oder die Vorzüge von Italien als Land und wo es liegt muss man wahrscheinlich nicht mehr ersprechen.

00:05:55: Das heißt aber Italien ist auch ein Stück Heimat für Sie?

00:05:58: Italien sind ein sehr wichtiges Stück Heimat für mich.

00:06:01: ich bin dort sehr freundlich empfangen worden und all die Jahre mit den bestehenden Verbindungen, Freundschaften bis hin zu einer Patentante, die ich immer noch habe in Rom das ist tief in meinem Herzen verwurzelt.

00:06:12: das ist ein ganz wichtiger Stempel auf meiner Biografie.

00:06:15: Wenn sie die Augen schließen wie riecht ihre Kindheit in Italien?

00:06:19: Die Frage mag ich sehr.

00:06:20: Man kommt gar nicht umhin vor allen Dingen Anfang der siebziger Jahre diese Mischung aus all dem in Rom zum Beispiel wahrzunehmen, das sind Autoabgase alles ohne Katalysator damals wie bis zur Kaffee Duft sogar Putzmittel die damals verwendet wurden uns oft viel viel klorreicher als hier In Kombination mit dem Duft der Vegetation des Bodens, der Bäume.

00:06:44: Diese Stadtparks die Villa Borghese all das zusammengenommen und natürlich abends in Trastevere diese Pizza öffnen.

00:06:49: also wer das nicht wahrnimmt und als etwas empfindet was wirklich tief menschlich und einladend ist dem ist wahrscheinlich nichts zu helfen.

00:06:57: Bevor zogen sie Pizza oder Pasta?

00:06:59: Ich mag beides wahnsinnig gern, wenn man beides wirklich gut macht.

00:07:02: Also Pasta selber zu machen ist was sehr besonderes aber gar nicht schwer.

00:07:06: noch schneller geht es natürlich wenn man eine fertige aber sehr hochwertige Pasta nimmt.

00:07:10: Einkauft!

00:07:11: Und Pizza selber machen, das habe ich tatsächlich zum Anders genommen ein ganzes Kochbuch zu schreiben.

00:07:16: Was zwar nicht nur mit Pizza einhergeht aber als ich endlich nach all den Jahren die ich auf der Suche war nach dem perfekten Pizzateig wie man ihn auch zu Hause hinbekommt so dass er einen an das Restaurant erinnert also sich das fertig hatte war die Idee geboren ein eigenes Kochbuch zu machen und mich über die Küche von Romen die übrigens sehr bodenständig und manchmal sogar sehr deftig ist.

00:07:35: und jetzt gibt es dieses Buch das heißt Chauroma.

00:07:37: Ah, und was ist der geheimen Rezept?

00:07:39: Wie machen Sie den Teig?

00:07:40: Der Teig ist deswegen so wichtig.

00:07:42: beziehungsweise das Geheimnis am Teig die Zeit.

00:07:45: Man muss dem Teig wirklich die Zeit geben über ein zwei Tage also mindestens achtundvierzies Stunden.

00:07:51: Am besten allerdings sogar zwanziebzehnte Stunden im Kühlschrank zu reifen damit der Fermentierungsprozess sofort starten gehen kann.

00:07:57: und dann schmeckt diese Pizza wirklich obwohl sie manchmal luftig und locker ist wirklich auch noch knusprig.

00:08:01: Das ist ein Geschmack den kann man fast als Nussig bezeichnen.

00:08:04: Und sind Pizzaofen zu Hause?

00:08:06: Ja,

00:08:06: selbstverständlich.

00:08:08: Habe Maschine-Pizzaofen und die Nudeln waren auch selbst gemacht?

00:08:10: Nicht

00:08:11: alle!

00:08:11: Aber wenn man weiß welche man fertig kaufen kann, dann merkt man den Unterschied.

00:08:14: Wenn sie mit so einer Bronze-Jablone gemacht werden, ich glaube Schablone heißt das... Dann sind die toll, haben die genug Oberfläche, sind rau und können die Soße in sich aufnehmen.

00:08:24: Na ja da brauch es nicht mich aber den einen oder anderen kocht zu um das zu erklären.

00:08:28: Ich finde die einfachste oder die beste Pasta ist sowieso die Einfachste.

00:08:30: also ich esse am liebsten die mit Pomodoro.

00:08:33: geht mir ganz genauso.

00:08:34: Die hat natürlich einen ganz wichtigen Platz in meinem Kochbuch und auch da werden viele Fehler gemacht bzw.

00:08:40: viel gefährliches Halbwissenwort dort glaube ich ausgetauscht, es sind immer wieder dieselben wenigen aber dafür hochwertige Zutaten und ein bisschen auf die Temperatur achten.

00:08:48: Das heißt aber Sie haben Italienisch natürlich gelernt?

00:08:50: Kindergarten, sie haben mit ihren Freunden Italienisch gesprochen.

00:08:53: Sie haben Italienische gedacht und geflucht alles was mal als kleines Kind dann so macht.

00:08:57: also sie waren ja fünf Jahre in Rom.

00:08:59: Ja das werde ich auch nicht vergessen!

00:09:01: Ich meine aus heutiger Sicht sehr kindlich natürlich alles damals aber Kinder können auch ordentlich fluchen also keine Sorge.

00:09:08: Und in Italien alle Mal?

00:09:09: Absolut.

00:09:11: Und ihr Name Til, wo kommt der eigentlich her?

00:09:13: Weil es gibt ja so ein paar bekannte Tils die man kennt.

00:09:15: Der

00:09:15: Name Til kommt in der Forschung ziemlich genau vom Namen Dietrich.

00:09:20: Genau das hat mich überrascht, Dietrich oder Tilmann.

00:09:23: Genau und ich weiß nicht wie aus Dietrich am Ende Til werden konnte.

00:09:26: Ich glaube wenn man hat Dietrich schon verkleinert dann wurde aus Dietrig-Dietl-Til und hat wahrscheinlich am Ende nur noch die letzte Endung oder so gereicht um daraus den Til zu machen.

00:09:36: aber ich glaube dass ist wissenschaftlich belegt.

00:09:39: Aber hatten Ihre Eltern ein Vorbild, dass Sie ihn den Namen Till gegeben haben?

00:09:42: Mein Vater erzählt die Geschichte.

00:09:44: Dass er damals tatsächlich mit einer, ich glaube Magenverstimmung wie als ich unterwegs war, also nachts aufgewacht ist und durch die Wohnung getapert ist und das Radio angestellt hat weil er nicht schlafen konnte.

00:09:56: Und da lief Till Eulenspiegel, die Musik, die Oper.

00:10:00: Das war für Ihnen ein Zeichen.

00:10:01: Ich glaube der Junge heißt Till.

00:10:03: Und wie waren Ihre Eltern, als Sie klein waren?

00:10:06: Meine Eltern waren wunderbar.

00:10:07: Ich meine beide waren Lehrer kamen auch aus einem katholischen Elternhaus wenn man so möchte.

00:10:12: Es war eigentlich gar nicht so kirchennah alles.

00:10:14: es war schon sehr weltlich.

00:10:15: aber da war Bildung Musik und all das ein wichtiges Thema Aber eben auch Genuss.

00:10:20: und und meine Eltern sind so ich würde sagen vom Alter her eher achten sechziger aber von der Mentalität ein bisschen mehr in den fünftigern.

00:10:27: Das würden sie mir auch glaube ich nicht übel nehmen wenn ich das sage.

00:10:30: Das hat wirklich sehr geholfen damals und die Gastfreundschaft, die wir dort erfahren haben war bemerkenswert.

00:10:36: Also es ist in wahnsinnig vielen Ländern so wenn man einfach den Versuch unternimmt die Menschen zu verstehen und sich zu integrieren.

00:10:43: Es wird mit ganz viel Offenheit, mit ganz viele Dankbarkeit und mit ganz vielen Geschenken belohnt immer wieder.

00:10:48: Und die Tedeschi, wie sie nun mal natürlich auch ein wenig belächelt werden.

00:10:53: Manchmal ist es auch ein sehr ambivalentes Verhältnis zwischen Deutschen und Italienern sind am Ende aber doch einfach Nachbarn.

00:10:59: Das muss man sagen.

00:11:00: Und mein Lieblingswitz ist eigentlich was der Unterschied zwischen Deutschland und Italiernern.

00:11:04: Die Italiener respektieren die Deutschen lieben sie aber nicht.

00:11:08: Bei den Deutschen ist das genau umgekehrt und ich fürchte da ist etwas dran.

00:11:11: Aber haben Sie noch Freunde von damals?

00:11:13: Ich habe sehr viele Freunde noch von damals.

00:11:16: Die frühen Kindheitsfreunde machen heute ihr Ding, aber wenn man als Musiker insbesondere Jazzmusiker in diesem wirklich großen Jazzland Italien ist und Kooperationen unternimmt dann entwickeln sich dort wieder neue Freundschaften und die sind auch fürs Leben.

00:11:31: also es ist schier unglaublich wie viel gute extrem talentierte Musiker auch im Bereich Jazz in Italien anzutreffen.

00:11:38: Sind die Italiener lieben ihre eigenen Künstler?

00:11:40: Noch viel mehr als wir!

00:11:41: Die lassen jeden großen amerikanischen Star eigentlich links liegen, wenn sie einen italienischen Star auf der Bühne begrüßen und bejubeln können.

00:11:47: Das ist sehr spannend!

00:11:48: Und ich finde interessant, weil Italien für mich steht.

00:11:50: Italien gerade Rom!

00:11:51: Für Genuss, für Opulenz, für Leichtigkeit und Jazz hat ja eher was mit Disziplinen auch zu tun und das gerade in Italien dann auch die Jazz Musik so gerne gehört wird?

00:12:00: Naja es ist ganz lustig.

00:12:01: Ich konnte mal irgendwann einen kleinen Vortrag beiwohnen von Enrico Rava einem sehr berühmten italienischen Jazz-Trompeter der auf dem Wege war mir zu erklären dass der Jazz in Wahrheit eigentlich wenn man genau mal hinsieht aus Italien käme.

00:12:15: und da geht man nach New Orleans und stellt fest offizielle Jazz Band, die es gegeben hat.

00:12:19: damals wurde geladet von einem Herrn der hieß Nik LaRocca.

00:12:24: Also einen italienischen Auswanderer, der damals für eine ganze Zeit lang für sich in Anspruch nahm eigentlich der erste Jazz Musiker auch mit diesem Wort Jazz was damals noch mit zwei S geschrieben wurde zu sein.

00:12:34: und letztlich ist natürlich auch im Jazz selber eine große europäische nicht zuletzt auch jüdische und Musik vom Balkan als Wurzel vertreten.

00:12:44: also Europa hatten ganz festen Platz im Jazz.

00:12:47: Wie kamen Sie denn oder wie kam der kleine Till zur Trompete?

00:12:50: Ich war damals, als wir zurück in Deutschland waren natürlich ein Kind der Achtziger.

00:12:56: Wir sind zwar siebzig nach Deutschland zurück aber als ich dann so merkte mit der Musik das könnte spannend und ernster werden war ich längst derjenige, wie viele andere Kinder mit der Großmutter oder den Eltern abends.

00:13:07: Musik ist Trumpf oder am laufenden Band oder was auch immer geguckt hat.

00:13:11: und da saß er nun mal bekannterweise links- und rechts-der-Showtreppe im Orchester.

00:13:15: Die hatten weiße Smokings an und die Trompeter, die saßen oben und hatten diese, wie ich finde noch sehr handliche fast revolverartige Trompetenaanen also dieses Gerät.

00:13:25: und dann dachte ich Mensch das sieht irgendwie cool aus!

00:13:27: Also der optische Aspekt den fand ich mindestens so ansprechen damals als den klanglichen.

00:13:32: Das ist ein kompaktes Instrument und es wirkte für mich damals zumindest so, dass da oben die Chefs sitzen.

00:13:38: Erst später war es so das mal einen Journalist oder so fragte was hat sie denn eigentlich dazu bewogen Herr Brünner?

00:13:43: Ein so unpopuläres Instrument wie die Trompete zu wählen.

00:13:46: Da wäre ja Saxophon- oder E-Gitarre vielleicht in der Schule noch viel besser angekommen hatte er recht.

00:13:51: aber wer einmal Louis Armstrong auf der Bühne Ich leide nicht live natürlich, da war ich zu jung für.

00:13:58: Aber in unzähligen Aufnahmen und auch Videoaufnahmen gesehen hat den lässt das eigentlich nicht mehr los wenn ein Faible für Trompete hat und insbesondere bereits entwickelt.

00:14:07: Haben Sie in Italien schon angefangen als kleiner Junge mit Musik oder kam es dann wirklich erst?

00:14:11: Wie alt waren sie denn?

00:14:12: Das ging wirklich erst in Deutschland los.

00:14:14: also in Deutschland haben wir dann angefangen mit Blockflöte was ja viele Kinder so machen

00:14:18: und

00:14:18: auch am Klavier kriegt man dann lustigerweise sofort einen Ton raus einfach nur wenn man drauf drückt.

00:14:22: dass ist das gute am Klavier.

00:14:24: der klingt doch ganz selten verstimmt, weil das macht alles der Hammer.

00:14:26: und wenn ein Klavier gestimmt ist.

00:14:28: Ist das Erfolgserlebnis sofort da?

00:14:30: Bei der Trompete dauert es einen kleinen Moment aber bei der Geige ist es noch schwieriger.

00:14:34: also die Erfolgserlebnisse lassen auf sich warten.

00:14:37: Ich behaupte ich kann jeden angehenden Trompetenschüler oder Schülerin sagen wir mal wenn es um acht neun Jahre ist wie das Alter in relativ kurzer Zeit so offen Weg bringen wie dass es auch schon anhörbar ist nennen

00:14:50: Aber kam das über die Schule, dass sie Trompete gelernt haben?

00:14:53: Oder haben Sie zu ihren Eltern gesagt, ich möchte jetzt eine Trompette.

00:14:57: Ich wollte ganz explizit ne Trompeter und dann lag die irgendwann auf dem Gabentisch bei der Kommunion.

00:15:02: Ist

00:15:02: auch keine Plastiktrompete, das war wirklich ne echte Trompe ...

00:15:04: Das war bereits ne echte Trompete von einem amerikanischen Hersteller, meine Tante... Kommunionen

00:15:09: ist man ja regel so neun Jahre alt, ne?

00:15:10: Exakt!

00:15:10: Das war genau das Alter.

00:15:11: da waren dann auch die Arme schon lang genug um das Ding zu halten Und meine tante Doris hatte damals einen Musikalienhandel in Viersen Und das war noch ein Laden, in dem man wirklich alles bekam.

00:15:23: Also von der Platte die man anhören konnte vorher und dann möglicherweise nicht nahm... bis zum Notenpapier, von der Heimorgel bis zum Schlagzeug und so kann Instrumentenbauer der Instrumente reparieren konnte.

00:15:35: Auch ein Blechblas-Experte, der war dort im Laden fest installiert und insofern war das für mich bei jedem Besuch in diesem Musikgeschäft ein totales Eldorado absolut!

00:15:46: Und da ist sicherlich auch ein Großteil mit dessen Individuen gelegt worden wovon ich heute noch profitiere.

00:15:52: Und Ihre Eltern, wenn Bildung musikwichtig war, die fanden das wahrscheinlich gut?

00:15:55: Haben sie es unterstützt?

00:15:56: Ja haben Sie schon.

00:15:57: Sie waren eher so klassische Musikfans.

00:15:59: also da wurde viel Bach gehört und mein Vater hat bis heute viel Johann Sebastian Bach und natürlich auch viele anderes.

00:16:05: aber als Sie merken dass ich mit dem Jazz liebäugelte waren sie zwar nicht sofort total begeistert, aber als Sie gemerkt haben da kommen auch erste Erfolgserlebnisse rein war die Tür offen und mein Vater hat mich zu sehr vielen Veranstaltungen und Proben, weil sich noch kein Führerschein hatte gefahren.

00:16:20: Und dem verdanke ich natürlich auch sehr viel was das angeht.

00:16:22: also da müssen Eltern teilweise auch wie im Fußball oder woanders auch echt ran und die Kinder unterstützen.

00:16:27: Noch

00:16:28: wieder selbst verzichten?

00:16:29: Total!

00:16:31: Aber am Ende des Tages sollte es mal ein Beruf werden und das ist bis heute.

00:16:35: Aber gab's einen anderen Berufswunsch, als sie kleiner waren?

00:16:38: Wenn ich ehrlich bin... Also ging das über dieses Ich möchte mal Pilot werden oder so der Lokomotivführer war nicht dabei.

00:16:45: Polizist wollte ich mal werden weil in Italien natürlich auch die Uniformen der Karabinäre unglaublich schmuck sind und wahren also immer noch mit der roten Schärfe und vielleicht auch mal ein Säbel oder Degen noch an der Seite.

00:16:57: ja Das macht schon Eindruck und die Polizei Autos dann auch unglaublich aus damals.

00:17:02: Und es ist ja immer laut, finde ich in Rom!

00:17:04: Ja, in gewisser Weise ist da immer... Auch dieses

00:17:06: besondere Tattoo-Tatar was die dann haben auf Polizeiautos.

00:17:12: Das klingt immer anders als bei uns, ne?

00:17:14: Kennen wir auch aus vielen Polizeifilmen.

00:17:16: In den Achtzigern gab es dann allein gegen die Mafia weiß ich noch wie ein Riesenerfolg der totale Straßenfeger in Deutschland.

00:17:23: und naja, da gab's ja auch andere Beispiele.

00:17:26: also das Land hat viel durch und hat natürlich auch viel Stoffe, Filme und Fiktion geliefert.

00:17:31: nur

00:17:32: Bei Mario Adolf mir jetzt ist er leider verstorben mir letztes Jahr erzählt hat, dass die Italiener immer gar nicht so begeistert waren.

00:17:38: Wie er den Mafia-Boss gespielt hat?

00:17:40: Weil die Italiene haben einen ganz klaren Blick darauf wie jemand von der Mafia zu sein hat.

00:17:43: Absolut!

00:17:45: Ich glaube Experten sind das dann schon am Ende des Tages.

00:17:47: aber es sind natürlich auch viele tragische Entwicklungen und was ich glaube die Justiz da erlebt hat Und welche Menschen da alle ermordet worden sind, natürlich.

00:17:56: Also Giovanni Falcone der Stichwort also das ist schon sehr besonders.

00:18:00: Eine meiner Lieblingsserien zumindest wie fern ab der Realität ist Gomorra.

00:18:04: Schau euch wahnsinnig gerne weil so das kann man ja gar nicht erfinden und

00:18:07: ich glaube

00:18:08: da ist auch was dran.

00:18:10: Ich bin sicher dass da etwas dran

00:18:11: ist

00:18:11: auf jeden Fall.

00:18:13: Waren Sie ein guter Schüler oder war Musik so das beste Fach?

00:18:16: Ja lustig ist.

00:18:16: ja wenn man Musik akademisch hernimmt und versucht zu analysieren, dann ist genau wie in allen anderen Fächern so viel Theorie und auch Nerverei dabei irgendwie dass man als jetzt nicht der Oberfleißigste, der ich war, auch schnell das Gefühl bekommen kann.

00:18:31: Das interessiert mich jetzt nicht so!

00:18:32: Ich war aber im Musik immer gut genug Als das dann eine zwei oder auch mal zwei Plus drin war, aber selbst die eins kamen

00:18:39: jetzt nicht

00:18:40: automatisch so.

00:18:41: Ich war eher der Pragmatiker am Klavier sitzen und einfach schonmal irgendwie die richtigen Akkorde spielen nach Gehörspielen und mal jemand andern nass machen.

00:18:48: So da war ich ganz gut.

00:18:50: Aber am Ende des Tages gibt es im Musikunterricht auch ein Lehrplan.

00:18:53: Und wenn ich dann zu faul war, dann wurde das auch quittiert.

00:18:55: Ende der Durchsage.

00:18:57: Aber Abitur haben sie geschafft?

00:18:58: Ja ja auf jeden Fall!

00:18:59: Aber ich hatte schon während der Schulzeit mehrmals das Gefühl eigentlich dass gar nichts zu Ende machen.

00:19:04: wollen und zu müssen, weil ich bereits sehr beschäftigt war.

00:19:07: Und bis heute muss ich gestehen, habe mich noch nie einer gefragt so ehrlich ob ich überhaupt nur lesen und schreiben kann, weil einfach nur spielen musste und

00:19:15: sollte.".

00:19:16: Das ist natürlich am Ende des Tages trotzdem passiert mit dem Abitur und ich bin meinem damaligen Oberstufenleiter, den ich gesagt habe.

00:19:23: Ich will eigentlich abgehen extrem dankbar noch immer, dass er gesagt hat komm jetzt mal ganz ehrlich wir wissen alle das du Musik machen wirst später.

00:19:29: Jetzt hast du noch anderthalb Jahre.

00:19:31: die Sitze doch ehrlich gesagt auf der linken Po-Backe ab.

00:19:33: jetzt reiß dich doch nochmal zusammen Du wirst es nie bereuen absolut recht behalten.

00:19:37: Schönen Gruß an Herrn Knoch!

00:19:40: Gute Herr Knoche und wahrscheinlich der Eltern, die waren auch nicht begeistert oder?

00:19:43: Ja allerdings mein Gefühl war dass sie selbst das noch akzeptiert hätten weil Sie gesehen haben da kamen natürlich genug Feedback.

00:19:50: aber ich bin schon sehr froh, dass ich es gemacht habe und da kam natürlich auch noch stoffmäßig ein paar Sachen wie die ich heute nicht missen möchte.

00:19:56: Ich hatte einen super Sozialwissenschafts-Lehrer, der kam richtig aus der Wirtschaft irgendwie und er hat uns auf's Berufsleben wie vielleicht die meisten Menschen so erleben auch noch richtig vorbereitet ergriffig und sehr, sehr realitätsnah.

00:20:08: Sie sind ja dann ganz konstant und ganz schnell ging das ja los auch mit ihrem Erfolg.

00:20:11: ich glaube sie waren ein Zweiundzwanzig beim ersten Album.

00:20:14: Ich war sogar einundzwanzig beim ersten Album und kam mit zwanzig nach Berlin.

00:20:19: Und bekam dort über Nacht eine Stelle, ich war zufällig im Theater des Westens bei der Bundesfilmpreisverleihung als kleiner Trompeter engagiert.

00:20:26: Mit Peter Herbolzheimer damals und hörte das hier in Berlin eine Stelle freier wurde und dann habe ich mich da telefonisch noch glücklicherweise auf die Liste setzen lassen und wurde eingeladen haben da vorgespielt und ich war wahrscheinlich so drauf, dass ich nichts zu verlieren hatte.

00:20:42: Und war der Letzte, der dran war und konnte frei von der Leber wegspielen.

00:20:46: und dann hat man mich gefragt ob ich mir sowas vorstellen könnte?

00:20:48: Dann saß ich letztlich in genau der Band die ich als Kind im Fernsehen gesehen hatte und die auch dafür verantwortlich war das ich überhaupt Trumpeter werden wollte und da musste ich mich mal kurz kneifen.

00:20:59: Das ist ja sie leben ihren Traum.

00:21:00: oder kann man dann sagen klingt jetzt platt aber ist so?

00:21:02: oder wenn Sie diesen Wunsch immer schon hatten Sie strahlen sowas ja auch, also sie sind ja so ein Gentleman in der Musik.

00:21:09: Also sie wirken sehr ruhig und bedacht, sie sehen sehr höflich aus, sie kleiden sich gut... Bildet ja, gehört alles auch dazu zu ihrem Erfolg oder?

00:21:18: Nein der Jazzmusiker an sich ist eigentlich nicht dafür bekannt.

00:21:21: Laut zu sein?

00:21:23: Ja laut sein schon aber vor allem eins nicht zu sein everybody's darling.

00:21:27: also ich glaube dass der Jazz Musiker in seiner überwiegenden Tradition und im Klischee wie er so gesehen wird eigentlich eher der Individualist wird der Musik macht die schwierig zu hören ist die viele Menschen als Katzen Musik vielleicht empfinden mögen.

00:21:40: Und da gibt es eine Community die sowohl auf der Hörer Seite als auch auf der aktiven Seite natürlich so blind versteht und sagt, ja genau nur das ist eigentlich Jazz eine sehr verengte und auch unzutreffende Sicht auf die Dinge.

00:21:53: Und ich habe immer das Gefühl gehabt, dass es ein bisschen Teil meiner Mission auch den Menschen klar zu machen, dass Jazz eine weit über hundertzwanzigjährige Geschichte hat und in dieser Zeit vor allem sich immer wieder neu erfunden hat und eben vor allen Dingen auch sehr höherbare und sehr unterhaltende Versionen von Jazz existiert haben und zeitlos sind, die es heute noch gibt.

00:22:13: Ich glaube, dass ich auf der Bühne immer gerne zeige und gezeigt habe was sich einem Instrument entlocken kann.

00:22:19: Und da auch an die Grenzen zu gehen macht mir Spaß!

00:22:21: Ich möchte aber auch unterhalten.

00:22:23: Das ist vielleicht etwas das ich früher in der Form nicht so gesagt hätte... Aber das ist meine Tradition.

00:22:29: Ich hab diese Orchester alle gesehen.

00:22:31: Da war der Unterhaltungsfaktor ganz, ganz groß wenn Peter Alexander oder Gilles Barbicot auf die Bühnen kam oder Tony Bennett oder Fred Astaire.

00:22:38: Das sah immer so aus als ob das jeder könnte Und genau deswegen, weil es eben nicht so war, sah es so leicht aus.

00:22:45: Katarina Walenta hat mir auch noch gesagt, sie haben teilweise drei Wochen für eine Fernsehshow jeden Tag in den zehn Stunden geübt bis das so aussah.

00:22:52: also ob es schon immer da gewesen sei.

00:22:54: Ja, vor allem man dachte immer Katharina Wallende sie kommt die Showtreppe runter und es läuft.

00:22:58: Aber da gehört ja viel Arbeit dazu was man gar nicht sieht.

00:23:00: Ja absolut aber das schwere leicht aussehen zu lassen ist unser

00:23:03: Job.

00:23:03: Das ist die Kunst genau!

00:23:05: Und Sie haben ja die Jazzmusik auch geöffnet.

00:23:07: also Sie vereinen ja den klassischen Jazz mit anderen Musikrichtungen und ich glaube das ist aber das größte Geschenk quasi dem Jazz machen können weil man jetzt auch mal zuhört wenn man vielleicht nicht der klassische Jazz-Zuhörer ist.

00:23:17: Ich glaube dass es auf jeden Fall Sinn machen könnte ein bisschen über den Tellerrand hinauszuschauen und ich bin ja kein anderer Mensch nur weil ich mal einen kurzen Ausflug woanders hin mache.

00:23:25: Wir fahren nicht immer nur ins selbe Land in Urlaub und gehen vielleicht auch nicht immer noch zum selben Italiener, obwohl wir wissen was wir da bekommen.

00:23:33: aber die Kunst ist nicht vom Wege abzukommen sondern die Kunst is meistens vor Publikum von wege abzukommen aber auch den Weg zurückzufinden.

00:23:42: das ist übrigens der Moment wo es immer Applaus gibt.

00:23:44: also auf der Bühne alles kurz und klein zu schlagen das keine Kunst vorm gleichen Publikums wiederaufzubauen Das ist viel spannender Und dafür gibt es auch Applaus, so wie im Zirkus.

00:23:55: Da gibt's ja keinen Applaus wenn der Trapezkünstler loslässt oder wenn er auf die anderen Seite gefangen wird.

00:24:00: und das ist ein nachvollziehbares System und ich bin in gewisser Weise gerne vorbereitet mit dem was ich mache.

00:24:08: aber ich habe keine Angst davor dass auf der Bühne irgendetwas passiert etwas was nicht abgesprochen ist.

00:24:13: Das ist das wichtigste Element die Improvisation.

00:24:16: Da schiebt mir einer was zu auf dem Instrument und ich muss auch etwas antworten.

00:24:20: Und das kommentieren, und das wird am Ende schon gut ausgehen.

00:24:23: Wir verhandeln auf dieser Bühne etwas aus von dem wir relativ sicher sind dass es am Ende auch gut ausgeht.

00:24:29: Gerade die aktuelle Tour sie singt ja sogar auch?

00:24:31: Ja!

00:24:32: Das stelle ich mir vom Publikum... Ich glaube die Nähe zum Publikums ist dadurch ja noch näher und singt dann da auch jemand

00:24:38: mit?!

00:24:39: Ja, wir haben natürlich eine Kombination von Sängern auf der Bühne.

00:24:42: Kann

00:24:42: ich mal aus dem Publikum auch?

00:24:44: Ach so!

00:24:44: Sie meinen das Publikums?

00:24:45: Also inzwischen ist es so dass wir ganz zum Schluss des Konzerts das Publikum auch animieren mitzusingen.

00:24:50: da kommt auch mal Zitat Wir haben die Italiane vom Toto Cotonio im Programm.

00:24:55: Das ist sicherlich wie die Grenze dessen was wir ausloaten.

00:24:57: aber mir macht das Spaß und eine Grenze auszuloten ist nicht immer nur die Grenzen wie die irgendwelche sogenannten Experten dir als solche quittieren sondern du merkst am Ende sollen Menschen auch aus dem Konzert rausgehen und sagen, mein Gott da war eigentlich alles dabei.

00:25:11: Ich habe die Zeit mal für zwei Stunden anhalten können und hab es gar nicht so richtig gemerkt, damit das ist schon vorbei war.

00:25:17: Und es war was fürs Herz dabei – für die Seele aber auch eben etwas für die

00:25:20: Lachbmuskeln.".

00:25:21: Das finde ich eben so schön bei jedem Künstler ob ich jetzt die Musik mag oder nicht, aber ich finde wenn es jemand schafft... Menschen zu berühren mit dem, was sie auf der Bühne leisten und für die Menschen, die nämlich in ihrem Publikum sitzen.

00:25:31: Die gehen nach Hause und reden da noch drei Monate später davon von diesem besonderen Abend, den Sie erlebt

00:25:36: haben.".

00:25:36: Das

00:25:36: wäre das Schönste, was passieren kann.

00:25:38: Dass man das Gefühl hat, der Abend war wirklich toll!

00:25:40: Da habe ich mich noch länger dran erinnert und im Übrigen ist es auch nicht selbstverständlich als Künstler das im Publikums immer zu sehen wenn das ein voller Saal ist.

00:25:48: Ich meine mal muss sich einen Tag im Kalender frei halten.

00:25:51: ab Mittags geht schon die Frage los... Was ziehe ich an?

00:25:56: gehe ich noch essen mit meiner Frau, dann sitze sich der Abend zu mir und dann sollte das eigentlich auch ein Abend sein, der vergleichsweise unvergesslich ist.

00:26:03: Das ist unser Job!

00:26:04: Und die Kunst findet auch statt und nicht nur am

00:26:06: Rande.".

00:26:15: Sondern Berufung.

00:26:16: Als ich davon leben konnte, schlicht und einfach!

00:26:18: Ich trenne nach wie vor noch sehr deutlich zwischen der Frage was an der Trompete und was an Jazz muss ich machen weil ich das bin?

00:26:26: Und ich würde das auch tun wenn ich vielleicht mein Geld mit etwas anderem verdienen würde.

00:26:30: Darüber habe immer wieder mal natürlich nachgedacht, denn wie alle Kunst ist es eigentlich auch komisch wenn du merkst naja das muss auch immer weitergehen damit du irgendwie deine Rechnung bezahlen kannst.

00:26:41: Nun habe ich glücklicherweise nicht das Problem aber du bist auch immer gezwungen darüber nachzudenken was ist das nächste Projekt dass am Ende des Tages sich möglicherweise auch als erfolgreich darstellt?

00:26:53: Und Musik machen würde ich auch kostenlos.

00:26:55: Ich werde eigentlich fürs Reisen bezahlt und für all das, was drumherum stattfindet ja.

00:27:00: Ich glaube Ian Anderson hat das mal sehr gut gesagt von Jethro-Tile der sagte, ich verwende Ninzig Prozent meiner Zeit darauf um zwei Prozent Flöte zu spielen und das kann ich sehr gut nachvollziehen.

00:27:10: Man kann so ein Leben doch nur fünferens einen Spaß macht weil natürlich das Reisen ist ja irgendwann auch anstrengend

00:27:14: Total.

00:27:15: Also die meisten Menschen stellen sich das romantisch vor, Mensch der sieht tolle Orte was wir tatsächlich sehen und wir sehen Gangways Wir sehen Flugzeuge, wir sehen Hotelzimmer Und oft ist es so dass wir die Sonne gar nicht sehen weil das einfach die Zeitumstellung nicht zulässt oder am nächsten Morgen noch in der Dunkelheit wieder zurückgefahren wird zum Flughafen.

00:27:32: Es hat alles seine Schattenseiten und seine schönen Seiten beschweren.

00:27:36: Nee, das mache ich nicht.

00:27:38: Dafür mache ich's einfach zu gerne

00:27:39: Weil man muss ja auch einiges opfern, um so weit nach oben zu kommen wie sie.

00:27:42: Also ich glaube gerade Privatleben also Zeit mit Menschen die am wichtig sind das bleibt ja irgendwo auch auf der Strecke?

00:27:48: Ja die Frage ist immer was man als Streckel und als Maßstab hernimmt.

00:27:51: Ich glaube dass ich nachdem ich sicherlich auch verschiedene Sachen erlebt habe heute in der Situation mit einem sehr stabilen Familienleben gesegnet zu sein und ich glaube dass die Abwesen hat von einem sagen wir mal viel beschäftigten Vater Am Ende des Tages, auf jeden Fall jemand erfordert auf der anderen Seite den Erklärt.

00:28:10: Den Kindern erklärt warum der Papa nicht da ist und das war mal meine Eltern auch so.

00:28:14: ich habe meine Eltern mal irgendwann gefragt Wie ist es eigentlich gewesen?

00:28:18: also weil mein Vater hat aufgearbeitet?

00:28:22: Ich hab dir diesen Konflikt gelöst und dann sagte meine Mutter und ich glaube dass darf ich hier auch ruhig sagen Weißt du, dein Papa hat mir irgendwann mal erklärt wie dass er das alles sieht aber dass es ohne meinen Paar sozusagen hier zu Hause mit den Kindern auch nicht möglich wäre dazu zu machen Und das war ein guter Moment, glaube ich.

00:28:38: Insofern wenn man nicht im Klinsch und Streit miteinander liegt dann sollte man sich immer wieder vergewissern was eigentlich die Familie als solches zusammenhält.

00:28:46: Das ist unverzichtbar dass der Teil und der Partien man liefert zum gemeinsamen friedlichen Leben dass er auch definiert und ausgesprochen ist.

00:28:54: Wenn Sie jetzt heute wie alt sind Ihre Eltern?

00:28:56: Meine Eltern sind über achtzig inzwischen.

00:29:00: Ich weiß nicht, wer hat sie mehr geprägt?

00:29:02: Mutter oder Vater?

00:29:03: Inzwischen würde ich sagen beide.

00:29:04: Mein Vater was den Kopf und die Denke angeht sehr.

00:29:08: Meine Mutter aber sozusagen als das Rockzipfelziel par excellence vor alle Kindern natürlich auch.

00:29:14: es ist die perfekte Mischung aus beidem Und das liegt sicherlich auch daran dass meine Eltern noch zusammen sind Und sagen wir mal, sehr lange vereinratet sind miteinander.

00:29:22: Also ich komme aus einer so genannten Intaktenfamilie aber sie kennen den Satz und den Spruch unter jedem Dach ein Acht.

00:29:28: das ist immer so.

00:29:29: also Glück äußerlich muss nicht unbedingt sich innerlich wiederfinden Aber ich war sehr gesegnet und ich glaube dass das behütet war

00:29:37: wenn Sie nach Hause kamen aus der Schule gab es Mittagessen.

00:29:39: War das so?

00:29:40: Genau!

00:29:40: Wenn ich nach hause kam gab's um dreizehn Uhr Mittag Essen und ich konnte alles erzählen was da gerade passiert ist.

00:29:46: Das waren großes Glück.

00:29:48: Ich weiß aber Manche Kinder natürlich anders gegangen ist und auch bei mir in der Schulbank haben ganz andere Biografien stattgefunden, das ist ja klar.

00:29:55: Sie sind ja auch Bruder?

00:29:55: –

00:29:56: Korrekt!

00:29:57: Wie sind sie als Bruder?

00:29:58: oder wie waren sie?

00:29:59: Naja ich war der ältere Bruder und mein junger Bruder Pino, der auch angehender Schlagzeuger war sich dann aber irgendwann entschied dieses Management-Teil diesen Managementbereich zu bekleiden.

00:30:14: Der stand am Anfang sicherlich altersmäßig und was das Schlag zu spielen anging, ein bisschen im Schatten des älteren Bruders.

00:30:19: Das ist aber auch noch normal.

00:30:20: man guckt immer so ein bisschen nach oben Und dann war ich in Berlin und der war noch in Bonn wo wir damals wohnten und später ist er nach Berlin gekommen und da war er über viele viele Jahre uns erfolgreich dazu mein Manager.

00:30:33: Wir haben entschieden dass alles miteinander zu machen.

00:30:35: irgendwann haben wir festgestellt dass wir lieber Brüder sein wollen statt Geschäftspartner und das ist bis heute glaube Ich die richtige Entscheidung.

00:30:43: Wenn man uns getrennt voneinander befragt, würden wir glaube ich exakt die gleichen Dinge erzählen.

00:30:47: Sie sind sich auch ähnlich finde ich.

00:30:49: Die Ähnlichkeit ist da aber es ist schön zu wissen das gibt noch ein Bruder also es gibt einfach noch jemand?

00:30:55: Ja auf jeden Fall!

00:30:56: Mein Bruder hat einen riesen Anteil an meiner Laufbahn und an meiner Karriere Und dass wir heute in dem Sinne nicht mehr arbeiten, ist überhaupt kein Problem.

00:31:05: Weil wir telefonieren regelmäßig und da heute ein wenig in einer anderen Branche im anderen Segment tätig ist mit dem ich manchmal auch zu tun habe es eher in den Medien oder mit Fernsehen zu tun kann ich ihn immer wenn da mal was passiert auch fragen und Wir telefonieren schon regelmäßig vor allen Dingen dann wenn's mal enger wird merkt man schon Dass das die Familie das wichtigste ist und bleibt wenn sie den vorhanden ist.

00:31:25: Ist ja bei Ihnen vorhandenen Sie sich auch Papa?

00:31:27: Das stimmt.

00:31:28: Wie hat das Ihr Leben nochmal verändert Papa zu werden?

00:31:31: Es gibt nichts Schöneres, nichts Wichtigeres.

00:31:33: Wenn es unter friedlichen Umständen passiert und das kann man ja nie vorher sagen dann ist es eigentlich das Schönste dass man merkt, dass es schon viel früher wichtig ist Dinge weiterzugeben und dass man am Ende aber auch manches an diesen Biografien und Entwicklungen.

00:31:47: nicht alles davon ist einfach immer nur Kindergeburtstag buchstäblich sondern vieles davon ist auch steinig, man macht doch Fehler.

00:31:53: Das können viele Eltern erzählen, aber der Umgang damit und vielleicht auch die offene Kommunikation.

00:31:59: Der ist wichtig.

00:31:59: und bei meinem älteren Sohn inzwischen einundzwanzig ist da sind wir längst an dem Punkt wo wir uns all das sagen können was vielleicht nicht so gut gelaufen ist wie und was überwiegt ist dass wir uns haben und dass wir wissen dass wir diesen Weg weitergehen werden.

00:32:12: ich bin über uns der feste Ansicht Kinder dürfen einmal im Leben ihrem Elternteil oder ihren Eltern mal so richtig die Meinung geeignet Und das habe ich auch getan.

00:32:22: Da

00:32:23: war ich gar nicht so jung, da war ich ungefähr Anfang zwanzig-zwanzig.

00:32:28: Da musste einmal alles raus und alle haben sich danach besser gefühlt.

00:32:32: Es ist dann echter irgendwie oder?

00:32:34: Ja, es ist echter und ich glaube dass das auch in gewisser Weise absurd ist wenn Eltern denken sie würden alles richtig machen nur weil's vielleicht so bei ihnen gelaufen ist.

00:32:43: oder dieser Satz wie irgendwie Ich habe dich unter Schmerzen geboren.

00:32:47: Wie kannst du nur verzichtet?

00:32:49: So lange du deine Füße an meinen Tisch stellst ja musst du!

00:32:52: Das ist Unsinn.

00:32:53: Kinder werden nicht gebeten geboren zu werden oder gefragt sondern auch wenn es natürlich diesen Satz gibt Kinder suchen sich ihre Eltern aus.

00:33:00: der ist ein bisschen isoterisch.

00:33:02: der Satz man merkt auch im Laufe der Jahre, dass da was dran ist.

00:33:05: Man möchte keine anderen Kinder als die, die man hat.

00:33:08: das ist das schönste.

00:33:09: Und

00:33:09: Sie wollen wahrscheinlich auch keine anderen Eltern als sie haben oder?

00:33:12: Überhaupt nicht ja.

00:33:13: und aber ich denke den Frieden damit gemacht zu haben wie es gelaufen ist trotzdem natürlich den Finger auf etwas legen zu können was vielleicht auch eine Herausforderung war.

00:33:24: Das halte ich für nach wie vor sehr wichtig.

00:33:26: aber die Zeit der Auffrechnungen Die habe ich nicht mehr auf der Uhr.

00:33:32: Das steht nicht mehr an meiner Agenda, überhaupt

00:33:34: nicht.".

00:33:35: Hat ihr so ein Talent von ihnen geerbt?

00:33:37: Also was die Musik angeht oder ich meine sie fotografieren ja auch und sind noch Professor.

00:33:41: Sie unterrichten ja auch noch.

00:33:43: aber haben die Kinder irgendwas geerbten in die Richtung?

00:33:46: Ist natürlich schwierig auch, ne?

00:33:48: Ja, sagen wir mal so auf dem Niveau ist das schwierig, aber was ich wichtig finde und das habe ich überall beobachtet bei meinen Kindern, aber auch bei anderen Kindern wenn Kinder Musik ausgesetzt sind und zwar im frühen Alter.

00:34:01: Dann ist es überhaupt nicht erforderlich, dass man sie ständig hier heran führt und sagt guck mal hier, das ist ein Ventil und da kommt so ein Ton raus.

00:34:08: Man kann es auch einfach wie auf dem Tisch liegen lassen und dann kommen die irgendwann von selber und wollen versuchen einen Ton daraus zu bekommen.

00:34:15: Und beide meiner Kinder haben da relativ schnellen Ton herausbekommen ohne dass ich ihnen groß was zeigen musste.

00:34:22: Ich glaube mein Sohn zum Beispiel ist ein großer Hip Hop Fan wo ich ihn überhaupt nicht jetzt daran geführt habe, kam da irgendwann und zeigte mir was er an Hip Hop mag.

00:34:32: Und es waren nur die coolen Sachen, nur die coole Acts dabei.

00:34:36: das was auch Hip Hop war sozusagen als das ansehen was eigentlich diese Musik begründet und wo die DNA liegt also the Cool Shit sozusagen.

00:34:45: Da hab' ich überhaupt keinen Anteil dran gehabt.

00:34:46: Also ich denke es war sicherlich irgendetwas dass auch so subkutan und automatisch

00:34:51: chemisch

00:34:52: weitergegeben wurde.

00:34:55: das schönste eigentlich, wenn die Kinder in den Konzerten sind und das Gefühl haben heute warst du ganz gut drauf.

00:35:01: Letztmal fand ich dich besser und heute hast du sogar mein Herz richtig berührt und es ist ein toller Moment sowas.

00:35:07: Welche Musik läuft bei Ihnen zu Hause?

00:35:10: Katy Perry gerade!

00:35:12: Wie finden Sie denn die Beziehung Justin Tridot und Katy Perry?

00:35:16: Das ist doch irre, oder.

00:35:17: Ja es ist irre aber man sollte nie sagen und wir kommen glaube ich auch hierzulande immer wieder auf lustige Kombinationen und Zufälle wo die Liebe hinfällt sagt meine Mama einmal

00:35:27: Aber Katy Perry also diese Verbindung gefällt mir auch gerade extrem gut.

00:35:30: ja Bemerkenswert.

00:35:32: Gehen sie auch zu Konzerten dann von anderen Künstlern.

00:35:34: Ich gehe schon zu Konzerten aber ich komme zu selten dazu.

00:35:37: wenn ich in Berlin bin freue ich mich über fast nichts mehr als wenn Meine Freunde von den Berliner Philharmonikern mal sagen, pass mal auf.

00:35:44: Morgen sind wir hier.

00:35:45: Hast du nicht Lust spontan vorbeizukommen?

00:35:47: Wir sind gerade mit dem und dem auf Tournee.

00:35:49: Das ist immer noch eine der erhebendsten Ja Erfahrung, muss man sagen.

00:35:55: Ein großes Orchester noch dazu von Weltrang und dieser Krassheit live zu erleben in einem der prästischsträchtigsten Musik-Tempel.

00:36:04: Gott sei Dank wird die Philharmonie jetzt mal wie ich höre auf Vordermann gewacht.

00:36:07: Das muss man ja auch in dieser Stadt und vor allem für dieses Land wieder in die erste Reihe fahren und

00:36:12: führen.".

00:36:13: Auf dem Weg nach ganz oben!

00:36:14: Also ihr Karriereweg nach ganz oben, haben Sie sich verändert?

00:36:18: oder wurde Ihnen gesagt dass sie sich verändert haben?

00:36:21: Oder haben Sie vielleicht auch mal Dinge oder vielleicht irgendwas an sich selbst registriert wo Sie sagen das gefällt mir jetzt gerade nicht so gut.

00:36:28: Oder sagen Sie sind einfach der der Sie immer waren?

00:36:30: Ich glaube es wäre schlicht gelogen dass man immer nur derselbe geblieben ist.

00:36:35: und wenn man ein aufgeräumtes und im Wesentlichen brauchbares Bild von sich hat tut man glaube ich nicht aus Fräumigkeitsgründen gut daran davon auszugehen, dass man selbstverständlich den ein oder anderen auf dem Wege nicht so gut behandelt hat.

00:36:50: Oder vielleicht sogar völlig unbeabsichtigt nicht gut behandlt hat.

00:36:54: also wenn man glaubt man habe nur Freunde nein das ist nicht der Fall und das kann auch gar nicht sein es rechnerisch völlig unmöglich weil dazu auch immer zwei gehören und die Sicht auf einen selbst ist zwangsläufig nicht die gleiche sich die andere Leute haben, nicht jeder sagt ja auch immer die Wahrheit.

00:37:12: Also man trifft sich in gewisser Weise immer zweimal im Leben aber es ist auch nicht immer erforderlich sozusagen.

00:37:17: also man spürt schon wie das dass das Menschen vielleicht von einem über die Jahre oder vielleicht generell nicht immer eine gute Meinung haben.

00:37:24: aber es lohnt sich zu fragen ob das berechtigt ist.

00:37:27: und dann kommt der Moment wo man auch nach vorne schauen darf.

00:37:29: also gefall sucht habe ich mir über die jahre dann weitestgehend mal gespart und abgelegt

00:37:36: Da gibt es ein gesundes Umfeld, die dann sagen.

00:37:38: Die Eltern vorne weg, wenn sie abheben würden.

00:37:42: Haben die Eltern was gesagt zu ihnen?

00:37:43: Äh

00:37:44: ... Ne, ich empfinde mich auch nicht als abgehoben.

00:37:46: Also was das angeht, also ich bin sagen wir mal lange genug dabei und weiß wie viel Arbeit in diesem Instrument drin steckt.

00:37:53: Und ich habe so eine Formel.

00:37:54: die ist auch nicht von mir.

00:37:56: Wer länger als zehn Jahre dabei ist und immer wieder auf der Mattscheibe oder im Geschehen auftaucht Der hat sich das wirklich erarbeitet und da kann man nicht davon ausgehen dass es eine Luftnummer ist oder eine Eintagsfliege.

00:38:10: Wer länger als zehn Jahre dabei ist, der hat das wirklich auch verinnerlicht und er kann halt auch was.

00:38:16: Wo haben Sie jeden Tag?

00:38:17: Ich über jeden Tag und das sage ich auch all den jungen Trompetern und Trompeterinnen die zu Konzerten kommen immer weißt du was?

00:38:23: wenn du jeden Tag fünf Minuten spielst dann bist du viel viel besser als der der zweimal in der Woche für drei Stunden versucht irgendwie das Haus und die Hütte abzureißen weil du einfach im Training bleibst.

00:38:33: ne Man muss so ein Instrument im Körper beibringen und nicht nur dem Kopf.

00:38:36: Und der Körper ist nicht dazu geboren, Trompete zu spielen.

00:38:40: Das ist ein ganz komisches System dieses Blechblas-Instrumente.

00:38:43: aber wenn man es regelmäßig macht dann bleibt man dran.

00:38:46: also da bleibt man vor allen Dingen auch fit wie es wie in Sport.

00:38:49: Die Mathe wird Achtzig die singt jeden Tag eine Stunde, jeden Tag!

00:38:53: Was finde ich bemerkenswert?

00:38:54: Ja und man hört's auch an der Stimme finde ich.

00:38:56: Ja, ich glaube Sie weiß wovon sie spricht und in dem Alter verändert sich die Stimme auf jeden Fall.

00:39:02: Ich glaube bei Sängern ist es dann so dass sie sich tatsächlich das Genre oder die Range in der sie singen oder noch singen können und wollen ein wenig einengen müssen.

00:39:11: von Maria Callas.

00:39:13: Diverse Filme wie gesehen.

00:39:14: natürlich weiß man das aber es gibt einige die ganz lange und großartig weiter singen und vielleicht singe sie mit ein bisschen weniger Anspruch alles zu beherrschen sich das aus, was am Ende noch funktioniert.

00:39:27: Und das finde ich total

00:39:28: gut.".

00:39:28: Hatten Sie jemals so einen Albtraum?

00:39:30: Dass die Schweißgebadet aufgewacht sind, weil sie sagen okay mit meinen Fingern ist irgendwas, mit meinen Händen ist irgendwas oder mit meinem Mund.

00:39:36: also das sind ja Ihre wichtigsten... Organe, sag ich mal.

00:39:39: Um ihren Job ausüben zu können?

00:39:40: Einmal ... Sie machen Witze wahrscheinlich.

00:39:43: Nein, ich hab tatsächlich auf diesem Instrument eine ganz handfeste Krise durchlebt.

00:39:49: Ich

00:39:49: mach keine Witze, weil Trompete gehören die Hände dazu und den Mund.

00:39:54: Die Vorstellung, ganz plump gesagt, ich könnte mich so verletzen, dass mir ein Finger abhanden kommt oder die Zähne nicht mehr da sind.

00:40:04: Oder Muskeln um die Lippen herum, damit ich nicht gut genug höre dass das Augenlicht leidet.

00:40:09: All das sind Dinge, die sind eine Horrorvorstellung für mich.

00:40:13: Alleine, dass ich eine Brille brauche jetzt inzwischen mit der ich zwar Noten lesen kann aber irgendwie... Ich mag keine Brillen.

00:40:19: Ja, ich möchte das gerne so lesen können.

00:40:21: Das habe ich überlegt.

00:40:22: ob ich demnächst vielleicht doch mal so ne Linsensbehandlung mache weil mir viele Leute erzählen das sei es ein Gamechanger und das Ganze.

00:40:29: Haben

00:40:29: ja auch ganz viel, hab ich draußen nicht.

00:40:30: Ja ich bin auch noch am Zögern Aber sie haben vollkommen recht, das steht und fällt natürlich mit den körperlichen Zutaten und ich versuche bestimmte Dinge und Tätigkeiten zu vermeiden.

00:40:43: Schafe Messer, Skifahren also was das mache ich nicht.

00:40:46: dafür gibt es dann andere

00:40:47: Wirklich, weil das ist ja ihr Leben.

00:40:49: Also wir können den Beruf nicht mehr ausüben?

00:40:51: Absolut!

00:40:51: Ich

00:40:51: muss aufpassen was ich tue.

00:40:54: Ich gehe treppen langsam mal runter und lege mich inzwischen in den Hotels immer ganz, ganz langsam ins Bett.

00:40:59: Ja, aber ich versuche mir das Zimmer zu ertasten.

00:41:02: Ich finde es auch fürchterlich dass man sich wie die ganzen Schaltpläne und Knöpfe immer irgendwie quasi bei der Hotelrepsation erstmal kommen lassen muss bis man

00:41:10: kapiert hat wie das Licht angeht.

00:41:13: Noch schlimmer aus.

00:41:14: Genau, noch schlimmer auch.

00:41:16: Wenn man nachts dann irgendwann endlich ins Hotelzimmer kommt nach einem langen Tag und dann gehen die Lichter nicht aus.

00:41:20: Eins ist immer irgendwo an!

00:41:22: Es muss der eine Hauptschalter direkt neben dem Bett sein, sonst

00:41:25: funktioniert

00:41:25: das

00:41:25: nicht.

00:41:25: Ja aber da sind schon Gedanken, die man hat also dass es irgendwann vorbei sein könnte.

00:41:30: Ja, das muss man auch sich vorstellen.

00:41:33: Also es gibt verschiedene Dinge die dich bremsen und tatsächlich auch außer Gefecht setzen können.

00:41:39: Ich bin zum Beispiel inzwischen Asthmatiker also ich muss wirklich sehen dass ich meine Atemwege im Schuss halte.

00:41:47: zu viel Kälte Dämpfe und sowas das ist für mich totales Gift.

00:41:50: dann habe ich gleich fünfzig Prozent weniger Kraft zur Verfügung.

00:41:53: Das sind Dinge die auch inzwischen ärztlich mit begleitet werden, wie beim Hochleistungssport.

00:41:59: Da ist auch der Physiotherapeut oder der Arzt Amirantas ganz normal.

00:42:04: Aber man schützt sich tatsächlich auch physisch so gut es geht.

00:42:07: ich versuche irgendwelchen Handgemengen aus dem Weg zu gehen wenn ich die von weitem sehe also auf einer Demo sehen sie mich nicht obwohl ich natürlich oft das Gefühl hatte da könnte es mich auch gebrauchen so ungefähr

00:42:18: Lala an die Klimaanlage im Flieger wenn Sie lange Strecken fliegen Das ist ja auch schon so ein

00:42:23: Ein Hoch auf die Maske, zumindest an der Stelle.

00:42:25: Sagen Sie Maske?

00:42:26: Ja im Flugzeug also versuche ich mich tatsächlich so gut wie möglich zu schützen.

00:42:29: da wird auch alles umgewälzt und da fliegt wirklich alles in der Gegend herum.

00:42:32: was du nicht möchtest.

00:42:34: ja sie leben ja in Berlin oder beziehungsweise Potsdam.

00:42:37: Deutschland Italien fängst an in Rom LA.

00:42:42: Ich weiß nicht wie ist so dieses Ra... Also wo fühlen sie sich Zuhause?

00:42:48: Da zu Hause, wo meine Arbeit in dem Sinne ist und wo meine Familie ist.

00:42:53: Und das mache ich weniger an einem geografischen Ort fest.

00:42:56: Ich habe dreißig Jahre in Berlin gelebt und das war sehr eindrucksvoll.

00:43:01: Ich hab diese Stadt beobachtet und nicht immer habe ich es mit Freude beobachtet und verfolgt was hier passiert?

00:43:08: wirklich große Hoffnungen auch, dass hier in der Stadt doch am Ende das passieren kann.

00:43:13: Was so eine Weltstadt mit der man sehr viel Geduld hatte sowohl hier in die Stadt als auch weltweit was dann noch kommen kann.

00:43:19: Inzwischen glaube ich, dass die Stadt in ihren sozialen Problemen ertrinkt und ich halte es für sehr schwierig das überhaupt zu Lebzeiten nochmal mal so zu ändern wünsche aber allen Beteiligten sehr viel Glück.

00:43:30: irgendwann habe ich mich während der Pandemie entschieden ein bisschen einen Rand zu ziehen, deswegen sind wir nach Potsdam gezogen.

00:43:37: Deutschland an sich muss gerade viele Fragen beantworten aber so viel wie ich reise merke ich das ist natürlich und das ist nicht unwesentlicher Punkt im Herzen natürlich deutscher bin.

00:43:47: wenn du in LA bist und bist dort im Studio dann kommt gerne mal der Satz Don't Be So German my friend.

00:43:52: also die deutsche Mentalität ist bekannt in der Welt.

00:43:56: vieles davon ist hilfreich Und die Verlässlichkeit, die berühmte Aldi Tugenden.

00:44:02: Manches wird allerdings auch belächelt weil wir einfach in Bürokratie und in Regeln und all dem wirklich versinken von zehn Leuten am Tisch wenn irgendwas vorgeschlagen wird sagen in Deutschland neun das wird ganz schwierig.

00:44:15: also ich glaube dass klappt nicht und in Amerika erlebe wie es genau umgekehrt ist wieder sagen von zehn leuten neuen wow let's try it lets go for it.

00:44:23: und der eine sagt war ich glaube schwierig so Und ich glaube, das Glas halb voll zu sehen statt halb leer.

00:44:30: Das müssen wir noch mal näher unter die Lupe nehmen hier.

00:44:33: Ich bin doch in Amerika auch wenn es nicht so gemeint ist.

00:44:35: aber wenn mein Laden reinkommt und man wird erst einmal freundlich begrüßt.

00:44:38: Hey wie toll du siehst!

00:44:39: Toller aus deinem Outfit gefällt mir, deine Brille gefällt mich... Auch wenn Sie's nicht meinen, aber es ist einfach netter und schöner als wenn man irgendwo reinkompt und wird keines Blickes gewürdigt und man sucht die Verkäuferin.

00:44:48: Ja finde ich in Amerika sehr angenehm muss ich sagen.

00:44:51: Das gesellschaftliche Empfinden beziehungsweise der Umgang miteinander ist natürlich aus verschiedener Leihgründen in Amerika ein höflicher.

00:44:59: Man muss aufpassen, jemanden nur zu berühren im Supermarkt und sicherstellen dass er danach nicht das Gefühl hat du hättest ihn jetzt gerade irgendwie behalligt und die wollen alle nicht verklagt werden.

00:45:10: Mir das Interessante daran ist, dass eben auch einen Weg ist wie tatsächlich höflich und gesittet miteinander umzugehen dem anderen einfach mal den Vortritt zu lassen irgendwo und friedlich mit den Laden wieder zu verlassen.

00:45:23: Auf welche Art und Weise das geschieht, ist manchmal gar nicht so wichtig.

00:45:26: Hauptsache es geschieht!

00:45:28: Sie stehen jetzt in ein paar Stunden auf der Bühne im Gewandhaus, in Leipzig.

00:45:31: Kennen sie noch so was wie Lampenfieber?

00:45:33: Oh ja!

00:45:34: Lampenfieber ist glaube ich etwas fast unerlässlich.

00:45:37: Also wenn ich vor dem Konzert keine Nervosität spüre dann läuft eigentlich sogar irgendwas falsch.

00:45:41: also die besten Konzerte waren immer die vor denen du auch ordentlich aufgeregt warst und ich kann zum Beispiel nicht fünfzig Prozent spielen.

00:45:50: bei mir gibt es nur den an oder den Ausschalter.

00:45:52: dazwischen ist keine Stufe über mich.

00:45:57: Ich spiele kein Konzert schlechter nur, weil möglicherweise die Gage und nur die Hälfte war oder gar ausblieb.

00:46:03: Oder so.

00:46:03: das kann ich nicht.

00:46:04: also bei mir gibt es noch an oder aus.

00:46:06: wenn ich sie jetzt bitten würde weil die Trompete schön vor mir nicht guckt sie die ganze Zeit an.

00:46:11: ist es möglich dass ihr einfach mal kurz was spielen für mich?

00:46:14: ich

00:46:14: guck mal was rauskommt oder wir sind ja auch in Italien.

00:46:18: italien

00:46:19: finde ich sehr schön.

00:46:33: dann kommt

00:46:35: Ich kann nicht singen, sonst würde ich mit singen.

00:46:37: Volare!

00:46:38: Sehr schön.

00:46:39: Nein das ist schön und Italien... Wir haben mit Italien angefangen.

00:46:42: wir hören mit Italian auf.

00:46:43: ein Wunsch wäre irgendwann mal vor einem Papst vielleicht möglicherweise zu spielen.

00:46:47: was haben sie denn noch für einen Wunsch fürs Leben oder für den Traum?

00:46:50: Es klingt wirklich abgedroschen von Mai aber er war wirklich gesund bleiben und dass sich wirklich so lange Trompete spielen kann wie ich möchte am liebsten in dem Moment wo es dann einmal war fürs leben mit der Trompette in der Hand.

00:47:00: wenn ich ehrlich bin und meine Familie irgendwo in der Nähe

00:47:03: Und wenn es dann irgendwann mal vorbei sein sollte, wünscht man sich auch, dass irgendjemand anderes am Grab steht und vielleicht für einen Trompeter spielt?

00:47:10: Ich habe tatsächlich nicht so oft darüber nachgedacht.

00:47:12: Aber immer, wenn ein Gedanke aufkam was bleibt von dir oder wie soll das eigentlich vonstatten gehen... ich glaube, man sollte nicht davon ausgehen, dass so wahnsinnig viele Menschen dich vermissen, wenn du mal nicht mehr bist.

00:47:24: Ich glaube, das ist eine falsche Vorstellung!

00:47:25: Was man aber tun sollte – und das hab' ich immer wieder einmal erleben dürfen – ...ich glaube, es lohnt sich die eigene Beerdigung zu planen Und zwar so zu planen, dass tatsächlich auch dramaturgisch... all das passiert, was du willst.

00:47:38: Ich habe als Trompeter logischerweise eine Menge Menschen auch zu Grabe getragen und der Wunsch, dass der Brünner am Grab spielt von Hildegard Knev bis sonst wohin, das hab ich immer sehr gerne erfüllt und gemacht obwohl es ein krasser Gang ist.

00:47:52: aber was dort alles noch passieren kann wer sich am Grab noch wünscht irgendwas sagen zu wollen oder glaubt etwas sagen zu müssen obwohl die Angehörigen das gar nicht wollen das ist streckenweise unerträglich und insofern rate ich allen vor allen Dingen deine Beerdigung so, dass es ein friedlicher und würdiger Gang ist an.

00:48:12: letzter.

00:48:12: Sie sind fünfundfünfzig.

00:48:13: haben sie das schon geplant?

00:48:15: Ich habe's noch nicht geplant aber ich hab mir vorgenommen diese Erkenntnis die gerade formuliert habe die ist mehr als gereift.

00:48:21: insofern ich würde das glaube ich demnächst mal skizzieren obwohl ich hoffe dass das noch lange nicht nötig ist.

00:48:26: Das

00:48:27: hoff' ich auch.

00:48:27: Herr Franaich danke Ihnen sehr!

00:48:28: Danke Ihnen.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.